18.1.2008

Schleimt Huck sich zum Sieg? Und werde ich fett?

Von Martin Kilian um 02:40 [ Spartanburg, South Carolina ]
36 Stunden vor Eröffnung der Wahllokale für die republikanischen Vorwahlen in South Carolina geht Mike «Praise The Lord» Huckabee vollends über Bord. Der Mann wird langsam gemeingefährlich in seinem Bestreben, den Jesus-Flügel der Partei um sich zu scharen. Erst sagt er, die Schwulenehe könne keinesfalls legalisiert werden, wäre ja noch schöner, nicht wahr, als nächstes werde die Polygamie erlaubt (war bekanntlich schon mal im Gange unter den Mormonen und wird gelegentlich noch immer von Outlaw-Mormonen praktiziert), und schlussendlich werde sogar die Ehe zwischen Tieren und Menschen sanktioniert. Sagte Huck.

Danach schleimte der Gottesmann aus Arkansas die ewigen Konföderierten in South Carolina an, jene also, die noch immer nicht verwunden haben, dass der Süden 1865 den Bürgerkrieg verlor. Niemand könne den South Carolinians vorschreiben, ob und wo sie ihre konföderierte Flagge aufhängen könnten, sagte Huck, womit er meinte, es sei doch wunderbar, wenn das Ding, das nicht nur Afroamerikaner nervt, demnächst wieder über dem Staatsparlament in Columbia flatterte. Ist Francisco Franco eigentlich noch immer tot? Bei einer gewissen Fraktion der Republikanischen Partei in South Carolina hätte der Caudillo gewiss Chancen! Nun wirbt eben Huck um diese …nun ja…. Traditionalisten.

Erschüttert ging ich essen und lief im Shangri-La südstaatlicher Esskultur ein, wo mich die nette Bedienung mit «Honey» ansprach und meine Bestellung aufpumpte, indem sie mir bedeutete, für eine zusätzliche Handvoll Dollar erwarte mich eine Giga-Portion von kosmischen Ausmassen. Prompt biss ich an und fand mich alsbald mit einem Salatteller von solcher Höhe konfrontiert, dass ich versucht war, im Stehen zu essen. Kein Wunder, dass die Leute fett wie noch was sind und ich auf dem besten Wege dorthin bin, wenn ich weiter so zuschlage.

Und nun der Höhepunkt des Tages, nämlich Musik von der Marshall Tucker Band, deren Heimat Spartanburg ist und die sich nach einem blinden Mann benannte, der in Spartanburg Pianos stimmte. Eine aufregende Information!


Ahhhh...Southern Rock!


17.1.2008

Nichts für empfindliche Naturen….

Von Martin Kilian um 16:43 [ Spartanburg, South Carolina ]
Dass South Carolina zu den konservativsten amerikanischen Bundesstaaten zählt, steht ausser Frage. Der Staat verströmt Nostalgie nach dem alten Süden, dazu ist er Heimat unverbesserlicher Fans der alten Südstaaten-Konföderation, die erheblichen Radau verursachten, als vor Jahren die konföderierte Flagge von der Kuppel des Staatsparlaments in der Staatshauptstadt Columbia entfernt wurde. Ausserdem ist South Carolina voller Veteranen und überdies so fromm, dass der Jesus-Flügel der Republikaner hier besonders stark ist.

Und immer schon ging es hoch her in der Politik des Staats, ja nachgerade berühmt ist South Carolina für derbe Durchstechereien. Berühmtester Praktizierer des politischen Handkantenschlags a la South Carolina war der Republikaner Lee Atwater, der beim Präsidentschaftswahlkampf 1988 im Dienste des älteren Bushs den Demokraten Michael Dukakis zerlegte. Kaum jemand aber hat South Carolinas Grobheiten so hautnah erfahren wie Senator John McCain, der bei der republikanischen Vorwahl vor acht Jahren derart verleumdet wurde, dass er anschliessend Symptome von posttraumatischem Stress zeigte.

Unter anderem hatte es damals geheissen, McCain habe ein uneheliches Kind mit einer Afroamerikanerin gezeugt – stets wirksam in einem Staat, der noch immer an Rassenproblemen leidet. In Wahrheit handelte es sich bei den Kind um McCains Tochter Bridget, die der Senator und seine Gattin Cindy aus Bangladesch adoptiert hatten.

Drei Tage vor der republikanischen Vorwahl in South Carolina fand sich McCain gestern mal wieder mittenmang in der vertrackten Politik des Staats. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Spartanburg warfen ihm mehrere Unverbesserliche vor, bei der leidigen Vorwahl 2000 gegen den Verbleib der konföderierten Fahne auf dem Staatsparlament agitiert zu haben. McCain erwiderte, es handle sich hierbei um Schnee von gestern, überdies habe eine Mehrheit der Bürger South Carolinas die Entfernung der Flagge befürwortet.

Auch anderweitig hat der Senator ähnliche Probleme wie vor acht Jahren: Es werden hässliche Gerüchte über ihn gestreut, mittels automatisierten Anrufen soll McCain der Wählerschaft neuerlich madig gemacht werden. So lügt beispielsweise eine Gruppe namens «Vietnam-Veteranen gegen McCain» auf einem Flugblatt, der Senator habe als Kriegsgefangener in Nordvietnam Kameraden verraten. Diesmal aber will sich der solcherart Angemachte zur Wehr setzen. «Wir wissen, dass Anrufe gemacht werden, aber jetzt werden wir dagegen vorgehen», sagte McCain am Mittwoch.

Zu diesem Zweck hat der Senator in seinem Hauptquartier eine «Wahrheitsschwadron» eingerichtet, die als schnelle Eingreiftruppe umgehend auf Gerüchte und Verleumdungen reagiert und die Medien alarmiert. Seine Konkurrenten rümpfen natürlich ihre Nasen darüber. McCain, spötteln sie, wolle sich Symphatien holen, indem er sich zum Opfer stilisiere. Aber vielleicht verbirgt sich hinter dieser Häme schon wieder eine Mini-Attacke auf den Senator aus Arizona. Schaut mal, wie empfindlich der Mann ist! Kein Wunder, dass Wahlkämpfe in South Carolina Paranoia erzeugen.