24.7.2008

Ein Denkmal für Jorge Arbusto!....

Von Martin Kilian um 02:05 [ San Francisco, California ]
San Francisco hat schon immer nach einer ganz und gar eigenen Musik getanzt. Die Stadt am Paizfik stand und steht für einen progressiven amerikanischen Liberalismus und für eine Toleranz, die ihresgleichen in den Vereinigten Staaten sucht. Den Betonköpfen der republikanischen Rechten ist das Juwel am Pazifik deshalb stets ein Dorn im Auge gewesen. Als die Demokraten 1984 ihren Präsidentschaftskongress in San Francisco abhielten, kreierte Ronald Reagans damalige Uno-Botschafterin Jean Kirkpatrick den abschätzigen Begriff «San Francisco Demokraten» - radikal, schwul, ohne Sitte und Moral sei die Partei, wollte die republikanische Dame damit sagen.

Ausgerechnet San Francisco aber möchte George W. Bush das erste Denkmal spendieren, damit der Präsidentschaft dieses höchst unpopulären Präsidenten zumindest am Golden Gate mit Würde und Inbrunst gedacht wird. Dieses hehre Ziel gesetzt hat sich die «Presidential Memorial Commission», eine Kommission zur Schaffung eines geeigneten Denkmals, hinter der ein gewisser T. Wayne Pickering steckt. Und hinter Mr.Pickering verbergen sich Brian McConnell und sein Freund Michael Jacinto, beide grosse Bewunderer des doch ach so geschmähten amerikanischen Präsidenten. Auf ihrer Webseite identifiziert sich die Kommission als eine «unparteiliche, nicht-staatliche Organisation zwecks Ehrung des Präsidenten». Da sich die Bush-Präsidentschaft dem Ende nähere, sei es «wichtig, ein dieser Präsidentschaft angemessenes Denkmal zu finden», heisst es dort weiter.

Und was könnte angemessener sein, als eine Kläranlage nach Bush zu benennen? Jawohl, eine Kläranlage! Die Idee kam Brian und Michael, als sie in einer Bar in San Franciso über ein passendes Denkmal für Bush nachdachten. Bei der städtischen Wahlbehörde füllten die beiden umgehend das nötige Formular aus, um mittels eines Volksbegehrens die «Oceanside Water Pollution Control Plant» in «George W. Bush Sewage Plant», also die «George W. Bush Kläranlage», umzubenennen. Damit San Franciscos Wähler bei den Präsidentschafts- und Kongresswahlen im November darüber abstimmen können, wurden Tausende von Unterschriften gesammelt. «Zuerst dachten die Leute, das sei ein Witz, aber dann entwickelte die Idee ein Eigenleben und eine richtige Bewegung kam zu Stande», erklärt Brian.

In der ersten Juliwoche legte die Kommission zwölftausend Unterschriften vor, mehr als genug, um die Umbenennung der Kläranlage zur Abstimmung vorzulegen. Bereits zuvor, im Juni, war Bushs Pressesprecherin Dana Perino bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus auf die übel riechende Angelegenheit angesprochen worden. «Das verdient keine Erwiderung», entrüstete sie sich. Widerstand gegen die Pläne der Denkmal-Kommission kam nicht nur von San Franciscos wenigen Republikanern, sondern vor allem von den Arbeitern der Kläranlage. Sie hätten geklagt, die Namensänderung «sei respektlos, da die Kläranlage gut funktioniert» und deshalb nicht verdiene, Bushs Namen zu tragen, so Brian McConnell. Vergangene Woche aber war es offiziell: Das Wahlbüro der Stadt verkündete, dass die Initiative im kommenden Herbst San Franciscos Wahlscheine zieren wird.

Falls das Volksbegehren angenommen wird – woran niemand zweifelt - , kann die Namensänderung am Tag, an dem George W. Bush das Weisse Haus verlässt, in Kraft treten. «Es wäre das erste Denkmal für Mr. Bush!», enthusiasmiert sich McConnell. Wer hätte gedacht, dass El Presidente Jorge Arbusto ein derart kerniges Denkmal erhalten würde! Es bleibt zu hoffen, dass diesem schönen Monument noch viele von der gleichen Sorte folgen werden!


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