14.7.2008

Allerlei Fossilien.....

Von Martin Kilian um 22:14 [ San Antonio, Texas ]
Dass Benzin im Land automobilistischer Gigantomanie jemals vier Dollar pro Gallone kosten würde, war bis vor kurzem unvorstellbar. Nun aber blechen die Amerikaner einen Dollar pro Liter Sprit, worüber europäische Kfz-Lenker zwar lachen mögen, doch nicht nur sind die Entfernungen hier zu Lande grösser, die Amerikaner schöpften überdies dummerweise aus dem Vollen und kauften Autos, deren Dimensionen an Mastodone und Mammuts gemahnen und die entsprechende Mengen Treibstoff saufen.

Jetzt regiert das nackte Elend an den Zapfsäulen, denn ein voller Tank für ein fälschlich so benanntes «Sport Utility Vehicle» - die peinlichen Apparate sind weder sportlich noch nützlich – kostet irgendwo zwischen 100 und 150 Dollar. An der Tankstelle in Breaux Bridge, wo ich vor der langen Fahrt ins texanische San Antonio auftanke, kaufen manche Kunden nur eine oder zwei Gallonen. Für mehr reicht ihr Geld nicht. Die Gegend im Süden Lousianas ist ärmlich, der hohe Benzinpreis eine schwere Belastung für viele Bewohner.

Und weil die Kunden bisweilen davonbrausen, ohne zuvor die Rechnung beglichen zu haben, muss nun zuerst beim Tankwart bezahlt werden. Der verlangt neuerdings einen Ausweis mit Bild, falls der Autofahrer eine Kreditkarte zückt. «Wir mussten das tun, weil im Gefolge der hohen Benzinpreise der Betrug erheblich zugenommen hat», erklärt der Kassierer. Seine Arbeitsplatz ist von allerlei Warnungen und Verboten eingerahmt. Nein, die Kreditkarte der Grossmutter werde nicht akzeptiert, es sei denn, die Oma wäre persönlich anwesend. Das Limit für Kreditkarten beträgt 75 Dollar! Schecks werden keine genommen!

Derart mürrisch implodiert also das amerikanische Zeitalter ultrabilligen Benzins. Überdies endet es mit zunehmendem Spritklau aus den Tanks geparkter Autos sowie mit Autofahrern, die Autos mit leeren Tanks am Rande der Highways abstellen. Steigt der Benzinpreis weiter an, wird vor allem das platte Land darunter leiden. Schon jetzt blättern die Armen in einigen Landkreisen im Süden ein Sechstel und mehr ihrer bescheidenen Einkommen für Treibstoff hin. Die sich dem Ende zuneigende Ära der Ungetüme auf vier Rädern aber wird dereinst als absurde Manifestation automobilistischen Grössenwahns in die Geschichte der Fortbewegung eingehen.