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Schliesslich ist Madison Heimat der University of Wisconsin, die bereits in den Sechzigern als liberal-progressive Hochburg galt. Und wie andernorts, so bilden die Jungen auch im K&#xE4;se-Staat Wisconsin das R&#xFC;ckgrat des Obama-Wahlkampfs. Die Jungen gingen nie w&#xE4;hlen, lautete die Klage der letzten Jahrzehnte. Sie seien politisch passiv, ja scherten sich einen Dreck um die Politik. Und wer als amerikanischer Politico auf junge W&#xE4;hler setze, werde unweigerlich entt&#xE4;uscht werden. Barack Obamas Kandidatur aber hat bei jungen Amerikanern zwischen 18 und 29 Jahren eine selten gesehene Begeisterung ausgel&#xF6;st, weshalb manche Kommentatoren bereits von einer &#xAB;politisch engagierten Generation&#xBB; schw&#xE4;rmen.<br xmlns=""/>
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W&#xE4;hrend John McCain bei W&#xE4;hlern &#xFC;ber 55 klar f&#xFC;hrt, sind die Jungen &#xFC;berwiegend im Lager Obamas zu finden. So auch in Wisconsin, wo der Stab des demokratischen Kandidaten nahezu einhundert junge Helfer in &#xFC;ber 20 Wahlkampfb&#xFC;ros dirigiert. Viele der smarten Twens sind Studenten an der University of Wisconsin, und sie bilden das R&#xFC;ckgrat des Obama-Wahlkampfs im Staat. John McCain hat dem nicht viel entgegenzusetzen; w&#xE4;hrend Obamas Mitstreiter in Seminaren geschult und auf ihrem Einsatz vorbereitet werden, haften dem Wahlkampf des republikanischen Kandidaten in Wisconsin amateurhafte Z&#xFC;ge an.<br xmlns=""/>
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Was Wunder also, dass McCain im &#xAB;Swing-Staat&#xBB; Wisconsin, dessen B&#xFC;rger mal republikanisch, mal demokratisch w&#xE4;hlen, derzeit bei Umfragen erstaunliche zehn Prozentpunkte zur&#xFC;ckliegt. Die hinter vorgehaltener Hand oft ge&#xE4;usserten Zweifel demokratischer Bonzen in Washington, ob die Jungen im November tats&#xE4;chlich zu den Wahlurnen streben und Obama w&#xE4;hlen werden, statt vor dem TV zu sitzen oder eine Fete zu feiern, sind unterdessen bereits leiser geworden: Die Wahlbeteiligung junger Amerikaner hat sich seit 2000 stetig verbessert, und bei den demokratischen Vorwahlen im Winter und Fr&#xFC;hjahr gl&#xE4;nzte das Jungvolk mit einer Rekordwahlbeteiligung.<br xmlns=""/>
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K&#xF6;nnte die Pr&#xE4;sidentschaftswahl im November mithin zu einem Show-down zwischen Alt und Jung werden, bei dem sich das junge Amerika erstmals gegen die Senioren durchsetzte? Nach vielen Entt&#xE4;uschungen (man denke nur an die Wahl 1972, als die Jungen dem Demokraten und Antikriegskandidaten George McGovern doch ins Weisse Haus h&#xE4;tten verhelfen sollen!) nun also eine Sternstunde des jungen Amerika? Wetten w&#xFC;rde ich darauf nicht, obgleich die in Madison wahrnehmbare Verehrung Barack Obamas tats&#xE4;chlich den Eindruck erweckt, das junge Amerika habe in ihm eine Stimme gefunden.<br xmlns=""/>
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Zum Schluss noch ein Wort in eigener Sache: Der Amerikanist verabschiedet sich heute von den Lesern und wird sich k&#xFC;nftig in einer neuen Rolle per Video auf der neuen Webseite des Tagi melden. Ab Freitag geht die Reise dort weiter, von Chicago nach Los Angeles entlang der alten Route 66. Thanks!...and see you later!...<br xmlns=""/>]]></content:encoded></item><item rdf:about="http://amerikanist.kaywa.ch/sturgis-south-dakota/mac-im-reich-der-biker.html"><title>Mac im Reich der Biker...</title><link>http://amerikanist.kaywa.ch/sturgis-south-dakota/mac-im-reich-der-biker.html</link><description>Motorr&#xE4;der verstopfen die Strassen von Sturgis im Pr&#xE4;riestaat South Dakota. Knatternde Harleys, um genau zu sein....</description><dc:date>2008-08-03T13:53:22Z</dc:date><dc:creator>Martin Kilian</dc:creator><dc:subject>Sturgis, South Dakota</dc:subject><content:encoded><![CDATA[Motorr&#xE4;der verstopfen die Strassen von Sturgis im Pr&#xE4;riestaat South Dakota. Knatternde Harleys, um genau zu sein. Denn in Sturgis begann am Wochenende die allj&#xE4;hrliche Harley-Davidson-Parade. Eine halbe Million Biker werden im Lauf dieser Woche erwartet, alle von weisser Hautfarbe, viele t&#xE4;towiert und pikobello auf Biker herausgeputzt, auf dem Sozius oftmals ein &#xAB;Biker-Chick&#xBB;, wie die Motorrad-Br&#xE4;ute genannt werden.<br xmlns=""/>
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Sturgis ist ein einziger gewaltiger Supermarkt f&#xFC;r die anr&#xFC;ckenden Massen. T-Shirts mit Harley-Slogans, M&#xFC;tzen, Lederjacken, was auch immer: Die Biker feiern sich, und sie feiern Amerika. Patriotismus weht durch die Luft, weshalb heute Abend eine Ehrung f&#xFC;r die Angeh&#xF6;rigen der amerikanischen Streitkr&#xE4;fte mitsamt einem Gedenken f&#xFC;r die Gefallenen ansteht. Und wer wird dabei f&#xFC;r seinen Dienst am Vaterland geehrt? John McCain nat&#xFC;rlich, der eigens nach Sturgis einfliegt, um vor den Bikern eine Rede zu halten, ehe der Haufen anschliessend vom Rocker Kid Rock unterhalten wird.<br xmlns=""/>
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Man wird dem republikanischen Pr&#xE4;sidentschaftskandidaten sicherlich zujubeln, derweil Barack Obama eben in Berlin zugejubelt wurde. Problematisch daran ist nat&#xFC;rlich, dass die Berliner im November keinen amerikanischen Pr&#xE4;sidenten w&#xE4;hlen, die Biker hingegen schon. Die Szene in Sturgis legt nicht gerade nahe, dass Obama der Favorit der Harley-Gang ist. Ob sie mit dem demokratischen Kandidaten etwas anfangen k&#xF6;nnten, sei dahingestellt; sicherlich aber ist McCains Auftritt in Sturgis letzten Endes publikumswirksamer als Obamas Rede in Berlin.<br xmlns=""/>
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Das Gesichtsbad des Republikaners bei den Harley-Fans in Sturgis markiert nur einmal mehr, wie bedenklich es derzeit um Obama steht. Obschon die Demokraten als haushohe Favoriten in die Kongress- und Pr&#xE4;sidentschaftswahlen gehen, verliert ihr Kandidat an H&#xF6;he und hat sich bislang nicht als der Favorit etabliert, der er eigentlich sein sollte. McCain ist daran nicht unschuldig: Er und seine Berater wissen, dass sie im November nur gewinnen k&#xF6;nnen, wenn sie Obama in den Schmutz ziehen.<br xmlns=""/>
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Entsprechend rutschte der Wahlkampf McCains in der vergangenen Woche immer tiefer in den Schlamm ab: Man log dreist, Obama habe sich geweigert, bei seinem Besuch in Deutschland verletzte amerikanische Soldaten zu besuchen. Und danach schaltete McCains Truppe einen Gang zu, indem sie den Demokraten in mehreren Werbespots als eine Celebrity-Figur mit Luft zwischen den Ohren zeichnete. Man warf ihn im TV mit Paris Hilton und Britney in einen Topf und malte Obama als elit&#xE4;ren Snob, der bestimmte Edelmarken konsumiere und &#x2013; siehe Berlin! &#x2013; als entr&#xFC;ckter Promi durch die Welt schwebe.<br xmlns=""/>
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Ob McCains Rechnung im November aufgeht, steht in den Sternen; immerhin aber ist Obama seit seinem Trip nach Europa ins Trudeln geraten und liegt bei Umfragen nurmehr gleichauf mit McCain. Dass der Republikaner, der doch stets den Ehrenmann gibt, in den politischen Morast herabzusteigen gewillt ist, muss als kalkulierter Versuch gesehen werden, den Wahlkampf auf negativem Terrain zu f&#xFC;hren und Obama so unw&#xE4;hlbar zu machen. Der hat sich bislang erstaunlich wenig gegen den harten Ton seines Rivalen gewehrt &#x2013; und l&#xE4;uft mit dieser Zur&#xFC;ckhaltung Gefahr, &#xE4;hnlich wie John Kerry 2004 vom republikanischen Gegner definiert zu werden.<br xmlns=""/>
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Noch ist f&#xFC;r den Demokraten nichts verloren, doch k&#xF6;nnte sein Bestreben, &#xFC;ber den Niederungen der Politik zu schweben, von der W&#xE4;hlerschaft als eklatante Hilflosigkeit interpretiert werden. Damit erf&#xFC;llte sich Hillary Clintons interne Prophezeiung, Obama werde unter den Peitschenhieben der Republikaner vergehen und die Wahl verlieren. Vielleicht h&#xE4;tte Barack Obama daher gut daran getan, statt in Berlin in Sturgis aufzutreten. Sich bewundern zu lassen, ist eine Sache. Harley-Biker zu &#xFC;berzeugen eine andere &#x2013; und politisch wesentlich eintr&#xE4;glicher.<br xmlns=""/>
<img xmlns="" src="http://amerikanist.kaywa.ch/files/images/2008/8/480/mob29_1217771811.jpg" alt="" title=""/>]]></content:encoded></item><item rdf:about="http://amerikanist.kaywa.ch/sheridan-wyoming/sheridan-wird-entdeckt.html"><title>Sheridan wird entdeckt...!</title><link>http://amerikanist.kaywa.ch/sheridan-wyoming/sheridan-wird-entdeckt.html</link><description>
&#xAB;Wir installieren einen Kater und warten diesen&#xBB;, verspricht augenzwinkernd das Schild &#xFC;ber dem Tresen der...</description><dc:date>2008-08-01T15:58:35Z</dc:date><dc:creator>Martin Kilian</dc:creator><dc:subject>Sheridan, Wyoming</dc:subject><content:encoded><![CDATA[<img xmlns="" src="http://amerikanist.kaywa.ch/files/images/2008/8/480/mob28_1217627438.jpg" alt="" title=""/><br xmlns=""/>
&#xAB;Wir installieren einen Kater und warten diesen&#xBB;, verspricht augenzwinkernd das Schild &#xFC;ber dem Tresen der &#xAB;Mint Bar&#xBB; in Sheridan im Weststaat Wyoming. Der Abend ist noch jung, doch geht es hoch her im Gastraum der Bar, deren Markenzeichen Dutzende ausgestopfter Tiere aus den nahegelegenen Bergen sind. &#xDC;ber der Kasse sind gut lesbar auf einem Blatt Papier die Namen ehemaliger G&#xE4;ste verzeichnet, die ein Lokalverbot ereilte. Auf die Frage, was denn zu tun sei, um auf ewig verbannt zu werden, kl&#xE4;rt die Barfrau l&#xE4;chelnd auf, es bed&#xFC;rfe dazu &#xAB;mindestens einer Schl&#xE4;gerei&#xBB;.<br xmlns=""/>
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Willkommen im Wilden Westen, wo Rancher nicht selten &#xFC;ber zehntausend Hektar Land gebieten und Cowboys wie M&#xF6;chtegern-Cowboys der Stoff von Mythen sind. Und wo, um der Langeweile harter Winter und geografischer Abgeschiedenheit zu entgehen, getrunken wird wie kaum irgendwo sonst im weiten amerikanischen Land. Wie viele St&#xE4;dtchen und Flecken im d&#xFC;nnbesiedelten Wyoming hat auch Sheridan das stete Auf und Ab einer Wirtschaft erlebt, die auf &#xD6;l- und Gasausbeutung sowie auf Landwirtschaft fusst. Mal war die erst 1882 gegr&#xFC;ndete Stadt oben, mal war sie unten, immer aber bewegte sie sich im Gleichschritt mit den Energie- und Rindfleischpreisen. Der hohe Preis f&#xFC;r Methangas mag derzeit gutes Geld in Sheridans Kassen und Geldbeutel sp&#xFC;len, doch ist der Stadt etwas viel Eintr&#xE4;glicheres widerfahren: Sie ist entdeckt worden!<br xmlns=""/>
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Wundersch&#xF6;n gelegen unweit der Bighorn-Berge ist Sheridan, weshalb es Reiche und Verm&#xF6;gende zusehends hierher zieht. Je nach Sichtweise profitiert die Stadt entweder von der rasanten amerikanischen Konzentration von Reichtum &#x2013; oder ist zu deren Opfer geworden. John Mossholder wuchs in Sheridan auf und besucht seine Heimat jeden Sommer, um in der Bergh&#xFC;tte seiner Familie einige Monate zu verbringen. Sheridan werde &#xAB;aspenisiert&#xBB;, klagt er unter Anspielung auf das Skiparadies Aspen in Colorado, wo die Reichen die Preise derart in die H&#xF6;he getrieben haben, dass das Leben f&#xFC;r Normalsterbliche nahezu unbezahlbar geworden ist. An der Hauptstrasse von Sheridan entdeckt Mossholder, dessen Familie um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nach Sheridan zog, die unertr&#xFC;glichen Zeichen der &#xAB;Yuppiefizierung&#xBB;: Teuere Boutiquen und Kunstgallerien, wo ein Gem&#xE4;lde grasender Hirsche 40000 Dollar und mehr kosten kann.<br xmlns=""/>
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Betrieben die Mossholders &#xFC;ber Jahrzehnte hinweg ein M&#xF6;belgesch&#xE4;ft in Sheridan, so bietet die Familie George in ihrem Laden unweit der ber&#xFC;hmten Sattlerei der Familie King &#x2013; sogar Queen Elizabeth kaufte einst dort ein! &#x2013; traditionelle West-Kleidung an: Cowboyh&#xFC;te, Jeansr&#xF6;cke und dergleichen. Besitzerin Deana George h&#xE4;lt nicht viel von den reichen Neub&#xFC;rgern Sheridans. &#xAB;Manche von denen leben nur ein paar Monate im Jahr in der Region und bringen der Gemeinschaft ausser steigenden Lebenshaltungskosten nicht viel&#xBB;, sagt sie. &#xAB;Wir sind bereits der zweitteuerste Landkreis in Wyoming, nur Jackson ist teuerer&#xBB;, mault die Gesch&#xE4;ftsfrau.<br xmlns=""/>
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Wie einst im malerischen Jackson im &#xE4;ussersten Westen Wyomings, wo sich bereits seit Jahrzehnten die Reichen und die Sch&#xF6;nen niederlassen und der kleine Flughafen bisweilen mit privaten Jets &#xFC;berquillt, steigen die Landpreise auch um Sheridan rapide an. Und in der Umgebung des St&#xE4;dtchens entstehen Golfpl&#xE4;tze, um die herum Villen f&#xFC;r Million&#xE4;re gebaut werden. Der amerikanische Dollar-Adel weiss eben um die Sch&#xF6;nheit der Landschaften in den Berglandschaften des amerikanischen Westens und kauft sich ein. In der &#xAB;Mint Bar&#xBB; ist vom &#xAB;neuen&#xBB; Sheridan allerdings noch herzlich wenig zu sp&#xFC;ren. Und auch Deana George muss sich vornehmlich mit dem &#xAB;alten&#xBB; Sheridan herumschlagen: Wiederholt sind die Schaufenster ihres Bekleidungsgesch&#xE4;fts in den vergangenen Monaten zertr&#xFC;mmert worden. Entweder wurden sie von Betrunkenen eingeschlagen oder die Betrunkenen fielen durch die Scheibe. Einfach so.<br xmlns=""/>
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<small xmlns=""><a href="http://maps.google.com/maps/ms?hl=en&amp;ie=UTF8&amp;msa=0&amp;msid=109488730723182924970.000451218470f46214fdd&amp;ll=37.160317,-95.976562&amp;spn=48.334485,84.375&amp;z=3&amp;source=embed" style="color:#0000FF;text-align:left">View Larger Map</a></small>]]></content:encoded></item><item rdf:about="http://amerikanist.kaywa.ch/boise-idaho/anna-und-miguel.html"><title>Anna und Miguel...</title><link>http://amerikanist.kaywa.ch/boise-idaho/anna-und-miguel.html</link><description>Anna und Miguel trinken auf dem Balkon einer Bar. Unter ihnen saust Boises Verkehr vorbei. Miguel ist 35. Anna...</description><dc:date>2008-07-28T13:52:11Z</dc:date><dc:creator>Martin Kilian</dc:creator><dc:subject>Boise, Idaho</dc:subject><content:encoded><![CDATA[Anna und Miguel trinken auf dem Balkon einer Bar. Unter ihnen saust Boises Verkehr vorbei. Miguel ist 35. Anna sch&#xE4;tzungsweise 34. Oder 30. Sie leben in Nampa, etwa zwanzig Kilometer ausserhalb Idahos Staatshauptstadt Boise. F&#xFC;nf Kinder haben sie. Das &#xC4;lteste ist 16. Heute Abend erholen sie sich von den Kindern. Und Anna hat sich h&#xFC;bsch gemacht.<br xmlns=""/>
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Miguel sagt, in Boise treffe man immer interessante Menschen. Er hat noch nie das Meer gesehen. Nur zwei Mal in seinem Leben hat Miguel Idaho verlassen. Einmal reiste er nach Arizona, ein andermal nach Texas. Er hat die Figur eines Rausschmeissers und tr&#xE4;gt in jedem Ohr einen Ring. Seine Eltern zogen von Colorado nach Idaho. Vor langer Zeit, denn Miguel ist in Idaho geboren. Anna kam in Edinburgh nahe der mexikanischen Grenze in Texas zur Welt. Beide sind sie Latinos. Und beide schimpfen sie &#xFC;ber illegale Einwanderer. Sie fegten den Arbeitsmarkt leer. Anna und Miguel verstehen sich als Amerikaner. Mexiko? Keine Rede davon.<br xmlns=""/>
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Anna arbeitet in einem Sexshop in Nampa. Miguel war anderthalb Jahrzehnte Landarbeiter in der Gegend um Nampa. Zwiebeln und Kartoffeln hat er geerntet. Der Boss habe ihn beschissen, sagt Miguel. Seit einer Woche f&#xE4;hrt er einen Lastwagen und beliefert Kettenrestaurants mit Lebensmitteln. Ein guter Job &#x2013; mit einer Krankenversicherung f&#xFC;r ihn und Anna und die Kinder. Miguel schw&#xE4;rmt von Idaho. Er geht jagen. Idaho kenne keine Vorurteile, sagt er. Anna hingegen findet Idaho langweilig. Sie w&#xFC;rde gern nach San Jose in Kalifornien ziehen. Wegen der Vergn&#xFC;gungsparks, die es dort gibt.<br xmlns=""/>
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Miguel aber will in Idaho bleiben. Nach Berlin w&#xFC;rde er gern reisen. Dort gebe es tolle Klubs. Ein Trip nach New York w&#xE4;re gleichfalls toll. Anna und Miguel waren noch nie an der Ostk&#xFC;ste. Anna fragt verlegen, wo Washington sei. Unterhalb von New York? Die Wirtschaftslage werde immer schlechter, sagt Miguel. Aber sein neuer Job! Er habe Gl&#xFC;ck gehabt. Und Idaho sei eben wunderbar. Vielleicht reiche es einmal nach Berlin. Aber ohne die Kinder, lacht Anna.<br xmlns=""/>]]></content:encoded></item><item rdf:about="http://amerikanist.kaywa.ch/boise-idaho/im-milden-westen.html"><title>Im Milden Westen....</title><link>http://amerikanist.kaywa.ch/boise-idaho/im-milden-westen.html</link><description>Eigentlich sollte Paranoia einsetzen in Boise, der Hauptstadt Idahos. Der Staat gilt als bis in die Knochen konservativ, vor...</description><dc:date>2008-07-27T21:13:15Z</dc:date><dc:creator>Martin Kilian</dc:creator><dc:subject>Boise, Idaho</dc:subject><content:encoded><![CDATA[Eigentlich sollte Paranoia einsetzen in Boise, der Hauptstadt Idahos. Der Staat gilt als bis in die Knochen konservativ, vor Jahren machte er Schlagzeilen durch sein Sammelsurium durchgeknallter Neonazis. Idaho ist weiss und republikanisch und eben einer jener Staaten in den Rocky Mountains, wo die Republikaner einen Ziegenbock als Kandidaten h&#xE4;tten pr&#xE4;sentieren k&#xF6;nnen, ohne ihre Wahlchancen dadurch allzu heftig zu mindern.<br xmlns=""/>
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Aber etwas Frisches und f&#xFC;r John McCain nicht unbedingt Erkleckliches liegt in der Bergluft der Rockys &#x2013; und Boise kann als Beispiel f&#xFC;r diesen Wandel zitiert werden. Die lebens- wie liebenswerte Innenstadt ist belebt, und wenige Strassenz&#xFC;ge vom schmucken Kapitol des Staats feiern Boises baskische Einwanderer &#x2013; sie kamen als Schafhirten nach Idaho &#x2013; ihr ethnisches Erbe. Von Neonazis nat&#xFC;rlich keine Spur, auch verr&#xE4;t das Treiben in der Innenstadt, dass Boise hip geworden ist. Dahinter verbirgt sich eine bemerkenswerte Story dieses amerikanischen Wahlkampfs: Gilt seit Lyndon Johnson, dass der alte konf&#xF6;derierte S&#xFC;den und die Rockys die zwei Haupts&#xE4;ulen des republikanischen Konservatismus bilden, so lieb&#xE4;ugeln die Bergstaaten des Westens, von Montana an der kanadischen Grenze bis hinunter nach New Mexico, jetzt zunehmend mit den Demokraten.<br xmlns=""/>
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Zwei Washingtoner Senatssitze verloren die Konservativen bei den Wahlen 2004 und 2006 in der Region, im Herbst werden weitere republikanische Pfr&#xFC;nden in den Rockys an die Demokraten wechseln. Sowohl in Colorado als auch in New Mexico liegen demokratische Senatskandidaten klar vor ihren republikanischen Rivalen. John McCain muss &#xFC;berdies f&#xFC;rchten, dass ihm bislang &#xFC;berwiegend republikanische Bergstaaten wie Montana und Colorado im November abhanden kommen k&#xF6;nnten. Und selbst in Idaho weht ein frischer Wind: Als Barack Obama den Staat vor der demokratischen Urwahl besuchte, jubelten ihm 13000 Menschen zu. Und nach seinem haushohen hiesigen Sieg &#xFC;ber Hillary Clinton schielt das Lager des demokratischen Kandidaten nun auf Idaho, wo seit Lyndon Johnson kein demokratischer Pr&#xE4;sidentschaftskandidat gewonnen und seit 1994 kein Demokrat ein staatsweites Amt bekleidet hat.<br xmlns=""/>
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Zum einen zieht es mehr und mehr eher liberale B&#xFC;rger aus Kalifornien und dem amerikanischen Osten nach Idaho, zum anderen werden die &#xAB;Idahoans&#xBB; mit den gleichen Problemen konfrontiert wie ihre Mitb&#xFC;rger an den K&#xFC;sten: Ein idiotisches Gesundheitswesen, sinkende Hauspreise, betr&#xE4;chtliche private Verschuldung, hohe Energiepreise. Zumal sich sogar in den Rockys ein genereller &#xDC;berdruss am Konservatismus republikanischer Pr&#xE4;gung breitmacht, der nach einem Vierteljahrhundert ideologischer und politischer Vorherrschaft schal und altbacken geworden ist. Kippen Teile der Region im November, d&#xFC;rfen sich die Demokraten selbstverst&#xE4;ndlich auch bei George W. Bush bedanken, der seine eigene Partei &#xFC;berzeugender in Misskredit gebracht hat, als dies ein Demokrat jemals h&#xE4;tte tun k&#xF6;nnen.<br xmlns=""/>
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Barack Obama mag in Idaho verlieren, die Demokratische Partei, die den Staat in der Vergangenheit politisch kaum wahrnahm, wittert indes Morgenluft und m&#xF6;chte zumindest einen Sitz im Washingtoner Repr&#xE4;sentantenhaus erobern, n&#xE4;mlich jenen des republikanischen Abgeordneten Bill Salis. Selbst manche seiner Parteifreunde in Idaho halten den angestrengt sozialkonservativen Salis f&#xFC;r einen Wirrkopf, der bereits vor seiner Washingtoner Karriere in Idahos Staatsparlament allerlei Unsinn verzapfte. Unter anderem behauptete er, es existiere ein Zusammenhang zwischen Abtreibungen und Brustkrebs.<br xmlns=""/>
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Es ist diese Art dummdreister Belehrung, welche in den libert&#xE4;r ausgerichteten Rockys zusehends nervt. Die Region, von Montana bis nach Colorado und von Idaho bis Nevada, k&#xF6;nnte John McCain im Herbst mithin eine schmerzliche &#xDC;berraschung bescheren &#x2013; und den tiefen S&#xFC;den als einzige republikanische Bastion isolieren.<br xmlns=""/>
<img xmlns="" src="http://amerikanist.kaywa.ch/files/images/2008/7/480/mob27_1217207451.jpg" alt="" title=""/>]]></content:encoded></item><item rdf:about="http://amerikanist.kaywa.ch/klamath-falls-oregon/der-nichtwaehler.html"><title>Der Nichtw&#xE4;hler&#x2026;.</title><link>http://amerikanist.kaywa.ch/klamath-falls-oregon/der-nichtwaehler.html</link><description>Die Urbanit&#xE4;t San Franciscos ist l&#xE4;ngst entschwunden, auch zeigt der Kompass des Autos an, dass die Fahrt erstmals...</description><dc:date>2008-07-26T04:23:57Z</dc:date><dc:creator>Martin Kilian</dc:creator><dc:subject>Klamath Falls, Oregon</dc:subject><content:encoded><![CDATA[Die Urbanit&#xE4;t San Franciscos ist l&#xE4;ngst entschwunden, auch zeigt der Kompass des Autos an, dass die Fahrt erstmals seit Washington wieder nach Osten geht. &#xDC;ber den Bergen des n&#xF6;rdlichen Kaliforniens h&#xE4;ngt der Rauch der Waldbr&#xE4;nde, die den Staat heimsuchen. Die Landschaft bleibt karg, kaum wird es gr&#xFC;ner nach der &#xDC;berquerung der Staatsgrenze zwischen Kalifornien und Oregon.<br xmlns=""/>
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Das &#xF6;stliche Oregon ist eine Halbw&#xFC;ste, klein und entlegen sind seine St&#xE4;dte und Flecken. Klamath Falls mag fast 20000 Einwohner haben, viel her aber macht die Stadt nicht. Das Auto verlangt nach einem &#xD6;lwechsel, der bei Jiffy Lube, einer landesweiten Kette, erledigt wird. Andrew, der Mechaniker, bedeutet mir, dass er kein Fan europ&#xE4;&#xEF;scher Automarken sei. Zu viel gehe kaputt, sagt er, weshalb er, Andrew, stets japanische Autos fahre. Sein alter Honda habe beim Verkauf 300000 Kilometer gehabt, jawohl, und &#xAB;er l&#xE4;uft immer noch, neulich habe ich das Ding gesehen&#xBB;.<br xmlns=""/>
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Nein, &#xFC;ber die Pr&#xE4;sidentschaftswahl im November habe er sich bislang keine Gedanken gemacht, sagt der Mechaniker; wahrscheinlich werde er nicht w&#xE4;hlen. &#xAB;Ich bin v&#xF6;llig uninformiert&#xBB;, gesteht er. Damit macht Andrew von einem amerikanischen Ur-Recht Gebrauch: Sich einen Deibel um die Politik zu scheren. Barack Obama wird Oregon im November wahrscheinlich einsacken, im republikanischen Klamath Falls aber stehen seine Chancen so gut nicht. Es wird gefischt und gejagt inmitten der grandiosen Natur um Klamath Falls, und das weit entfernte Washington erscheint vielen vor allem als ein Ort, wo durchtriebene Politiker allerlei Angriffe auf das Recht auf Schusswaffenbesitz starten.<br xmlns=""/>
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Andrew bekundet, Klamath Falls sei so toll nicht; weg an die pazifische K&#xFC;ste Oregons zieht es ihn. Andere aber finden die Kleinstadt fabelhaft: Zehn Prozent der Bev&#xF6;lkerung sind Latinos, die der neuen Heimat bereits ihren Stempel aufdr&#xFC;cken.<br xmlns=""/>
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Ausgerechnet San Francisco aber m&#xF6;chte George W. Bush das erste Denkmal spendieren, damit der Pr&#xE4;sidentschaft dieses h&#xF6;chst unpopul&#xE4;ren Pr&#xE4;sidenten zumindest am Golden Gate mit W&#xFC;rde und Inbrunst gedacht wird. Dieses hehre Ziel gesetzt hat sich die &#xAB;Presidential Memorial Commission&#xBB;, eine Kommission zur Schaffung eines geeigneten Denkmals, hinter der ein gewisser T. Wayne Pickering steckt. Und hinter Mr.Pickering verbergen sich Brian McConnell und sein Freund Michael Jacinto, beide grosse Bewunderer des doch ach so geschm&#xE4;hten amerikanischen Pr&#xE4;sidenten. Auf ihrer <a xmlns="" href="http://presidentialmemorial.org" target="_self"><b>Webseite</b></a> identifiziert sich die Kommission als eine &#xAB;unparteiliche, nicht-staatliche Organisation zwecks Ehrung des Pr&#xE4;sidenten&#xBB;. Da sich die Bush-Pr&#xE4;sidentschaft dem Ende n&#xE4;here, sei es &#xAB;wichtig, ein dieser Pr&#xE4;sidentschaft angemessenes Denkmal zu finden&#xBB;, heisst es dort weiter.<br xmlns=""/>
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Und was k&#xF6;nnte angemessener sein, als eine Kl&#xE4;ranlage nach Bush zu benennen? Jawohl, eine Kl&#xE4;ranlage! Die Idee kam Brian und Michael, als sie in einer Bar in San Franciso &#xFC;ber ein passendes Denkmal f&#xFC;r Bush nachdachten. Bei der st&#xE4;dtischen Wahlbeh&#xF6;rde f&#xFC;llten die beiden umgehend das n&#xF6;tige Formular aus, um mittels eines Volksbegehrens die &#xAB;Oceanside Water Pollution Control Plant&#xBB; in &#xAB;George W. Bush Sewage Plant&#xBB;, also die &#xAB;George W. Bush Kl&#xE4;ranlage&#xBB;, umzubenennen. Damit San Franciscos W&#xE4;hler bei den Pr&#xE4;sidentschafts- und Kongresswahlen im November dar&#xFC;ber abstimmen k&#xF6;nnen, wurden Tausende von Unterschriften gesammelt. &#xAB;Zuerst dachten die Leute, das sei ein Witz, aber dann entwickelte die Idee ein Eigenleben und eine richtige Bewegung kam zu Stande&#xBB;, erkl&#xE4;rt Brian.<br xmlns=""/>
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In der ersten Juliwoche legte die Kommission zw&#xF6;lftausend Unterschriften vor, mehr als genug, um die Umbenennung der Kl&#xE4;ranlage zur Abstimmung vorzulegen. Bereits zuvor, im Juni, war Bushs Pressesprecherin Dana Perino bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus auf die &#xFC;bel riechende Angelegenheit angesprochen worden. &#xAB;Das verdient keine Erwiderung&#xBB;, entr&#xFC;stete sie sich. Widerstand gegen die Pl&#xE4;ne der Denkmal-Kommission kam nicht nur von San Franciscos wenigen Republikanern, sondern vor allem von den Arbeitern der Kl&#xE4;ranlage. Sie h&#xE4;tten geklagt, die Namens&#xE4;nderung &#xAB;sei respektlos, da die Kl&#xE4;ranlage gut funktioniert&#xBB; und deshalb nicht verdiene, Bushs Namen zu tragen, so Brian McConnell. Vergangene Woche aber war es offiziell: Das Wahlb&#xFC;ro der Stadt verk&#xFC;ndete, dass die Initiative im kommenden Herbst San Franciscos Wahlscheine zieren wird.<br xmlns=""/>
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Falls das Volksbegehren angenommen wird &#x2013; woran niemand zweifelt - , kann die Namens&#xE4;nderung am Tag, an dem George W. Bush das Weisse Haus verl&#xE4;sst, in Kraft treten. &#xAB;Es w&#xE4;re das erste Denkmal f&#xFC;r Mr. Bush!&#xBB;, enthusiasmiert sich McConnell. Wer h&#xE4;tte gedacht, dass El Presidente Jorge Arbusto ein derart kerniges Denkmal erhalten w&#xFC;rde! Es bleibt zu hoffen, dass diesem sch&#xF6;nen Monument noch viele von der gleichen Sorte folgen werden!<br xmlns=""/>]]></content:encoded></item><item rdf:about="http://amerikanist.kaywa.ch/las-vegas-nevada/stille-tage-am-strip.html"><title>Stille Tage am Strip...</title><link>http://amerikanist.kaywa.ch/las-vegas-nevada/stille-tage-am-strip.html</link><description>Die Schlange vor dem Schalter des Hotels ist enorm, die G&#xE4;ste sind gleichwohl geduldig. Draussen sticht die Sonne - das...</description><dc:date>2008-07-22T04:34:29Z</dc:date><dc:creator>Martin Kilian</dc:creator><dc:subject>Las Vegas, Nevada</dc:subject><content:encoded><![CDATA[Die Schlange vor dem Schalter des Hotels ist enorm, die G&#xE4;ste sind gleichwohl geduldig. Draussen sticht die Sonne - das Thermometer ist auf 35 Grad geklettert - , derweil sich drinnen die Angestellten des Flamingo Hotels und Casinos in Las Vegas m&#xFC;hen, ihre 3600 Zimmer mit den Wartenden zu f&#xFC;llen. Die amerikanische Wirtschaftslage ist prek&#xE4;r, zwei Kriege in Afghanistan und im Irak zehren die Nation aus, in Vegas freilich ist davon nichts zu sp&#xFC;ren. Menschenmengen spazieren den legend&#xE4;ren &#xAB;Strip&#xBB; entlang, der zu beiden Seiten von Kasinos und Hotels ges&#xE4;umt wird, der Autoverkehr reisst nicht ab und aus den Lautsprechern pl&#xE4;rren aufdringlich Musik und Werbung.<br xmlns=""/>
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Vegas ist nichts f&#xFC;r Sch&#xF6;ngeister; eine Spielwiese der Geschmacklosigkeiten ist die Stadt und doch ist sie faszinierend genug, um Touristen aus dem gesamten Land wie aus &#xDC;bersee anzulocken. So ganz auf Hochtouren dreht die verr&#xFC;ckte Herberge in der W&#xFC;ste gleichwohl nicht; die Zahl der Besucher ist r&#xFC;ckg&#xE4;ngig, Bettenbelegung wie Anzahl der Spielenden haben abgenommen. Sonntags am Strip aber ist davon ebenso wenig etwas zu sp&#xFC;ren wie vom br&#xF6;ckelnden Immobilienmarkt der Stadt. Die Hypotheken-Krise hat Vegas besonders stark getroffen; nirgendwo im Land ist die Zahl der Zwangsenteignungen gr&#xF6;sser, nirgendwo sind die Hauspreise &#xE4;hnlich stark abgest&#xFC;rzt wie in Las Vegas.<br xmlns=""/>
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Gewaltig ist die Stadt gewachsen in den vergangenen Jahren und hat Pension&#xE4;re wie Mittelkl&#xE4;ssler angezogen, die das Klima und die erschwinglichen Preise f&#xFC;r ein Einfamilienhaus in Suburbia sch&#xE4;tzten. Jetzt ist es damit vorbei: Um die Ausbreitung von Moskitos zu verhindern, pumpt die Stadt jede Woche ein halbes Dutzend Swimming Pools in den G&#xE4;rten leerstehender H&#xE4;user aus. Dass die Preise f&#xFC;r Einfamilienh&#xE4;user mindestens um ein Viertel gesunken sind, k&#xF6;nnte Vegas langfristig indes zu noch mehr Wachstum verhelfen. Zwei Millionen Menschen leben hier, schon 2016 werden es Sch&#xE4;tzungen zu Folge drei Millionen sein.<br xmlns=""/>
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Die Stadt ist unterdessen so kitschig wie eh und je, eine imagin&#xE4;re Welt voller potemkinscher St&#xE4;dte: Venedig l&#xE4;sst ebenso im kleinen Masstab gr&#xFC;ssen wie Paris oder New York. Realit&#xE4;tssinn war noch nie die St&#xE4;rke der Impresarios, die Vegas von einem Nest im Hinterland in ein internationales Reiseziel verwandelt haben. Henry Millers klimatisierter Alptraum kommt in Vegas als eine Melange von L&#xE4;rm und Neon daher, die von den Besuchern in vollen Z&#xFC;gen genossen wird. Wer etwas tiefer sch&#xFC;rft, entdeckt eine ganz andere Seite des Wahnsinns in der W&#xFC;ste: Keine amerikanische Stadt ist gewerkschaftlich besser organisiert als Vegas, dessen Dienstleister das R&#xFC;ckgrat der Demokratischen Partei im Staat Nevada bilden.<br xmlns=""/>
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Und falls Barack Obama im November in Nevada &#xFC;berraschend siegen sollte, h&#xE4;tte der Senator das Las Vegas zu verdanken, wo ihm die Bediensteten der grossen Hotels den n&#xF6;tigen Auftrieb verschaffen k&#xF6;nnten. Die amerikanischen Besucher, die in der sonnt&#xE4;glichen Mittagshitze flanieren, wollen davon jedoch nichts wissen: Die Pr&#xE4;sidentschaftswahl st&#xFC;nde ja erst in dreieinhalb Monaten an. Davor kommen bitte sch&#xF6;n die Ferien &#x2013; zwei oder drei N&#xE4;chte im Neonlicht von Vegas.<br xmlns=""/>
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Sicherlich wird der Senator bei den Pr&#xE4;sidentschaftswahlen im Herbst in Arizona siegen, in Bisbee allerdings wird er verlieren. Malerisch liegt das St&#xE4;dtchen inmitten der W&#xFC;stenh&#xFC;gel des s&#xFC;d&#xF6;stlichen Arizona, umgeben von Bergwerken, in denen Kupfer abgebaut wurde. Als die Minen Mitte der siebziger Jahre schlossen, entdeckten Hippies das pittoreske Nest &#x2013; und r&#xFC;ckten in Scharen ein. Das St&#xE4;dtchen entwickelte einen verdienten Ruf als Hochburg alternativer Lebensk&#xFC;nstler, die Gallerien und Kneipen gr&#xFC;ndeten oder einfach den Rauch des Hanfs zufrieden in die W&#xFC;ste bliesen. Inzwischen sind sie in die Jahre gekommen, ohne dass sich ihre Lebenseinstellung wesentlich ge&#xE4;ndert h&#xE4;tte.<br xmlns=""/>
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Es mangele ihnen, nun ja, an einer gewissen Arbeitsmoral, klagt Patty, die vor zwei Jahren ein Hotel in Bisbee er&#xF6;ffnete. Die &#xF6;rtliche Wirtschaft lebe vom Tourismus, viele Gesch&#xE4;fte aber seien nur sporadisch ge&#xF6;ffnet, klagt die Hotelbesitzerin. Auch sei lachhaft, dass bisweilen einfach so ein Schild an einer Ladent&#xFC;r h&#xE4;nge, worauf ohne Zeitangabe verk&#xFC;ndet werde, der Inhaber sei &#xAB;in einer Stunde&#xBB; wieder zur Stelle. Um zwei Uhr? Oder um vier?<br xmlns=""/>
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Die Hippies wiederum be&#xE4;ugen misstrauisch das Treiben der Gesch&#xE4;ftst&#xFC;chtigen, die Bisbee endlich zu touristischer Bl&#xFC;te verhelfen wollen. &#xAB;Wir m&#xF6;gen es ein wenig langsam&#xBB;, sagt Loki, der am fr&#xFC;hen Nachmittag im St.Elmo, seiner Stammkneipe, zu finden ist. L&#xE4;ngs des Tresens gr&#xFC;ssen wehende B&#xE4;rte und lange Haare mitsamt einem Lebensgef&#xFC;hl, das mit einem Pr&#xE4;sidenten McCain schlicht unvereinbar w&#xE4;re. Gewiss wird Arizona seinen &#xAB;Favorite son&#xBB; im Herbst auf den Schild heben, in Bisbee allerdings muss sich der Senator mit dem zweiten Platz begn&#xFC;gen. Love and peace, baby!<br xmlns=""/>
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Loki in seinem Element...<br xmlns=""/>
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Schwer gesichert ist die Demarkationslinie zwischen Mexikanern und Gringos in El Paso, denn wie &#xFC;berall l&#xE4;ngs der Grenze zwischen dem englisch- und spanischsprachigen Amerika gilt es illegale Einwanderer abzuwehren. Z&#xE4;une und Sperren entlang des einbetonierten Flusses trennen die beiden Grosst&#xE4;dte, vor allem aber trennen sie Welten: El Paso, geradeso mexikanisch wie Juarez, ist eine aufstrebende amerikanische Latino-Hochburg, Juarez eine H&#xF6;lle auf Erden. Die Stadt geriet in die Schlagzeilen, nachdem &#xFC;ber Jahre hunderte junger Frauen ermordet wurden. Nackte Gewalt regiert Juarez, wo Drogenbanden gegeneinander wie gegen den Staat mobil machen. An einem einzigen Wochenende in diesem Jahr wurden 24 Menschen erschossen, t&#xE4;glich vermeldet die Stadt f&#xFC;nf bis zehn Mordopfer.<br xmlns=""/>
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Im Juni wurden drei mexikanische Polizisten nahe des Genz&#xFC;bergangs ermordet, obwohl die mexikanische Armee seit drei Monaten die Strassen von Juarez in kugelsicheren Westen und mit Maschinengewehren patroulliert. Amerikanische Touristen, die einst in Massen durch die Strassen von Juarez flanierten und einkauften, sind nirgends zu sehen. &#xAB;Zu gef&#xE4;hrlich&#xBB;, sagt der Barmann in der Kentucky Bar an der Avenida Santa Fe. Neulich wurde bei einer Schiesserei ein zw&#xF6;lfj&#xE4;hriges M&#xE4;dchen im Kreuzfeuer rivalisierender Gangs get&#xF6;tet.<br xmlns=""/>
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Nun stehe ich auf dem h&#xF6;chsten Punkt der Grenzbr&#xFC;cke und damit exakt auf der Staatsgrenze und verschenke meine Zigarre an einen h&#xF6;chst erbauten jungen Mexikaner, ehe ich wieder abw&#xE4;rts gegen Norden dem Zoll zustrebe. In einem eingez&#xE4;unten Teil des Grenz&#xFC;bergangs stehen zwei weisse Busse der amerikanischen Grenzsch&#xFC;tzer, denen abgefangene Illegale entsteigen. Allesamt sind sie junge M&#xE4;nner, die nun nach Mexiko abgeschoben werden. Die meisten werden neuerlich versuchen, illegal in die Vereinigten Staaten einzureisen.<br xmlns=""/>
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Die illegale Einwanderung ist zu einem heissen Thema des amerikanischen Pr&#xE4;sidentschaftswahlkampfes geworden, weder Barack Obama noch John McCain aber haben ein probates Rezept gegen den Ansturm von Menschen, die in den Vereinigten Staaten Arbeit suchen und von amerikanischen Arbeitgebern oft f&#xFC;r die gr&#xF6;bste Dreckarbeit angeheuert werden. Weil die Republikanische Partei streng gegen die Illegalen vorgehen m&#xF6;chte und eine Amnestie ablehnt, wird eine Mehrheit amerikanischer Latinos im Herbst demokratisch w&#xE4;hlen &#x2013; eine potentiell fatale Entwicklung f&#xFC;r die Republikaner, da sich die schnell wachsende hispanische Gemeinschaft trotz ihres gesellschaftspolitischen Konservatismus langfristig an die Demokratische Partei binden k&#xF6;nnte.<br xmlns=""/>
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An der Grenze zwischen El Paso und Juarez wird das amerikanische Dilemma jedenfalls grell beleuchtet: Was soll aus Mexiko werden, wenn das soziale Sicherheitsventil der Auswanderung nach Norden geschlossen wird? Und wie kann andererseits verhindert werden, dass Millionen von Mexikanern und Zentralamerikanern die amerikanischen Grenzen &#xFC;berfluten?<br xmlns=""/>
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Ich nehme jetzt einen zweiten Anlauf, diesmal ohne Zigarre, um zur&#xFC;ck nach El Paso zu gelangen. Am Grenz&#xFC;bergang erwartet mich Officer Jones, ein graumelierter Herr mit einem freundlichen Gebaren. Was ich in Juarez getrieben h&#xE4;tte, will er wissen. Ob ich nicht wisse, wie gef&#xE4;hrlich es dort sei, fragt Officer Jones und kl&#xE4;rt mich umgehend auf. Ein &#xAB;viertklassiges Land&#xBB; sei Mexiko. Total korrupt. Und die Gewalt in Juarez! Seine Kollegen und er k&#xF6;nnten n&#xE4;chtens das Knattern der Knarren jenseits der Grenze h&#xF6;ren. Er habe einen netten Mann gekannt, der Restaurants in El Paso und Juarez besessen habe. Man habe ihn erschossen in Juarez. &#xAB;Sie sollten Ihr Geld nicht dort dr&#xFC;ben ausgeben, geben Sie es hier aus&#xBB;, sagt Officer Jones nach dem Ende seiner Tirade. Er meint es ja nur gut mit mir.<br xmlns=""/>]]></content:encoded></item></rdf:RDF>
