Kein Schnaps, kein Demokrat....
| Von Martin Kilian um 22:03 | [ Plains, Georgia ] |
Einen Volksentscheid über sonntäglichen Alkoholverkauf lehnt Sonny Perdue, Georgias republikanischer Gouverneur, denn auch resolut ab. «Wollen Sie den Leuten die Wahl geben, die Prostitution zu erlauben?», erzürnte die Forderung nach einem Referendum den Gouverneur. Da der Flecken Plains im Landkreis Sumter in Georgia liegt, gibt es auch in Plains am Sonntag keinen Alkohol zu erstehen. Obschon der Ort eine Touristenattraktion ist. Plains ist schliesslich die Heimat Jimmy Carters, des Ex-Präsidenten und bekanntesten Erdnussfarmers der Welt.

Durch Jimmy wurde Plains berühmt, und obwohl Carter 1980 gegen Ronald Reagan verlor, wirkt sein Ruhm nach. Ein bisschen zumindest. Plains stieg nach Carters sensationellem Sieg 1976 kometenhaft auf, um später ebenso kometenhaft abzusteigen. Eigentlich stieg in der jüngeren amerikanischen Geschichte nur Barack Obama ähnlich schnell auf wie Jimmy, den 1976 kaum jemand kannte, ehe er bei den demokratischen Vorwahlen an der Konkurrenz vorbeizog und Gerald Ford beim Kampf ums Weisse Haus besiegte.
Carter aber gewann bei der Präsidentschaftswahl 1976 die Mehrzahl der Staaten des amerikanischen Südens, wovon Obama nur träumen kann. Einer der Gründe dafür sind die Pastoren, die sonntags weder Bier noch Wein noch Schnaps dulden. Die Demokraten sind diesen Savonarolas der südstaatlichen Provinz nicht geheuer. Zu sündhaft. Zu säkular. Falls der Landkreis Sumter mitsamt Plains den Ausschank sonntäglichen Alkohols erlauben sollte – darüber werde nachgedacht, heisst es – , stehen die Zeichen nicht schlecht, dass dereinst wieder ein Demokrat wie Jimmy den Süden erobert. Unter anderem auch deshalb, weil die Macht konservativer Pastoren geschrumpft wäre.
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