22.1.2008

Ein Freund namens Tony......

Von Martin Kilian um 16:10 [ Myrtle Beach, South Carolina ]
Und wie sie flogen, die Fetzen, bei der Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber am Montagabend im Badeort Myrtle Beach an der Küste von South Carolina! Über Monate angesammelter Frust schien sich plötzlich zu entladen, hitzig und gestikulierend bezichtigten sich Hillary Clinton und Barack Obama allerlei Sünden.

Schon in den Tagen zuvor hatte der schwarze Senator aus Illinois zusehends entnervt auf die Attacken Bill Clintons reagiert, der die Rolle des politischen Schlägers inzwischen so gnadenlos spielt, dass ihn prominente Demokraten wie Senator Ted Kennedy zu mehr Zurückhaltung mahnten. Mr. Bill, so der schwarze Kongressabgeordnete James Clyburn, solle sich bitteschön «abkühlen». In Myrtle Beach aber griff Obama nicht nur den Ex-Präsidenten, sondern auch Hillary Clinton an – und löste damit die bislang explosivste Auseinandersetzung des demokratischen Vorwahlkampfes aus.

Nachdem Obama der Senatorin vorgeworfen hatte, sie sei im Aufsichtsrat von Walmart gesessen, derweil er sich in Chicago für Arbeitslose eingesetzt habe, schoss Hillary umgehend zurück – wobei ein Name fiel, über den Insider bereits seit Monaten munkeln. Sie habe Kindern geholfen, während Obama als Anwalt den «Slumlord Rezko» repräsentiert habe, sagte Hillary. Der «Slumlord Rezko» - da waren sie, die beiden bösen Wörter, die Barack Obama zu Fall brächten, wenn die Medien endlich ein Licht darauf werfen würden, so die Überzeugung der Clintonistas.

Bereits vor Wochen weinte mir ein enger Freund der Clintons vor, die Verbindung Obamas zu Antoin «Tony» Rezko werde inmitten der Obama-Manie von den Medien geflissentlich übersehen, wenngleich sie doch die Achillesferse des schwarzen Kandidaten sei. Tatsächlich wirft Obamas lange Verbindung zu Tony Rezko einige Fragen auf, indes bleibt offen, ob dem Senator daraus ein Strick gedreht werden kann.

Rezko, ein umtriebiger Baulöwe, ist in Chicago wegen Bestechung und Korruption angeklagt, als einen «Freund» hatte ihn Obama einst bezeichnet und auch dann noch Wahlkampfspenden von «Freund» Rezko abgebucht, als das FBI bereits gegen den Besitzer heruntergekommener Mietskasernen – daher der Schimpfname «Slumlord» - ermittelte. Insgesamt erhielt Obama mindestens 60000 Dollar von Rezko, weitaus seltsamer aber mutet an, dass der Senator Rezko 2005 kontaktierte, um in Chicago ein Haus zu kaufen.

Der Besitzer des Hauses wollte seine Immobilie angeblich nur inklusive des leeren Grundstücks nebenan verkaufen – und just an dem Tag, als Barack Obama das Haus 300000 Dollar unter Preis für 1.6 Millionen Dollar kaufte, erstand Frau Rezko das Grundstück nebenan zum vollen Preis von 625000 Dollar. Die Transaktion mag ein wenig miefeln, illgal aber ist daran nichts. Obwohl Obama sein Verhalten inzwischen «bedauert»hat, halten sich jedoch hartnäckig Gerüchte, es sei noch mehr vorgefallen zwischen ihm und Tony Rezko.

«Wenn alles herauskommt, ist er politisch tot», sagte mir vor Wochenfrist der Clinton-Vertraute. Wirklich? Oder steckt hinter dem Rummel um Rezko vor allem der Wunsch der Clintons, ihre Restauration ins Weisse Haus ohne den respektlosen Störenfried Obama betreiben zu können?