Wer bügelt Ihre Hemden?
| Von Martin Kilian um 16:04 | [ Manchester, New Hampshire ] |
Sicherlich hat es Hillary bei Frauen nicht geschadet, dass sie am Vorabend der Wahl bei einer Veranstaltung in Salem, New Hampshire, sexistisch angemacht wurde. «Alle reden bei diesem Wahlkampf über Veränderung, aber was bedeutet das genau?», hatte sie gerade gesagt, als zwei junge Männer im Publikum aufstanden und «Bügle mein Hemd!» schrien. Einer der beiden hielt zudem ein Schild, auf dem ebenfalls «Bügle mein Hemd» stand.
Hillary Clinton bat daraufhin, den Saal besser auszuleuchten, damit sie sehen konnte, wessen Hemden sie bügeln solle. Den «Überresten des Sexismus» gehe es gut, wie heute Abend zu ersehen sei, erwiderte die Senatorin auf den Zwischenruf, während die zwei Idioten aus dem Saal geleitet wurden. Nun wissen wir, wer sie sind. Beide arbeiten für die Radiostation WBCN in Boston im benachbarten Staat Massachusetts, wo sie Teil einer nachmittäglichen Radioshow namens «Toucher and Rich» sind.
Fred Toucher und Rich Shertenlieb unterhalten die Zuhörer von Montag bis Freitag mit Blödeleien und Witzen, und die beiden Hemdenbügler Adolfo Gonzalez und Nick Gemelli sind Teil der Show, Adolfo als Assistent und Gemelli als Praktikant. «Ich glaube einfach nicht, dass eine Frau Präsident sein sollte», gab Gemelli als Grund für seinen Auftritt bei Hillarys Wahlveranstaltung an. Gonzalez identifiziert sich auf seiner MySpace-Webseite als Republikaner.
Mit ihrer Aktion verliehen Gemelli und Gonzalez dem Wahlkampf in New Hampshire am Vorabend der Wahl eine dramatische Note und drückten offen aus, was manche Männer nur zu denken wagten. Wie gesagt: Wir werden niemals wissen, wie viele Frauen, die sich eigentlich nicht ins Hillaryland begeben wollten, wegen dieses Vorfalls für die Senatorin stimmten, aber es dürften einige gewesen sein.
Ihr Verhalten ist nur allzu verständlich, denn die Bügelaktion stand für einen zuweilen problematischen Ton in der Berichterstattung über die Senatorin, vor allem, nachdem ihr am Wochenende vor der Wahl auf die Frage, wie sie das alles durchhalte, Tränen in die Augen getreten waren. «Oh, schaut nur, sie gibt das Girl», hiess es danach hämisch. Andererseits warf man ihr vor, sie benehme sich wie ein blutleerer Robot, zeige nie ihre Gefühle und sei eben eine eiserne Lady.
Mit anderen Worten: Wie immer sich Hillary Clinton auch verhielt, konnte sie es manchen Kritikern nicht recht machen. Ihnen wäre offensichtlich am besten gedient, wenn Frau Clinton sich nicht um das Amt des Präsidenten bewerben würde, sondern – Hemden bügelte.

