30.1.2008

Judy und Rudy brechen Aufstieg ab!

Von Martin Kilian um 16:11 [ Jacksonville, Florida ]
Kandidat Rudy ain’t no’ mo’….Schluchz, der arme Rudy, nicht wahr, die bösen und überdies undankbaren Wähler im bescheuerten Florida haben ihn gekippt, unseren Helden von 9/11, der das Heimatland doch besser beschützt hätte als jeder andere Kandidat es hätte tun können, und nun wird Rudy als Pensionär vielleicht in Florida verbleiben oder im Falle eines Sieges von Mac McCain nächstes Jahr nach Washington ziehen, wo diese «aussergewöhnliche amerikanische Führungsgestalt», so Mac am Abend der Vorwahl in Florida über Rudy, sein Gnadenbrot erhält als…hmm…Unterstaatssekretär im Verkehrsministerium…nun ja..wäre doch etwas für den….verkehrserfahrenen… Rudy, von dessen verrücktem aussenpolitischen Beraterstab wir nun verschont bleiben, so dass ab Januar 2009 nicht gleichzeitig 14 (in Zahlen: verzehn!) Kriege und Feldzüge im Nahen Osten anstehen, sondern vielleicht, so Mac im November gewinnt, nur noch deren zwei, was natürlich mit Heideggerscher Gelassenheit nichts zu tun hat, sondern sich allgemeinem republikanischen Schwadronieren verdankt, wonach die Nominierung nur gewinnen kann, wer die Bereitschaft zum Zuschlagen zeigt, was bei Rudy zweifellos der Fall war, aber der ehemalige Schulze wies leider…..persönliche… Mängel auf, so dass die republikanische Vorwählerschaft in Florida die Notbremse und Rudy aus dem politischen Verkehr zog, womit Rudys Judy…leider leider…keine Chance zum Aufstieg auf den letzten von ihr noch nicht erklommenen sozialen Gipfel, das Weisse Haus, erhält, im Gotha als Mount Everest des politischen Adels ausgewiesen, wo Rudy-Judy Hof gehalten hätte, dass es eine Pracht gewesen wäre, aber geplatzt ist er, der schöne Taum, und Rudy nurmehr ein Ex-Schulze mit einem Ego so gross wie die Hindenburg, der heute von sich sagen wird, seine Zeit…sei…gekommen… und….gegangen, was mir nur recht sein kann, da ich mich vor ihm fürchtete und seinen Aufstieg vom knallharten Staatsanwalt Mitte der Achtziger zum KANDIDATEN furchterregend fand, weshalb der Amerikanist gestern Abend dankbar allen zuprostete, die nicht für Rudy stimmten, ehe er auf dem MacBook Colonel Bruce Hampton lauschte, den kaum jemand kennt, aber jeder kennen sollte.

Und jetzt wird gepackt, und danach geht es 1100 Kilometer per Kiste und auf mässigen bis schlechten Fahrbahndecken zurück in die Hauptstadt..Bye…


29.1.2008

All Hat, No Cattle...ahhh, Country!

Von Martin Kilian um 00:53 [ Jacksonville, Florida ]

Ohhhkay…Florida, ein Staat ohne Kern. Oder wie Gertrude Stein sagen würde «There is no there there». Plastik, Baby. So authentisch wie Milli Vanilli. Und ich in einem Country Inn, jawohl, Country, rustikal, ach was: bukolisch, aber wie! Mit Country-Möbeln, amerikanische Eiche, ein LKW kann darüber hinweg rollen, und alles steht, nichts ist platt, denn Country ist solide, und vor meiner Haustüre erblicke ich wunderbare Weiden für Konsumenten, alle in Beton gegossen und endlos, derweil hinter dem Country Inn auf einem Superhighway, der von Miami bis Boston führt, Trucks donnernd den Asphalt traktieren und ich die Auswahl habe zwischen Applebee’s oder Bennigan’s, mitten im Country, wo mir der Sinn doch eher nach etwas Country-Küche steht, etwa BBQ-Spaghetti oder allerlei andere Leckereien aus dem Country, und danach ein bisschen Country-Besäufnis mit Merle und den Boys…ahh Country….

Denn es gilt sich zu rüsten, nicht wahr, für Jorge Arbustos jährlichen Grossauftritt vor dem Kongress zur Lage der Nation, die nach Einschätzung von El Presidente bestimmt mal wieder besonders toll ist, sieht man einmal von Petitessen wie der Kreditkrise und ein paar anderen Dingen ab, alles Kleinkram, wie gesagt, weshalb Jorge Arbusto sich feste auf die Schulter klopfen wird, der arme Mann, bei dessen Anblick die Nation mehrheitlich mit den Augen rollt und den sie längst dorthin wünscht, wo im Sommer Fahrbahndecken schmelzen, während Arbusto in der Hitze des texanischen Nachmittags sein Grundstück von unliebsamem Kraut säubert und mit dem Mountainbike über seine Hektar rast. Crawford! Dort wird er dann - in weniger als einem Jahr! Meiner Seel! - auf seiner «Ranch» nach Gutsherrenart hausen, all hat, no cattle, wie die Texaner über ihre Pseudo-Rancher spötteln. Heehaw!






28.1.2008

Mr. Bills Freak-Out......

Von Martin Kilian um 14:45 [ Jacksonville, Florida ]
Als sich Bill Clinton 1992 um die Präsidentschaft bewarb, machte ein wunderbares Foto die Runde: Der blutjunge Clinton, wie er Präsident John F. Kennedy die Hand schüttelte. Kontinuität sollte das Bild symbolisieren, war die demokratische Fackel doch der nächsten Generation übergeben worden.

Um so trauriger ist Mr.Bills hässliches Verhalten in den Tagen vor der Wahl in South Carolina. Und wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass sich Senator Ted Kennedy, der Doyen des Kennedy-Klans, heute zum Erstaunen der Clintons und ihrer Freunde für Barack Obama erklärt – nur einen Tag, nachdem John Kennedys Tochter Caroline sich gleichfalls hinter den Afroamerikaner stellte. Nicht alle Kennedys unterstützen den Senator aus Illinois; Kathleen Townsend Kennedy und Patrick Kennedy, beide Kinder Robert Kennedys, haben sich für Hillary Clinton ausgesprochen.

Aber Ted Kennedy ist mehr als nur ein Senator aus Massachusetts; er ist das linksliberale Gewissen der Demokratischen Partei. Erfolglos versuchte Bill Clinton, den Senator in einem Telefonat in letzter Minute von seinem Schritt abzuhalten. Erfolglos vielleicht auch deshalb, weil Clintons Reputation schwer gelitten hat im Gefolge seiner unmässigen Attacken auf den Konkurrenten seiner Ehefrau.

Was mag nur in den früheren Präsidenten gefahren sein, dass er am Wochenende abermals nachlegte und Barack Obamas Erfolg mit den Siegen des schwarzen Bürgerrechtlers Jesse Jackson bei den demokratischen Parteiversammlungen in South Carolina 1984 und 1988 verglich – und damit andeuten wollte, Obama sei wie Jesse Jackson eben ein Kandidat des schwarzen Amerika, mehr nicht. Jackson gewann vor allem deshalb, weil die demokratische Nominierung in beiden Fällen bereits entschieden worden war, zu Gunsten Walter Mondales 1984 und für Michael Dukakis 1988, weshalb sich die Spitzenreiter in South Carolina keine besondere Mühe gaben.

Nicht nur wertete sich Bill Clinton damit selber ab; er entwertete zudem die Kandidatur seiner Gattin. Denn in den Tagen vor der Wahl in South Carolina gaben die Clintons ein Bild, dass zusehends demjenigen glich, welches die Republikaner zu Zeiten von Bills Präsidentschaft gezeichnet hatten: Ein machthungriges Gespann, das ohne Skrupel agiert, um sich durchzusetzen – und dabei von der fatalen Überzeugung geleitet zu werden scheint, ein Recht auf die Präsidentschaft zu besitzen.

Deshalb scheint beinahe alles erlaubt zu sein, wie der neueste Schachzug der Clintonistas nahelegt: Nachdem die demokratischen Kandidaten übereingestimmt hatten, keinen Wahlkampf für die morgige Vorwahl in Florida zu betreiben und den Staat zu ächten, weil Floridas Demokraten das Datum der Vorwahl illegal nach vorne schoben, will Hillary nun plötzlich dort auftreten und womöglich eine Art Sieg feiern.

Nur weiter so, und irgendwann werden die Clintons tatsächlich jener Karikatur ähneln, welche die Republikaner in den Neunzigern unters amerikanische Volk zu bringen versuchten. Schade.