16.7.2008

Ein Zaun...oder eine Mauer?....

Von Martin Kilian um 05:43 [ Del Rio, Texas ]
Der texanischen Kommune Del Rio, am Rio Grande und damit an der Grenze zu Mexiko gelegen, hat der amerikanische Aufruhr um die illegale Zuwanderung von Latinos einen hübschen Profit beschert: Weil die «Federals» in Washington einen Grenzzaun bauen möchten, benötigen sie Land längs des träge rollenden Rio Grande. Del Rio – Einwohnerzahl 35000 - kaufte vor Jahrzehnten nutzloses Arreal am Fluss für die bescheidene Summe von 90000 Dollar. Unlängst verscherbelte die Stadt die fast 30 Hektar für 1.2 Millionen Dollar an die Washingtoner Regierung.

Man werde mit dem unverhofften Gewinn ein Parkhaus bauen, verlautet aus dem Rathaus, wo Bürgermeister Efrain Valdez den Verkauf des Landes verteidigt. Das sei ja zu nichts zu gebrauchen gewesen, meint er, und ein Zaun am Fluss störe niemanden. Mit dieser Meinung steht Valdez ziemlich allein im Süden von Texas, wo historische Bindungen den Alltag zu beiden Seiten der Grenze bestimmen. Seit der Kongress 2006 grünes Licht zum Bau eines Zauns – oder ist es eine Mauer? – entlang der mexikanisch-amerikanischen Grenze gab und dafür eine Milliardensumme bereitstellte, ist das gigantische Vorhaben zum Gegenstand von Kontroversen geworden.

Etwa eintausend Kilometer Grenze sind in Kalifornien und Arizona mit einem bis zu sechs Meter hohen Zaun bereits gesichert worden, auch in Texas sollen Barrieren errichtet werden. Gegner des teueren Monumentalbaus – anderthalb Kilometer kosten eine Million Dollar – vergleichen ihn mit der Berliner Mauer, obschon diese natürlich die Ostdeutschen von der Flucht abhalten und nicht etwa den Westdeutschen die illegale Einwanderung in den Osten verwehren sollte. Und besonders in Texas regt sich heftiger Widerstand gegen den Bau. Selbst Bürgermeister Valdez, so sehr er mit den «Federals» kooperieren mag, hat sich im Mai einer Klage lokaler Politicos in der texanischen Grenzregion angeschlossen, welche der Bundesregierung vorwirft, sie wolle zwecks Bau des Zauns örtliches Land zu lachhaften Preisen erwerben.

Eine Koalition von Umwelt- und Bürgerrechtsgruppen verlangt überdies ein generelles Umdenken: Der Zaun zerschneide die Grenzregion und werde der illegalen Zuwanderung kaum Einhalt gebieten. «Eine Grenzmauer signalisiert der Welt, dass wir eine verängstigte und nicht eine starke und selbstbewusste Nation sind und dass wir nicht im Stande sind, ein schwieriges Problem auf intelligente Weise zu lösen», kritisiert die Gruppe «No Texas Borderwall» die geplante Barriere. Neutrale Beobachter der Szene in Del Rio und anderswo entlang der Grenze zwischen der Ersten und der Dritten Welt glauben, dass ein massiver Zaun den Zufluss der Illegalen abschwächen werde. Solange der Lebensstandard des Nordens aber dem des Südens voraus sei, könne kein Zaun die Menschen vom Versuch abhalten, ein besseres Leben für sich und ihre Kinder zu finden.

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