Geschichten aus South Carolina….
| Von Martin Kilian um 04:22 | [ Columbia, South Carolina ] |
Kaum angekommen wurde ich von einer netten, aber sehr bestimmten Mitarbeiterin Barack Obamas namens Michele Hardman stellvertretend für die gesamte Zunft gerügt: Wir liessen den Clintons viel zu viel durchgehen, sagte Michele, denn jeder wisse schliesslich, wie toll Mr.Bill es treibe. Worauf ich nur sagen konnte, es sei mir gleichgültig, was Mr.Bill mit wem treibe, denn grundsätzlich sollten sich die Medien aus den Privatleben von Politicos gefälligst heraushalten. Nein?
Der englischsprachige Al-Dschasira-Sender ist ebenfalls in Columbia und lud mich zur Wahlparty in einer Kneipe ein. Al-Dschasira-Produzent Jeremy Young erzählte, was geschah, als er mit seiner TV-Crew in Städtchen Dillon eine Schule besuchte. Anlass war ein hervorragender Dokumentarfilm namens «Corridor of Shame» über den unglaublichen Zustand vieler ländlicher Schulen in den armen und überwiegend schwarzen Bezirken South Carolinas entlang des Highways 95. Anfänglich hatte der Rektor der Schule in Dillon nichts dagegen, dass gefilmt wurde, doch als ihm dämmerte, wer da filmte, warf er Young und dessen Team auf der Stelle hinaus. Woraus ich schloss, dass es ein harter Job ist, für Al-Dschasira zu arbeiten.
Nicht nur der arabische Sender aber ist in den Hirnen mancher Leute mit Terroristen verlinkt. An der Bar des Liberty Grill sagte gestern ein Gentleman aus Kershaw, South Carolina, nie würde er Obama wählen, denn der sei ein Terrorist. Osama Obama…Barack Hussein….der Unsinn wird im Internet verbreitet mitsamt der Lüge, der schwarze Senator aus Illinois sei ein Muslim und in einer Madrasse in Indonesien erzogen worden. Ein Teil dieses Bullshits ist offensichtlich hängengeblieben.
Ausserdem hatte ich die Ehre, Jonathan Rosales und seine Gang aus Austin, Texas, zu treffen. Die Jungs haben ein ergötzliches Videospiel entwickelt, bei dem Tiergestalten um die Präsidentschaft kämpfen. Das Spiel trägt den Namen «Hail to The Chimp» - in Anlehnung auf die amerikanische Präsidenten-Hymne «Hail to the Chief.» Jonathan und Konsorten werben für ihr Produkt, indem sie sich in Tierkostüme werfen und bei Wahlkampfveranstaltungen aufkreuzen. Bei einem Hillary-Event am Freitag wurde den Tieren indes der Zutritt verweigert. Obschon sie doch so putzig aussehen!
22 Uhr in Columbia, South Carolina. Welch ein Sieg für Barack Obama! Und welch eine Koalition von Wählern! Und die Wahlbeteiligung? PHÄNOMENAL!
PS. Caroline Kennedy, John F. Kennedys Tochter, hat sich für Obama erklärt. Ein Präsident wie ihr Vater wäre er, schreibt sie in der Sonntags-Ausgabe der New York Times. Hmm…Erinnert Obama nicht eher an Carolines Onkel Bobby Kennedy?



