13.2.2008

Jorge Arbusto als Hebamme....

Von Martin Kilian um 19:43 [ Charlottesville, Virginia ]
Wie immer die amerikanische Präsidentschaftswahl ausgehen mag, in die Geschichte eingehen wird sie unweigerlich. Auf der republikanischen Seite wird der Kandidat Senator John McCain sein, womit im Falle seines Sieges bei den Novemberwahlen der vierundvierzigste Präsident der Vereinigten Staaten wie der erste und alle dazwischen aussähe: Ein weisser Mann nämlich. Die Demokraten betreten hingegen historisches Neuland, wird ihr Bannerträger doch entweder eine Frau sein oder ein Afroamerikaner.

Und inmitten der epischen Auseinandersetzung zwischen Hillary Clinton und Barack Obama bewegt die Demokraten bereits die Überlegung, wer im Herbst der bessere Kandidat gegen Senator McCain wäre. Keinesfalls wird diese Frage in einem Vakuum gestellt, sondern im Rahmen einer bedenklichen Wirtschaftslage und vor dem Hintergrund der Kriege im Irak und in Aghanistan sowie der Präsidentschaft George W. Bushs. Wäre die Regentschaft des Texaners auch nur halbwegs erfolgreich verlaufen und hätte sich nicht in extremen politischen Positionen sowie einem erstaunlichen amerikanischen Prestigeverlust manifestiert, wäre die Auseinandersetzung zwischen Hillary Clinton und Barack Obama längst zu Gunsten der Senatorin aus New York entschieden worden. Ihre Erfahrung, ihr Bekanntheitsgrad und ihr unbestreitbares Können hätten den Ausschlag gegeben, die Demokraten sich mithin für das Vertraute und Bekannte entschieden.

Dass der vor vier Jahren noch nahezu unbekannte Senator aus Illinois Clinton nun die Show stiehlt, widerspiegelt indes, dass sich die Vereinigten Staaten nicht in gewöhnlichen Zeiten befinden. Die Empfindungen der Amerikaner sind in dieser Wahlsaison geprägt von Sorge um die Zukunft des Landes – und von einer tiefsitzenden Müdigkeit mit dem Status quo in Washington. Barack Obama hat bislang davon mehr profitiert als Hillary Clinton, ja es könnte argumentiert werde, dass das Scheitern George W. Bushs den ersten ernstzunehmenden schwarzen Präsidentschaftskandidaten der amerikanischen Geschichte hervorgebracht hat. Zumindest auf dieses Vermächtnis kann sich dieser schwierige Präsident etwas einbilden.


12.2.2008

Kennen Sie eigentlich den Potomac?....

Von Martin Kilian um 20:08 [ Charlottesville, Virginia ]
Der Amerikanist verfolgt die heutigen Vorwahlen in Maryland, der Hauptstadt Washington sowie in Virginia von seinem Landsitz in Charlottesville in Virginia, Heimat der von Jefferson gegründeten University of Virginia…und, wenn ich das mal erwähnen darf, auch Heimat der Dave Matthews Band, deren Frontmann ein alter Freund des Amerikanisten ist, er damals Mitte der achtziger Jahre Tellerwäscher und Barmann in einer Kneipe namens Miller’s, der Amerikanist ein armer Lohnschreiber, der bei Miller’s ab und an ein Bier zischte – und sich mit dem jungen aus Südafrika eingewanderten Dave anfreundete und manchmal bis spät in die Nacht mit ihm über den ekligen Apartheit-Staat diskutierte….huch, wie konnte ich nur so abschweifen? Ist Francisco Franco noch immer tot? Ja? Gott, wie das erleichtert!....

Wie auch immer: Herr Obama sieht dem Ausgang der sogenannten Potomac-Wahl (Maryland, Virginia und Washington DC liegen alle am Potomac…jajaja, ich höre im Hintergrund bereits, ‘für wie bescheuert hält uns dieser Typ eigentlich?’) zuversichtlich entgegen…aber bitte: die Umfragen lagen, was ihn betrifft, schon mehrmals grausam daneben. Mich interessiert vor allem, ob die Amerikanerinnen beginnen, von Hillary zu Obama überlaufen…es gibt diesbezüglich einige Anzeichen, was die heutigen drei Vorwahlen betrifft…und falls dem so wäre, sähe Clinton alt aus bei den kommenden Vorwahlen….doch ich bin skeptisch.

Andererseits war es vielleicht nicht sehr schlau, vor entscheidenden Wahlgängen in Ohio und vor allem in Texas mit seinen vielen Latinos Patti Solis Doyle, die ranghöchste Latina im Hillaryland, zu demontieren und sie als Wahlkampfleiterin durch die Afroamerikanerin Maggie Williams zu ersetzen. Die Auswechslung, regte sich der bislang hinter Hillary stehende Latino-Superdelegierte Steven Ybarra prompt auf, sei «so dumm wie ein Baumstumpf». Loyalität, so Ybarra, sei «keine Einbahnstrasse».

Mag sein, aber wussten Latinos, die bislang ja mehrheitlich Hillary wählten, dass Patti Solis Doyle die Tochter mexikanischer Einwanderer ist?…hmmm….glaube ich nicht…Noch fünf oder sechs Stunden bis zum Schliessen der Wahllokale…see ya later…


24.12.2007

Der Weihnachtsblues......

Von Martin Kilian um 19:56 [ Charlottesville, Virginia ]
Und nun singt Dino uns etwas zum Christenfest vor! Allerdings hat bei ihm der Weihnachtsblues eingesetzt….


Sehr elegisch!


23.12.2007

Episches Fabulieren dank Thermowäsche!

Von Martin Kilian um 20:51 [ Charlottesville, Virginia ]
Weihnachten steht vor der Tür, das Spektakel des amerikanischen Vorwahlkampfs läuft freilich unvermindert weiter. Aussetzen werden die Matadoren nur über die Feiertage; danach steigert sich der Zirkus neuerlich, bis am 3. Januar bei den Parteiversammlungen im Staat Iowa erstmals über die Präsidentschaftsbewerber beider Parteien befunden wird.

Der ganze Vorwahl-Rummel animiert am Ende nicht mal ein Drittel der Wahlberechtigten zum Urnengang, schon gar nicht in Iowa, wo es saukalt ist und die abendlichen Parteiversammlungen Stunden dauern können, in deren Verlauf sich die Demokratie extrem langsam entfaltet, derweil es draussen, wohin man sich anschliessend wieder begeben muss, noch saukälter geworden ist, weshalb höchstens ein Fünftel der Bürger abstimmen wird, um danach trotz Thermowäsche und um den Kopf gewickelten Biber-Bettüchern mit Hypothermie und Erfrierungserscheinungen für den demokratischen Einsatz zu bezahlen. Wow! Ein Mega-Satz mit beachtlichen Unterabteilungen!

Als Belohnung winkt den Teilnehmern später indes episches Fabulieren: Wisst ihr noch bei den Parteiversammlungen 1988, als Soundso gewann und wir bei der Heimfahrt nachts von einem Blizzard überrascht wurden und drei Tage in einer Schneewehe steckten, ehe uns ein Hubschrauber rettete?

Besieht man sich die horrenden Ausgaben der Kandidaten, kostet eine Stimme in Iowa ein Vermögen. Ausserdem währt der Wahlkampf dort bereits ein Jahr, in dessen Verlauf die Kandidaten insgesamt jedem dritten (!!!) Bewohner Iowas die Hand geschüttelt haben. Himmel, muss man machtgeil sein, um sich derlei Opfer abzuverlangen!

Ich habe mich unterdessen nach Charlottesville im schönen Virginia abgeseilt, um meine intellektuelle Verslummung zu pflegen und aufzutanken, ehe der Wahlkampf zu toben beginnt. Ausserdem werde ich den Hackensaw Boys zuhören, einer Old-Time-Bluegrass-Band aus Charlottesville, die es versteht, Altes und Neues prächtig miteinander zu verknüpfen.

Nun aber Schluss mit dem Gestammel, denn unbedingt möchte ich mehr über die Schwangerschaft von Britneys 16jähriger Schwester Jamie Lynn nachlesen, nachdem mir....psst.....zugetragen worden war, dass Jamie Lynns und Britneys Mama ihr Vorhaben, ein Buch über «christliche Kindererziehung» zu verfassen, vorerst aufgegeben hat. Wär’ ja noch schöner gewesen, mit solchen Töchtern! «Christliche Erziehung»! Nee, Frau Spears, so geht es nun wirklich nicht!


30.10.2007

Die grösste Show der Welt beginnt

Von Martin Kilian um 16:34 [ Charlottesville, Virginia ]
Es war fast wie ein Rock-Konzert, der Kandidat ein Rock-Star: Freudig warteten 4500 amerikanische Wähler am Montag in Charlottesville im Staat Virginia auf ihren Helden Barack Obama, den Senator und demokratischen Präsidentschaftskandidaten – ein Jahr und vier Tage vor dem amerikanischen Wahltag! Obama enttäuschte sie nicht, hielt seine Standard-Wahlrede, ein Huhn in jeden amerikanischen Kochtopf!, versprach er.

Mit den innerparteilichen Vorwahlen für die Nominierung der Kandidaten beginnt bald eine erste Hochphase des Wahlkampfs, an dessen Ende eine Schicksalswahl steht: Nach acht anstrengenden Jahren mit George W. Bush wird ein neues Kapital aufgeschlagen, spannend schon deshalb, weil mit Hillary Clinton endlich eine Frau gewählt werden könnte oder mit Obama erstmals ein Afroamerikaner eine Chance aufs Weisse Haus hat.

Die Republikaner präsentieren eine Riege weisser Männer mittleren Alters, immerhin aber ist ein Mormone darunter, ein Baptistenprediger sowie ein Italo-Amerikaner namens Giuliani, dem der Ruf eines politischen Berserkers anhaftet. Die amerikanische Welt wird sich nun bis zum November 2008 um diesen längsten und teuersten demokratischen Auswahlprozess auf Erden drehen – wie Gründervater Alexander Hamilton einst befürchtet hatte. «Wer wird der nächste Präsident sein?», laute künftig die Frage aller Fragen, schüttelte es Hamilton.

Und während ernsthafte Wahlbeobachter die Kandidaten analysieren, ermittelte der Anthropologe Clotaire Rapaille bei Gruppensitzungen mit amerikanischen Wählern, dass von einem Präsidenten zuvorderst nicht Politisches gewünscht wird, sondern «billige Unterhaltung» - Vorhang auf also zur grössten Show der Welt!