Ringkampf mit einem Schwein? Hmmm...
| Von Martin Kilian um 00:24 | [ Charleston, South Carolina ] |
Und keineswegs hilft beim Zwischenmenschlichen, dass man sich inzwischen recht gut kennt. Mehr als 20 Mal teilten die Kandidaten des demokratischen wie des republikanischen Lagers die Bühne miteinander und debattierten vor Publikum und TV-Kameras. Bei diesen Palavern ist mittlerweile deutlich erkennbar, wer wen nicht ausstehen kann und wie gut oder wie schlecht die Gefühle zwischen den Konkurrenten sind. Zweifellos können sich Senator Obama und die Senatorin Clinton nicht ausstehen. Nicht erst seit der hitzigen Debatte am vergangenen Montag in South Carolina wissen wir, wie tiefsitzend die gegenseitige Abneigung ist,
Darüber können auch leichte Momente und kalkulierte Artigkeiten nicht hinwegtäuschen. Schon der auf dem Podium zur Schau getragene Gesichtsausdruck teilt uns mit, dass der eine den anderen am liebsten auf den Mond, nein: auf den Jupiter schiessen möchte, so es eingerichtet werden könnte. Deshalb wäre der Chronist zu gern heimlich zugegen, wenn Herr Obama oder Frau Clinton im kleinsten Kreise der Vertrauten über den Widersacher herziehen.
Bei den Republikanern konzentriert sich der Missmut fast exklusiv auf Mitt Romney, den sowohl Senator McCain als auch Ex-Gouverneur Mike Huckabee nicht ausstehen können. Romney pflegt den Habitus eines Strebers, der zudem mit seinem Geld nur so um sich wirft, während die anderen Kandidaten mühselig ihre Kassen auffrischen müssen. Auch war es Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, der die Konkurrenten bereits vor den Parteiversammlungen in Iowa mit böser TV-Werbung bombardierte.
Was also sagt Senator McCain über Romney? «Man darf nie einen Ringkampf mit einem Schwein führen», sagt er. Denn«beide werden dabei schmutzig, das Schwein aber mag das». Romney ein Schwein? Aber Herr Senator! Kaum besser stehen die Dinge zwischen Pastor Huckabee und Romney, der es nicht einmal für nötig befand, dem Gottesmann aus Arkansas nach dessen Sieg in Iowa zu gratulieren. Huckabees Wahlkampfmanager Ed Rollins, ein politischer Streetfighter der Extraklasse, rotzt denn auch, er müsse sich «zügeln» bei einem Kerl wie Mitt, «dem ich die Zähne ausschlagen möchte».
Hier manifestiert sich nackte Aggression, weshalb nicht weiter verwunderlich wäre, wenn sogar Mordkomplotte die Fantasien der Kandidaten belebten. Und noch sind es über neun Monate bis zum Wahltag!

