07.12.2007

Miss Shrimp Queen und die Mullahs....

Von Martin Kilian um 00:51 [ Beaufort, North Carolina ]
Was mir in nur fünf Tagen Ferien abseits Washingtons entgangen ist: Hillary Clinton verliert im demokratischen Vorwahlkampf an Boden, ihre Umfragewerte sinken sowohl im mittwestlichen Iowa als auch im neuenglischen New Hampshire. Gleiches gilt für den republikanischen Spitzenreiter Rudy Giuliani. Er verliert ebenfalls an Höhe. Aber was ihn anbetrifft, bin ich immer der Meinung gewesen, dass die wertkonservativen Hardliner innerhalb der Republikanischen Partei lieber einen Waschbären zum Präsidentschaftskandidaten küren würden als Rudy – vor allem, da sich dessen verqueres Privatleben nun so richtig zu entblättern beginnt.

Ebenso verpasst: Die neue Einschätzung der amerikanischen Dienste, wonach die iranischen Mullahs ihr Atomprogramm 2003 einstellten – was den Entscheider im Weissen Haus und Oberkommandierenden im Krieg gegen den Terror™ alt aussehen liess. Gut so. Und ein donnerndes Dankeschön ans Geheimdiensthauptquartier in Langley im Staat Virginia, wo die Analysten der Zentralen Intelligenz Agentur (ZIA) diese Woche nachrichtendienstliche Wertarbeit leisteten, nachdem sie im Vorfeld des Irakkrieges Quatsch mit Sosse verzapft hatten. Den Schlapphüten der 15 anderen amerikanischen Dienste, die auch an der Beurteilung beteiligt waren, flechte ich hiermit gleichfalls einen Kranz.

Unterdessen vernügte sich der Amerikanist in Beaufort, dem drittältesten Städtchen North Carolinas, wo er die alljährliche Weihnachtsparade begaffte und die «Miss Shrimp Queen» in einem Cabriolet an ihm vorbeifuhr. «Miss Shrimp Queen»! Mit einem solchen Titel lässt es sich gewiss leicht durchs amerikanische Leben gehen……





06.12.2007

Mitt Romney und der liebe Gott...

Von Martin Kilian um 18:45 [ Beaufort, North Carolina ]
Die amerikanischen Gründerväter schoben der Verflechtung von Staat und Religion einen strikten Riegel vor: In den Vereinigten Staaten sollte jeder nach seiner Fasson selig werden können. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb? – ist Amerika das bei weitem religiöseste Land unter den westlichen Industrienationen. Konstant und bisweilen penetrant wandert Gott durch den öffentlichen Diskurs, und wehe dem Politico, der sich als hartgesottener Atheist outet oder es ablehnt, den Amtseid ohne Bibel und die Anrufung des Allerhöchsten abzulegen.

Aber nicht jedermanns Gott ist genehm. Als der muslimische Kongressabgeordnete Keith Ellison im Januar seinen Amtseid auf einen Koran leistete, verärgerte er damit konservative Christen. Suspekt ist auch der Gott der Mormonen, deren Glaube mancherorts als eine Art Kult angesehen wird. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, ein Mormone, sah sich heute deshalb genötigt, in einer Grundsatzrede in Texas Stellung zu seinem Glauben zu nehmen. Unter anderem waren Befürchtungen laut geworden, als Präsident werde Romney Befehle der mormonischen Kirchenoberen entgegennehmen.

Hatte der Katholik John F. Kennedy 1960 in einer Rede bekräftigt, dass er als Präsident nicht dem Papst dienen werde, so verwahrte sich Romney gegen die Unterstellung, sein Mormonenglaube werde seine Amtsführung beeinflussen. «Keiner Religion und keiner Gruppe» werde er als Präsident verpflichtet sein, auch sei seine Kandidatur «nicht durch meinen Glauben definiert», sagte Romney. Ob der ehemalige Gouverneur von Massachusetts damit die Bedenken mancher Wähler zerstreuen konnte, wird sich erstmals bei den republikanischen Parteiversammlungen in vier Wochen im Staat Iowa zeigen.