Allseits bekannt ist der multikulturelle Anstrich des Obama’schen Stammbaums. Nun aber wird uns bedeutet, die Ahnen des demokratischen Präsidentschaftskandidaten seien obendrein Helden gewesen. Am Montag unterrichtete der Senator aus Illinois in einer Rede zum Heldengedenktag im Staat New Mexico das amerikanische Volk, sein Grossvater habe im zweiten Weltkrieg bei der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz mitgeholfen. Es klang hehr, die Wahrheit war es freilich nicht. Auschwitz wurde von sowjetischen Soldaten befreit, wohl kaum diente Obamas Verwandschaft dort. Denn hätte sie, wäre daraus schon längst ein Wahlkampfthema geworden. Sehr her! Die haben bei den Roten gedient!
Besonders bedenklich an des Senators eigennütziger Heldenverehrung ist, dass er beharrlich daran zu glauben scheint. Bereits 2002 hatte er den Grossvater mütterlicherseits als einen Soldaten in General Pattons Armee vorgestellt, der allerlei grauenhafte Geschichten von Kameraden gehört habe, welche die Konzentrationslager Auschwitz und Treblinka befreit hätten. Doch auch Treblinka war von den Sowjets befreit worden, derweil Pattons Armee die Lager Buchenwald und Mauthausen befreite. Obamas löchriges Erinnerungsvermögen schürt den Verdacht, den Mann treibe ein Verlangen, den Stammbaum – vielleicht als Entgegnung auf den Vorwurf, es fehle ihm am Patriotismus? - in heldenhaftem Pathos erglühen zu lassen.
Gottseidank gab er nicht an, Auschwitz in eigener Person befreit zu haben wie einst Ronald Reagan, der Wirklichkeit und Illusion auseinanderzuhalten zuweilen problematisch fand. «Du glaubst daran, weil du daran glauben möchtest», sagte Reagan einmal zu einem Reporter, der fälschlich der Ansicht gewesen war, den Schauspieler in einem Film gesehen zu haben. «Das ist vollkommen in Ordnung, ich mache das immer», tröstete Reagan den Lohnschreiber. Was Obama betrifft, so irrte oder flunkerte er gleich doppelt, denn nebst dem Ort war auch der Ahne falsch. Nicht Auschwitz half der Vorfahre zu befreien, sondern wenn überhaupt das Lager Ohrdruf, das zu Buchenwald gehörte.
Peinlich auch, dass nicht der Opa, sondern Obamas Grossonkel Charlie Payne, ein Bruder seiner Grossmutter, in Ohrdruf dabei war. Kaum waren des Senators lädierte Erinnerungen in New Mexicos heisser Wüstenluft verdampft, schaltete der Stab auf Schadensbegrenzung: Senator Obamas Familie sei «stolz» auf ihre diversen Dienste im zweiten Weltkrieg - «besonders auf die Tatsache, dass sein Grossonkel bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald mitgeholfen hat», korrigierte Sprecher Bill Burton den Boss. Grossonkel Payne wurde damit an Stelle des Opas in Pantheon gehievt, während Hillarys Fans laut maulten, nichts bliebe am Teflon-Obama haften. Hätte Hillary derart geschwindelt oder sich versprochen: Erbarmungslos wäre sie in den Medien niedergemacht worden.
Mag sein, aber zumindest gab Obama nicht an, er selber habe im Kugelhagel der Nazis Auschwitz und Treblinka befreit. Dafür war Ronald Reagan zuständig, indes Hillarys Heldentaten ganz wo anders stattfanden, nämlich in den Schluchten des Balkans.
Blicken sie auf die Anzeigenflächen der Tankstellen, trifft die Amerikaner der Schlag: Eine Gallone Sprit – rund 3.8 Liter – kostet skandalöse vier Dollar, bald könnten es fünf und mehr sein, warnen Miesmacher. Vorbei die Zeiten also, da das Benzin pro Liter für fünfzig Cents und weniger zu haben war und sich die Nation zu immer gewaltigerem automobilistischem Gerät verstieg.
Mit einem Mal sind die Möglichkeiten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten begrenzt, und gleichermassen mürrisch wie erstaunt betankt der Populus für teures Geld seine Sechs- und Achtzylinder, seine Turbos und seine urgewaltigen Sport-Utility-Monster. Kein westliches Industrieland ist schlechter vorbereitet auf die Verknappung des Rohöls und den scheinbar unbremsbaren Anstieg des Benzinpreises, denn keines hatte sich ähnlich auf das vermeintlich ewige Sprudeln der Ölquellen verlassen.
Auch will es die Ironie, dass ausgerechnet unter der Regentschaft des Öl-Aficionados Jorge Arbusto der Saft zu einer Kostbarkeit gedieh, die der Bürgerschaft nun die Dollars aus der Tasche zieht. Statt Energiesparmassnahmen einzuleiten oder die Entwicklung alternativer Energien voranzutreiben, triumphierte die texanische Weltanschauung, wonach Öl das Rückgrat aller Zivilisation bildet. Die Nachfolger des fossilen Duos, seien es Obama oder Hillary oder John McCain, müssen sich jetzt Gedanken machen, wie die amerikanische Abhängigkeit vom Öl zu lindern sei.
Einfache Lösungen wird es nicht geben: Zersiedelt ist das Land, von weit her in Suburbia und Exurbia machen sich die Bürger auf den täglichen Autotrip zur Arbeit und zum Einkauf. Es fehlt an Massenverkehrsmitteln, auch gleicht das Schienennetz mitsamt den Zügen meistenteils einem Relikt aus der Steinzeit-Ära der Familie Feuerstein. Zwar hat beim Autokauf ein Umdenken eingesetzt und sind kleinere Autos wie der Mini oder der VW Golf hip geworden, doch donnern nach einer Orgie automobilistischen Exzesses ausladende Mastodone aus Glas und Gummi und Stahl über amerikanische Strassen – Ungetüme von fünf und mehr Metern Länge mit klingenden Namen wie «Suburban» oder «Titan» oder «Excursion», deren Tanks 120 oder gar 160 Liter Sprit fassen.
Immerhin hat ein Teil der automobilistischen Basis nun den Rückwärtsgang eingelegt und brüstet sich mit hybriden Sparbüchsen wie dem Toyota Prius, einem Vorboten des grossen zivilisatorischen Wandels, der das Land umkrempeln wird. Überall steigt die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel stark an und die Jungen drängt es vielerorts zurück in die Städte, zumal das Zeitalter von Einfamilienhäusern mit drei Garagen und einer Wohnfläche von eintausend Quadratmetern bald als obszöne Entgleisung betrachtet werden wird. Fahrräder sind in, das Drive-In-Restaurant ist out.
Und Amerika wäre nicht Amerika, wenn sich nach der mentalen Blockade der Ära Arbusto nicht typischer Erfindergeist Bahn bräche und der Nation einen Ausweg aus dem derzeitigen Dilemma wiese. Einmal mehr wird sich die das Land neu erfinden und lernen müssen, ohne den fossilen Overkill auf den Strassen zu leben. Bis dahin allerdings wird der hohe Spritpreis vor allem ärmeren Amerikanern das Leben verdüstern. Den Besitzern tumber Megatonnage droht unterdessen die Unverkäuflichkeit ihrer spritsaufenden Saurier.
Die Schlagzeile der New Yorker Boulevardzeitung «Daily News» verriet, dass etwas Aussergewöhnliches vorgefallen war: «Was bitte hat sie gesagt?», titelte das Blatt am Samstag. Bezogen war die ungläubige Frage auf Hillary Clinton, die am Vortag eine äusserst unglücklich formulierte Begründung für ihren Verbleib im demokratischen Vorwahlkampf gegeben hatte.
In einem Interview mit einer Zeitung in Sioux Falls im Staat South Dakota, wo am 3. Juni demokratische Parteiversammlungen abgehalten werden, hatte Clinton am Freitag erklärt, sie sehe keinen Anlass, Kritikern nachzugeben und aus dem Rennen um die demokratische Präsidentschaftsnominierung auszuscheiden. «Mein Mann hat die Nominierung 1992 erst für sich entschieden, nachdem er Mitte Juni die Vorwahl in Kalifornien gewonnen hatte. Und wir alle wissen, dass Bobby Kennedy im Juni in Kalifornien ermordet wurde». Clintons Bezug auf den Mord an Robert Kennedy, der am 6. Juni 1968, vor vier Jahrzehnten also, kurz nach seinem Sieg bei der kalifornischen Vorwahl erschossen wurde, löste über das Wochenende einen politischen Sturm aus.
Die Bemerkung der Senatorin wurde zunächst so interpretiert, als wolle sie trotz ihrer Chancenlosigkeit im demokratischen Rennen verbleiben, falls dem Spitzenreiter Barack Obama etwas zustosse – was Clinton jedoch nicht gemeint hatte. Statt dessen wollte sie darauf verweisen, dass demokratische Vorwahlkämpfe bereits in der Vergangenheit lange angedauert hätten, weshalb für sie kein Grund bestehe, den Kampf aufzugeben. Zum einen aber begannen Vorwahlkämpfe in früheren Zeiten wesentlich später als der jetzige, zum anderen fiel die Formulierung der Senatorin extrem unglücklich aus, da tatsächlich der Eindruck entstehen konnte, sie harre für den Fall aus, dass Senator Obama ermordet werde. Hillary, so die hämische Schlussfolgerung ihrer Gegner, erhoffe sich entweder eine explosive Enthüllung über Barack Obama oder gar einen Mord am demokratischen Spitzenreiter.
Obschon sich die Kandidatin nur Stunden später für die unbedachte Wortwahl entschuldigte, war der Schaden angerichtet und das einsetzende Tauwetter zwischen Camp Clinton und Camp Obama neuerlich von Eiseskälte bedroht worden. Immerhin konzedierte Obama, die Bemerkung der Rivalin verdanke sich gewiss einem anstrengenen und langen Wahlkampf, in dessen Verlauf bisweilen jeder «gedankenlose Bemerkungen» mache. Er sei sich sicher, dass es sich hierbei um eine solche gehandelt habe. Trotzdem schürte Hillarys Verweis auf den Mord an Bobby Kennedy gerade bei Afroamerikanern neuerlich Angst vor einem Anschlag auf Obama, der früher als jeder andere Präsidentschaftskandidat der amerikanischen Geschichte wegen nicht näher ausgeführter Bedrohungen Personenschutz erhalten hatte.
Befragt auf die Angst vor einem Attentat auf ihren Gatten hatte Michelle Obama in einem Interview angegeben, sie verliere darüber «keinen Schlaf»: Als Afroamerikaner drohe ihrem Mann die Gefahr, «auf dem Weg zu einer Tankstelle erschossen zu werden». Der «Secret Service», dem die Bewachung der Präsidentschaftskandidaten obliegt, stellte bereits im Mai 2007 Leibwächter für den Schutz Obamas ab, begründete aber nicht, warum der Senator aus Illinois derart frühzeitig von Sicherheitsbeamten begleitet wurde. Erst kürzlich entschuldigte sich der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee, nachdem er beim Kongress der amerikanischen Schusswaffenlobby «National Rifle Association» einen geschmacklosen Witz über einen Mordanschlag auf Barack Obama gerissen hatte.
Gesucht wird still und leise, gesiebt wird unerbittlich: Schon türmen sich in Washington die Gerüchte, wem die beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten die Ehre der Vizepräsidentschaftskandidatur angedeihen lassen werden. Jeder Präsidentschaftsbewerber braucht einen Vize, da die amerikanische Verfassung eben einen Stellvertreter verlangt, den ausser seiner Ehrenrolle als Vorsitzender des Washingtoner Senats freilich kaum Machtfülle auszeichnet.
Der Job sei «keinen Eimer warmer Spucke wert», befand frustriert Franklin Roosevelts Vize John »Cactus Jack» Garner, bereits zuvor hatte sich Gründervater John Adams bitterlich über das Amt beklagt. Dennoch stehen die Aspiranten Schlange, gern möchten sie unter einem Präsidenten McCain oder Obama dienen, um vielleicht später selbst einmal nach dem Präsidentenamt zu greifen. Zumal kein Präsident unsterblich ist: Im Falle des im Amt verstorbenen Franklin Roosevelt und des im Amt ermordeten John F. Kennedy mussten deren Vizepräsidenten Harry Truman und Lyndon Johnson die Amtsgeschäfte übernehmen.
An diesem langen amerikanischen Feiertagswochenende – am Montag wird der amerikanischen Gefallenen gedacht – kommt die Suche nach dem Vize nun richtig in Fahrt. Gleich drei Kandidaten hatte der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain zu einem Barbecue in seinen Heimatstaat Arizona eingeladen, darunter seinen ehemaligen Rivalen Mitt Romney. Auch der Gouverneur Louisianas, Bobby Jindal, sowie Floridas Gouverneur Charlie Crist machen McCain ihre Aufwartung. Beide wären interessante Vizepräsidentschaftskandidaten: Jindal ist indischer Abstammung und dazu jung, der als Gouverneur hochbeliebte Crist könnte McCain das an Wahlmännerstimmen reiche Florida bescheren.
Senator Obama hat unterdessen den Banker James Johnson mit dem Auswahlprozess für einen Vize beauftragt. Johnson suchte 1984 für Walter Mondale und 2004 für John Kerry nach der Nummer zwei und gilt als sehr diskret – um so wichtiger, als Obama die demokratischen Vorwahlen offiziell noch nicht für sich entschieden hat und also Rücksicht auf Hillary Clinton nehmen muss. «Zur Frage des Vizepräsidenten gebe ich keinen Kommentar ab, da ich die Nominierung noch überhaupt nicht gewonnen habe», wehrte der wahrscheinliche demokratische Kandidat ab. Dennoch wird James Johnson umfangreiche Dossiers potentieller Vizepräsidentschaftskandidaten erstellen und Obama zu gegebener Zeit vorlegen.
Keinesfalls darf der Vize mit unangenehmen Überraschungen aufwarten und wie etwa George McGoverns Vizepräsidentschaftskandidat Thomas Eagleton zu einem Wahlkampfthema werden: Erst nachdem McGovern ihn 1972 bestellt hatte, kam heraus, dass Eagleton von psychiatrischen Problemen geplagt wurde. Walter Mondales Vizepräsidentschaftskandidatin Geraldine Ferraro geriet in die Schlagzeilen, weil ihr Gatte ein umtriebiger Baulöwe war, indes dem älteren Bush 1988 vorgehalten wurde, mit dem Grünschnabel Dan Quayle einen unqualifizierten Kandidaten ausgewählt zu haben.
Das demokratische Ding ist ja wohl gelaufen, Herr Obama der voraussichtliche Kandidat. Und schon werden am Horizont die Konturen eines herbstlichen Wahlkampfs sichtbar, bei dem die Partei des weissen Mannes und der weissen Frau, auch als die Republikaner bekannt, ein wenig im Sumpf rühren wird. Nein, nicht Mac McCain, der dafür zu anständig ist, und auch nicht Jorge Arbusto, zu dessen wenigen guten Seiten zählt, dass er seiner blassen Partei etwas Farbe beibringen wollte (Latinos) und generell kein Rassist ist.
Fürs Grobe gibt es allerlei Gruppen und Grüppchen im republikanischen Orbit, die mit Kodewörtern Herrn Obamas..ähhh…Stammbaum beleuchten werden. «Ich möchte jemanden als Präsidenten, der ein vollblütiger Amerikaner ist», zitierte die «Financial Times» einen Wähler namens Josh Fry aus dem Appalachen-Paradies West Virginia. Hmm…ein vollblütiger Amerikaner? Ein äusserst delikates Subjekt! Denn was und wer ist ein «vollblütiger Amerikaner»? Darf er einen kenianischen Vater haben? Darf er in Hawaii aufgewachsen sein? Und in Indonesien gelebt haben? Hören «vollblütige» Amerikaner auf den Mittelnamen «Hussein»? Nein?
In der «Washington Post» verteidigte die Kolumnistin Kathleen Parker die Ansichten von Josh Fry. Es gehe hierbei um das kulturelle Erbe. Und um »blood equity»….ein beschwerliches Wort. Bluterbe? «Wir lieben es, damit anzugeben, dass wir eine Nation von Immigranten sind», schreibt Parker. «Aber es gibt ein anderes Amerika jener, deren Stammbäume über Generationen reichen, die alle Opfer gebracht haben». Die Ahnen dieser – ich nehme mal an, «vollblütigen» Amerikaner - «kämpften und starben für Amerika», nun aber werde ihr «Erbe» durch Multikulti untergepflügt, schreibt Parker weiter. Multikulti wie Herr Obama?
Jede Wette, dass dieses Geschütz gegen den voraussichtlichen demokratischen Kandidaten in Stellung gebracht wird. Immerhin ist die Partei des weissen Mannes und der weissen Frau derart weiss, dass sie nicht von einem einzigen Afroamerikaner im Kongress vertreten wird. Dafür hat sie Jesus! «John McCain ist eine Art von Jesus am Kreuz», enthusiasmierte sich die Vorsitzende der Republikanischen Partei in Georgia, Sue Everhart, kürzlich über ihren Kandidaten. Wie Jesus habe McCain Gott niemals verurteilt, obschon er in Vietnam gefoltert worden sei.
Der republikanische Kongresskandidat Sam Graves aus Missouri strahlt unterdessen gegen seine demokratische Herausforderin Kay Barnes den unten angeführten TV-Spot aus. Barnes vertrete «die Werte San Franciscos», heisst es darin. Und in San Francisco tanzen…man stelle sich das vor!…unter anderem Neger mit weissen Frauen! Meiner Seel!
Nur fünf demokratische Vorwahlen und Parteiversammlungen stehen noch aus, drei nach dem Ende des morgigen Tages, wenn die Demokraten in Kentucky und in Oregon zur Urne gegangen sind, um sich für Hillary oder Obama zu erklären. Umfragen zu Folge liegt sie weit vor ihm in Kentucky, er hingegen führt knapp in Oregon. Gewinnt er dort, wird er vorsichtig in den Hauptwahlkampf gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain waten, stets darauf bedacht, die Sensibilitäten Hillary Clintons und ihrer Anhänger nicht zu verletzen.
Er mag nach dem morgigen Tag, so er tatsächlich in Oregon gewinnt, eine nicht mehr einholbare Mehrheit der demokratischen Parteitagsdelegierten hinter sich haben, der Wahlkampf indes geht weiter und wird erst Anfang Juni offiziell enden, wenn in Puerto Rico sowie in South Dakota und Montana abgestimmt wurde. Obama bewegt sich deshalb auf einem schmalen Grat, da er einerseits nach vorne auf die wahrscheinliche Auseinandersetzung mit McCain blickt, andererseits aber die Rivalin mit Respekt behandeln muss. Denn noch ist nichts formal oder offiziell an seinem erwarteten Sieg; lediglich ein Wust von Zahlen legt nahe, dass er ihr enteilt und nicht mehr einholbar ist.
Falls Obama in Kentucky wie zuvor in West Virginia einmal mehr haushoch verliert, würden neuerlich seine Probleme beleuchtet in den Bergregionen der Appalachen, wo ihm weisse und zumeist ärmere Wählerschichten die schlimmsten Niederlagen des gesamten demokratischen Vorwahlkampfes zugefügt haben. Nochmals wird sie dann seine Schwächen bei diesen Segmenten der amerikanischen Wählerschaft gegen ihn ins Feld führen, derweil er den heutigen Wahlabend symbolträchtig im Mittweststaat Iowa verbringen wird, wo er Anfang Januar sensationell gewann und erstmals seine Anwartschaft auf die Nominierung der Partei unterstrich.
Am Sonntag sprach er vor 75000 Menschen in Oregon – der grössten Veranstaltung des gesamten Vorwahlkampfs – und pries dabei Hillary. Sie sei, sagte er, eine «formidable Kandidatin gewesen – smart und zäh und entschlossen». Die Betonung mag auf dem Wort «gewesen» liegen, gleichwohl aber wird sich Obama entgegen den Andeutungen einiger seiner Berater nach dem Ende des heutigen Wahltags nicht zum Sieger des demokratischen Auswahlprozesses erklären, verärgerte es doch die Konkurrentin und beleidigte womöglich jene Demokraten in den zwei verbleibenden Staaten sowie in Puerto Rico, die noch nicht gewählt haben.
Hinter den Kulissen wird unterdessen behende daran gewerkelt, die beiden verfeindeten Lager zusammenzubringen und beim Parteitag Ende August in Denver das Bild einer glücklichen politischen Familie zu zeichnen. Bei einem Dinner vergangene Woche in Washington zu Ehren von Bill Clintons ehemaligem Finanzminister Robert Rubin sassen Schwergewichte aus Hillarys wie aus Obamas Team zusammen und palaverten, wie sich die Lage entspannen liesse. Unter anderem wurde debattiert, ob und wie Hillarys Geldgeber in den Obama-Wahlkampf eingebaut werden könnten. Obendrein wächst der Druck auf den Senator aus Illinois, als Vizepräsidentschaftskandidaten einen Anhänger Hillarys auszuwählen - etwa Ohios Gouverneur Ted Strickland oder Indianas Gouverneur Evan Bayh. Als Stellvertreter Hillarys sozusagen.
Oookay…..Jorge Arbusto gab des Krieges im Irak wegen das Golfspielen auf! Und während ich dem wunderbaren Jamaikaner Joe Higgs lausche, schwelgt Hillary gewiss in ihrem überwältigenden Sieg im Appalachen-Staat West Virginia, wo sie Barry Obama regelrecht überfahren hat, ohne dass dieser Hammer von einem Sieg (67:26) sie indes der Nominierung näher gebracht hätte.
Trotzdem: Die weissen Arbeiter und Bauern und Rednecks im armen West Virginia konnten nichts mit einem anfangen, der nicht einmal zu kegeln weiss. Zumal die Umfragen unter demokratischen Vorwählern am Wahltag anzeigten, dass sich ein sattes Fünftel (!!!!!) Obama schon deshalb versagte, weil er eine braune Haut hat. No Negro For Me….Und nun tönt Hillary erneut, ihr Rivale habe im Herbst keine Chance gegen Mac McCain, da ihn die weissen Unterschichten ablehnten. In der Tat ist sich der Obama-Stab bewusst, dass ihr Mann vor allem bei Eierköpfen (zwei Doktorate etc.), jungen Hipsters und betuchten Camembert-Demokraten ankommt, bei der Plebs – oder auch «Hefe des Volkes» - hingegen abschmiert.
Die Prolos verargen ihm angeblich, dass er keine amerikanische Flagge am Jackett trägt, dass er nicht jeden Tag den lieben Gott in den Wahlkampf zieht und ausserdem kein Knarren-Freak ist, der lustvoll auf Beutelratten anlegt, um diese sodann zu rösten. Nun hat Obama die Gefahr erkannt: Heute trat er in einem Arbeiterdistrikt in Macomb County im Staat Michigan mit Flagge am Revers auf, auch wirft er insgesamt mehr mit Gott und Vaterland um sich. Informierten Quellen in Washington zu Folge besucht der elitäre Senator derzeit insgeheim eine Kegelschule, damit er nicht mehr so dämlich aussieht beim Bowling wie vor der Wahl in Pennsylvania.
Ausserdem lernt er Bier zu trinken – aus der Flasche! Und kein Edelbier («Premium») zischt der Mann fortan, sondern Budweiser. Espressos sind out, geröstete Schweinehaut ist in. Auch wird eine Änderung des Vornamens erwogen: Bubba statt Barack. Mithin: Bubba Obama!
Derweil Obama zum Helden der Arbeit mutiert, weinen die republikanischen Bonzen in Washington in den Potomac hinein: Schon wieder ein sicherer Repräsentantenhaus-Sitz bei einer Nachwahl flöten gegangen, diesmal im 1.Kongressdistrikt in Mississippi, den Jorge Arbusto 2004 mit 62 Prozent gewonnen hatte. Am Dienstag siegte der Demokrat Travis Childers – Vorschau auf eine Mega-Niederlage im Herbst? Womöglich müssten die im Kongress verbliebenen Republikaner ab November unter Naturschutz gestellt werden. Wow! Welch eine Vorstellung!
Anbei ein Video, das den Kontrast zwischen der volkstümlich schnäpselnden Hillary und dem elitären Basketballer Barack Obama schlagend nachweist.....
Natürlich beobachtet die Welt in diesen Tagen, da die demokratischen Vorwahlen einer Entscheidung zustreben und Barack Obama nach der Präsidentschaftskandidatur greift, vornehmlich das Finale der langen und bisweilen erbitterten Auseinandersetzung zwischen dem afroamerikanischen Senator und seiner Rivalin Hillary Clinton. Fast vergessen wird darüber, dass im November nicht nur ein amerikanischer Präsident gewählt wird, sondern auch ein neuer Kongress: Das gesamte Repräsentantenhaus sowie ein Drittel der einhundert Senatoren stehen zur Wahl an.
Seit ihrem Erfolg bei den Zwischenwahlen 2006 regieren die Demokraten in beiden Kammern mit knappen Mehrheiten, die kommende Entscheidung aber könnte ihnen weitere und beträchtliche Zugewinne bescheren – weshalb die Kongresswahlen geradeso zu einem Indikator des amerikanischen Zeitgeistes geraten dürften wie die Präsidentschaftswahl. Nicht von ungefähr schlottern die republikanischen Bonzen in Washington, wenn sie an den herbstlichen Urnengang denken. Könnte der Populus ihnen und ihrer Partei doch einen Denkzettel verpassen für den unpopulären und kostspieligen Krieg im Irak. Oder für die hohen Benzinpreise. Oder die Krise des Immobiliensektors und die schwächelnden Wirtschaft. Oder für die Präsidentschaft Jorge Arbustos, der nahezu im Monatstakt neue Unbeliebtheitsrekorde aufstellt.
Vor allem aber könnte sich die amerikanische Wählerschaft für eine ideologische Neuorientierung entscheiden, weil sie zur Auffassung gelangt ist, der seit Ronald Reagan vorherrschende Konservatismus sei inzwischen ähnlich abgelutscht wie ein alter Lollipop. Dafür spricht, dass breite Mehrheiten – in einer brandneuen Umfrage der «Washington Post» sind es 82 Prozent – beklagen, die Vereinigten Staaten befänden sich «auf dem falschen Weg». Indizien für eine politische Wende bieten unter anderem zwei Nachwahlen für das Repräsentantenhaus, bei denen die Republikaner sichere Sitze verloren: Demokraten gewannen tradionell republikanische Kongressbezirke in Illinois wie in Louisiana.
Heute lief die Partei Gefahr, bei einer Nachwahl im Staat Mississippi neuerlich unter die Räder zu kommen. Und zwar in einem Kongressbezirk, den George W. Bush 2004 mit 62 Prozent gewonnen hatte. So alarmiert war die Parteispitze in Washington, dass Vizepräsident Cheney am Montag nach Mississippi düste, um dem republikanischen Kandidaten dringend benötigten Auftrieb zu verschaffen. Dabei scheint die Strategie der Partei, Barack Obamas Verbindung zu seinem umstrittenen Pastor Jeremiah Wright als Trumpf auszuspielen, nicht im mindesten zu verfangen: Bei der Nachwahl in Louisiana warf man den demokratischen Kandidaten in einen Topf mit Obama und Wright – und verlor dennoch sensationell.
Was Wunder also, dass John Boehner, der republikanische Minderheitsführer im Repräsententanhaus, vergangene Woche einräumte, man werde «nicht einfach gewinnen, indem wir unsere Rivalen mit Barack Obama verknüpfen». Man starrt auf die Präsidentschaftswahl, doch sind es womöglich die Kongresswahlen, die uns das wahre Ausmass amerikanischer Desillusionierung mit dem republikanischen Konservatismus anzeigen werden.
Seufz….die Ferien sind zu Ende, der Amerikanist ist heimgekehrt ins gelobte Land, um die Leser neuerlich zu nerven. Zunächst einmal gilt es festzuhalten, wie putzig Europa ist, wie klein die Autos und die Häuser und die Portionen sind. Und wie teuer die Viktualien! Duo von verwelktem Spinat und Mangold an Sosse Soundso umgerechnet 30 Dollar. Bockwurst 10 Dollar. Der Dollar ist wirklich eine Schrottwährung geworden. Wenn Jefferson das sehen könnte! In Tränen bräche er aus, nicht wahr!
Zuhause gleich wieder mächtig Ungemach: Die Musik-Downloader von Rhapsody informierten mich, dass alle CDs, die ich vom Musik-Downloader Urge erstanden habe, wertlos seien, da Rhapsody dafür keine Lizenzen besässe. Ganz plötzlich! Man muss sich das mal vorstellen: Die Leute kaufen Musik von Urge (Microsoft/MTV), bis Urge von Rhapsody übernommen wird, worauf man eben zu Rhapsody übergeht in der Annahme, alles sei in Butter – und dann die furchtbare Entdeckung, dass Kocani Orkestar, Mastodon, Caetano Veloso, diverse Stereolab, Judas Priest etc im Cyberspace verschollen sind. Als Entschädigung erhielt ich 300 Dollar Kredit, um das ganze Zeug bei Rhapsody neuerlich zu kaufen. Und das soll das 21. Jahrhundert sein?
Aber meine Probleme sind, wie sich nach der Rückkehr herausstellte, minimal im Vergleich zu Hillarys Problemen. Ihre Kandidatur, so scheint es, ist am Ende. Wenigstens sehen es die amerikanischen Medien so. Falls nicht eine Bombe aus Obamas Chicago-Zeiten explodiere (zwei Nebenfrauen, Schmiergelder unterm Tisch, Mordversuch an einem Dreijährigen und dergleichen), sei die Senatorin am Ende, er der Kandidat der Demokraten. Dazu mehr morgen. Denn nach zwei Wochen Pause muss man sich erst wieder behutsam einschreiben…..oder?