25.4.2008

Mal ausspannen....oder?

Von Martin Kilian um 16:33 [ Washington, DC ]
Nach dem Hin und Her der Demokraten in den vergangenen Monaten trollt sich der Amerikanist für einige Tage Ferien, um seine schwachen Batterien aufzuladen und seinen schwer lädierten Synapsen eine dringend notwendige Erholung zu gönnen. Angesagt sind ein paar vorwahlfreie Tage in den Alpen, die ich indes nicht bewandern, sondern nur betrachten werde. Man muss sich ja nicht alles antun…

Zur Erbauung bis zur nächsten Keilerei zwischen Hillary und Obama hier eines der wunderschönen Gedichte meines Freundes Ryan Fox, eines talentierten Lyrikers aus Charlottesville, Virginia…thanks, Ryan!

AFTER THE PARTY

There were so many shoes on the wire
We had to cut it down.

There was not enough bourbon in Lynchburg
To clean the wounds.

I did love you:
God knows the trashman knows,

who has taken our bottles,
pictures, trinkets,

in the maw of his loud blue truck
to the terrible landfill

where white birds swarm,
astonished.




24.4.2008

Im Lichte ewigen Sonnenscheins....

Von Martin Kilian um 16:45 [ Washington, DC ]
Der Mann lebt in einer veritablen Idylle. Während sich seine zwei Kontrahenten abwatschen, um herauszufinden, wem von ihnen die Ehre widerfährt, gegen ihn bestehen zu dürfen, wandelt John McCain auf dem Pfad des Friedens und der Erbauung. Aus der Ferne mag er den demokratischen Schlachtenlärm vernehmen, und gewiss entnimmt er den Medien, wie bandagiert Barack Obama und Hillary Clinton inzwischen über die Prärien hinken, er aber freut sich seines Lebens als republikanischer Präsidentschaftskandidat, der wohlgemut in den Wahlherbst blicken kann.

Der schlechten Nachrichten sind nicht viele in seiner heilen Welt: Kaum wird ihn bekümmern, dass Jorge Arbustos Tochter Jenna dem TV-Talker Larry King gestand, sie wisse nicht, ob der republikanische Kandidat im Herbst der ihre sei. Sie wolle sich die beiden Demokraten zumindest einmal näher anschauen, gab das Präsidententöchterlein zu Protokoll. Inmitten ewigen Sonnenscheins wird McCain es ebenso mit Fassung tragen wie eine lange Story in der «Washington Post», die sich mit seiner kurzen Lunte und seinen legendären Wutausbrüchen beschäftigte. Dass darin ein ehemaliger republikanischer Senator mit den Worten zitiert wird, McCains Temperament bedeute ein Risiko für den Weltfrieden und disqualifiziere ihn für das höchste Amt im Staat, dürfte ihm nicht wirklich schaden, solange die beiden Demokraten der Kandidatur des jeweils anderen mit der Abrissbirne beizukommen versuchen.

Nein, John McCain ist ein glücklicher Mensch in diesen Wochen, da die Tulpen blühen un die Vögel singen. In trauter und ungestörter Heimarbeit bastelt er an seiner Wahlkampfstrategie für den Herbst und werkelt still an einer politischen Maschinerie, die ihn ins Weisse Haus befördern soll. Und derweil seine demokratischen Widersacher auf der endlosen Suche nach Stimmen ins amerikanische Hinterland verschlagen werden und bis zum Umfallen müde stets die gleiche Rede halten, düste er nach Europa und gab sich staatsmännisch.

Zeigt er sich hingegen in der Provinz, so nur zum Zweck thematischer und mythisch überhöhter Showeinlagen: Im März klapperte er die Stationen seines amerikanischen Lebens ab und verneigte sich dabei vor allem, was ihn geprägt hat. Und diese Woche tingelte McCain durch die armen Appalachen und kürte sich zum Fürsprecher derer, denen der amerikanische Traum versagt geblieben ist. Vierundvierzig Jahre nach Lyndon Johnsons «Krieg gegen die Armut» sprach der Senator in den Tälern Kentuckys vor und versicherte den Einheimischen, er werde sie nicht vergessen.


Ansonsten arbeitet er sich durch eine Liste voller Namen, damit ihm bald ein Vizepräsidentschaftskandidat zur Seite stehe. Sorgen? Wenn überhaupt, dann höchstens eine: Wie soll er sich gebührend vom unpopulären Jorge Arbusto distanzieren, ohne dessen letztes Fähnlein der Getreuen zu brüskieren? Immerhin macht der Amtsinhaber in seiner und McCains Partei noch mmer etwas her, weshalb politischer Abstand zu ihm genauestens kalibriert werden muss. Barack Obama und Hillary Clinton, darauf darf gewettet werden, hätten solche Sorgen liebend gerne.


23.4.2008

Bis zum bitteren Ende....?

Von Martin Kilian um 17:16 [ Washington, DC ]
Die demokratische Agonie will nicht enden. Nach beinahe anderthalb Jahren Vorwahlkampf hat die Partei Franklin Roosevelts noch immer keinen Präsidentschaftskandidaten für die Novemberwahl vozuweisen, im Gegenteil: Der überzeugende Sieg Hillary Clintons am Dienstag im Staat Pennsylvania wird die zusehends bittere Auseinandersetzung mit ihren Rivalen Barack Obama nun bis in den Mai und vielleicht bis zum Parteitag Ende August in Denver im Staat Colorado katapultieren – ein Alptraum für eine Partei, die sich angesichts der politischen Grosswetterlage bereits einen überzeugenden Sieg beim Kampf um die Nachfolge George W. Bushs ausgerechnet hatte.

Nun treibt der gestrige Erfolg der Senatorin aus New York das Rennen weiter und zementiert bis auf weiteres doch nur den Status quo ante. Denn so beeindruckend ihr Abschneiden in Pennsylvania auch sein mag, so reicht ihre Siegesspanne von zehn Prozentpunkten nicht aus, um das Blatt wirklich zu wenden. Clintons Erfolg lässt zwar jene verstummen, die aus Angst vor längerfristigen politischen Schäden ein Ende ihrer Kandidatur verlangten; andererseits aber bleibt Senator Barack Obama der Favorit für die demokratische Nominierung.

Seiner Rivalin verhalf in Pennsylvania einmal mehr eine Koalition von älteren Wählern, Frauen und Niedrigverdienenden zum Erfolg; sowohl katholische Wähler als auch Anhänger des Rechts auf Schusswaffenbesitz votierten mehrheitlich für die frühere First Lady. Ihr Konkurrent hingegen stützte sich wie bereits in anderen Vorwahlstaaten auf Jüngere, besser Verdienende sowie auf Afroamerikaner. «Einige haben mich bereits ausgezählt und aufgefordert, aus dem Rennen auszuscheiden, aber das amerikanische Volk gibt nicht auf, und es verdient einen Präsidenten, der ebenfalls nicht aufgibt», kommentierte die Senatorin ihren Erfolg am Dienstagabend in Pennsylvanias grösster Stadt Philadelphia.

Mag sein, aber die Hindernisse auf dem Weg zur demokratischen Nominierung bleiben formidabel für Hillary Clinton: Ihre Geldquellen drohen auszutrocknen – Senator Obama nahm im März 42 Millionen Dollar Spendengelder ein, sie hingegen nur 21 Millionen – und ihr Rückstand auf Obama bei der Zahl der Delegierten wie bei der Gesamtwählerzahl ist nahezu uneinholbar. Deshalb hofft der Stab der Senatorin auf eine politische Implosion ihres Rivalen: Unterlaufen diesem schwere Fehler oder werden neuerlich skandalöse oder zweifelhafte Begebenheiten aus seinem politischen Leben bekannt, könnten die noch unentschlossenen Super-Delegierten trotz Obamas Vorsprung auf Hillary setzen, um die Siegeschancen der Partei im November zu wahren.

In der Tat muss es die demokratischen Bonzen bedenklich stimmen, dass Obama wie bereits zuvor in Ohio auch in Pennsylvania nicht im Stande war, Kerngruppen der demokratischen Wählerkoalition an sich zu binden. Überdies ergaben Erhebungen in Pennsylvania, dass jeder siebte Wähler nicht für Obama stimmen wird, weil dieser schwarz ist. Sichtlich erschöpft appellierte der Senator aus Illinois in der Wahlnacht in Evansville im Staat Indiana an die Wähler, die Politik von Negativität und Spaltung zu überwinden. «Wir können dieses Land auch weiterhin auseinanderdividieren», sagte Obama vor seinen Anhängern. Die Alternative hierzu sei eine Politik, die Gräben überwinde, so der Senator weiter.

Tatsächlich aber war auch Obama in den letzten Tagen vor der Enscheidung in Pennsylvania zunehmend härter im Ton geworden – eine Gefahr für einen Kandidaten, der die Niederungen des Wahlkampfs vermeiden möchte. Obamas Stab argumentiert, angesichts der Taktiken seiner Rivalin sei ihm keine andere Wahl geblieben. So rüffelte etwa die «New York Times» Hillary Clinton in einem Leitartikel gestern als «Hauptverantwortliche» für den zusehends aggressiven Ton der demokratischen Auseinandersetzung. Dieser, so die Zeitung, schade «ihr, ihrem Widersacher, ihrer Partei und der Wahl 2008».

Jetzt wird der erschöpfte Tross der beiden Kandidaten weiterziehen nach Indiana und North Carolina, wo in zwei Wochen abgestimmt wird und das politische Patt fortbestehen könnte, so Obama in North Carolina und Clinton in Indiana siegt. Sollte der Senator aus Illinois beide Staaten für sich entscheiden, dürften neuerlich Rufe nach einem Ende der Kandidatur Clintons laut werden. Ein enger Vertrauter der Senatorin aber weist derlei Ansinnen weit von sich; Hillary Clinton werde bis zum Parteitag in Denver im Rennen verbleiben, behauptet er.


22.4.2008

Ein Clinton-Hasser wird zum Fan.....

Von Martin Kilian um 16:50 [ Washington, DC ]
Da stand es, schwarz auf weiss, zu lesen: «Hillary Clinton ist eine kluge Wahl für die Demokraten Pennsylvanias», erklärte sich am Sonntag die zweitgrösste Zeitung der Metropole Pittsburgh im Staat Pennsylvania für die Präsidentschaftskandidatin aus New York. Dass die «Pittsburgh Tribune-Review» zwei Tage vor dem heutigen demokratischen Urnengang eine Wahlempfehlung zu Gunsten Hillarys ausgesprochen hatte, schlug allerorten wie eine Bombe ein. Die «Tribune-Review» für Hillary? Es verhielt sich damit so, als ob die «WoZ» plötzlich ihre Liebe zu Christoph Blocher entdeckt hätte.

Denn hinter der «Tribune-Review» steckt als Herausgeber und Verleger der Milliardär Richard Mellon Scaife, 75, ein Angehöriger des illustren Mellon-Klans, dessen Gründer Andrew Mellon mit Banken, Stahl und Öl Geld wie Heu verdient hatte. Sein Nachfahre gilt als der Pate der amerikanischen Rechten, die er seit Jahrzehnten grosszügigst alimentiert: Über eine Milliarde Dollar steckte Richard Mellon Scaife in den Ausbau eines Netzwerks konservativer Stiftungen und Verbände. Und nebenbei machte er sich einen Namen als Nemesis der Clintons. «Wir werden Bill Clinton fertig machen», erklärte er 1994 vor Vertrauten bei einem Lunch auf der Nobel-Insel Nantucket vor der Küste von Massachusetts.

Fortan butterte Scaife kräftig Geld zu, wenn immer die amerikanische Rechte auf die Clintons losging. So liess er etwa der konservativen Postille «American Spectator» kühle 2.3 Millionen Dollar zukommen, damit deren journalistische Schmierfinken die Vergangenheit des Paars in Bills Heimatstaat Arkansas durchleuchten konnten. Das sogenannte «Arkansas-Projekt» schlug sich in skandalösen Storys über Mr.Bills sexuelle Abenteuer nieder, führte geradewegs zur Anklageerhebung gegen den demokratischen Präsidenten und leuchtete jeden Winkel der Clintonschen Existenz aus. Es habe sich dabei um eine «breite rechte Verschwörung» gehandelt, klagte Hillary Clinton.

Scaifes Halali auf das Erste Paar machte jedenfalls vor nichts Halt: Sein Mitarbeiter Christopher Ruddy verstieg sich in der «Tribune-Review» sogar dazu, die Clintons des Mordes an Bills stellvertretendem Rechtsbeistand Vince Foster zu bezichtigen, nachdem der enge Freund Hillarys 1993 Selbstmord begangen hatte. Der Impresario dieser Hatz hatte zeitlebens am Alkoholismus gelitten, die berühmte Yale University ihn gar hinausgeworfen wegen seiner Trunksucht. Insgesamt führte er ein unordentliches Leben, dessen einziger Anker sein Mäzenatentum für alles Konservative war.

Irgendwann nach dem Ende der Clinton-Präsidentschaft aber schien der alte Hass den alten Herrn verlassen zu haben. Und am 24. März ereignete sich in den Redaktionsräumen seiner Zeitung ein historisches Beisammensein, stand die Kandidatin Clinton doch Rede und Antwort. Ihm zur Rechten und von seiner Redaktion umgeben erklärte Hillary, wie spassig es sei, bei ihrem und Mr. Bills Erzfeind aufzutreten. Scaife vergalt ihr solchen Mut mit einem selbst verfassten Leitartikel, dessen Überschrift Bände sprach: «Hillary, neu bewertet». Und so überzeugt hatte Scaife ihr Besuch in der Höhle des Löwen, dass seine Zeitung am Sonntag zu Hillarys Wahl aufrief. «Eindrucksvoll» sei sie und verdiene deshalb, die demokratische Kandidatin zu werden, schrieb die «Tribune-Review». Womit sich der oberste Clinton-Hasser in einen Clinton-Bewunderer verwandelt hatte - fast wie in einem Märchen.




21.4.2008

Kandidatin mit Wundertüte!…

Von Martin Kilian um 17:34 [ Washington, DC ]
Rund 16 Monate sind es her seit dem Beginn des Präsidentschaftswahlkampfs der Demokraten. 16 Monate! Und wenn heute nach einer sechswöchigen Pause neuerlich eine demokratische Vorwahl ansteht, diesmal im Staat Pennsylvania, befinden sich von den ursprünglich acht demokratischen Bewerbern nur noch zwei im Rennen. Beide sind sie inzwischen schwer lädiert und voller Blessuren. Obama musste die Kontroverse um seinen Pastor durchstehen. Danach fiel man über ihn her, weil er schwafelte, das Proletariat in Pennsylvanias Kleinstädten sei der wirtschaftlichen Probleme wegen bitter und klammere sich an Knarren und Gott. Und bei der Debatte mit Hillary am vergangenen Mittwoch fiel nicht nur sie über ihn her, auch die beiden Moderatoren massakrierten ihn.

Solcherart gepiesackt wankte er auf den heutigen Wahltag zu, sein Ton wurde schärfer, offenbar hatte er es über. «Wenn du genügend gehauen wirst, haust du irgendwann zurück», sagte er am Sonntag – nicht unbedingt gut für einen, der doch über dem politischen Morast schweben will. Nicht dass die Dinge für sie besser stünden: Glaubt man nicht einer, sondern allen Umfragen, ist sie inzwischen bedenklich unbeliebt. Auf ihren Wahlkampfveranstaltungen in Pennsylvania witzelte sie darüber. Was ihre freiwilligen Helfer den Wählern sagen sollten, wurde sie anderntags gefragt. «Sie ist nicht so schlimm, wie Sie glauben», schlug sie als Antwort vor. Mag sein, die «Financial Times» aber zeigte sich davon unbeeindruckt: Die Zeitung erklärte sich für Obama.

Dass der Ton der Beiden in den Wochen vor der heutigen Wahl rauher wurde, löste unter den demokratischen Bonzen in Washington einmal mehr Angstzustände aus: Die machen sich gegenseitig fertig, Senator McCain, der republikanische Kandidat, ist der lachende Dritte. Dabei liegt Obama nahezu uneinholbar vorne. Und nicht nur bei den Delegierten, sondern auch bei der Zahl der Wählerstimmen. Sie müsste in Pennsylvania und bei den verbleibenden acht Vorwahlen mit riesigen Vorsprüngen gewinnen. Jedes Mal so um die 20 Prozent. Falls er nicht implodiert – etwa sturzbesoffen mit einer Nutte im Auto von der Polizei angehalten wird – , hat sie nur dann eine Chance, wenn es ihr gelingt, ihn derart niederzumachen, dass seine Wählbarkeit in Zweifel gezogen wird. Auf welcher Seite man auch stehen mag: So sieht die Wahrheit aus.

Zumal er das Geld und sie womöglich Schulden hat. 51 Millionen Dollar Spenden nahm er im März ein. Aber wie schon in Ohio hat er auch in Pennsylvania Schwierigkeiten mit Arbeitern. Mit Alten. Mit den weniger gut Ausgebildeten. Ihm gehören die Jungen. Die Städter. Die gut Ausgebildeten. Ihm gehört die Zukunft, ihr die Vergangenheit: Auch das ist eine Wahrheit. 200000 demokratische Neuwähler sind in Pennsylvania seit Januar registriert worden – eine erstaunliche Zahl. Die meisten der Neuen hat er, nicht sie, in die Partei gebracht. Und dieser Neuwähler wegen könnte Hillarys erwarteter Sieg in Pennsylvania bescheidener ausfallen. Gewinnt sie heute mit weniger als zehn Punkten, wird ihr Sieg ein Gähnen auslösen: Zu wenig, um bei der Delegiertenzahl aufzuholen.

Was bleibt ihr also neben der Hoffnung, dass er weitere Fehler begeht oder etwas aus seinem Leben ruchbar wird, was ihn als Kandidaten erledigt? Dass er unwählbarer sei als sie, ist Wunschdenken: Bei allen Umfragen schneidet er gegenüber John McCain ähnlich gut oder sogar besser ab als sie. Dennoch kämpft sie weiter, eine Kandidatin mit einer Wundertüte, worin sie einen Sieg zu finden hofft.


19.4.2008

Mächtig heiss wird’s in der Küche…

Von Martin Kilian um 21:09 [ Washington, DC ]
Das Telefon klingelte um die Mittagszeit. Ob ich ich sei, fragte die wohlbekannte Stimme. Ich bejahte und begrüsste El Presidente Jorge Arbusto, der sich mal wieder bei seinem Lieblingsblogger melden wollte. Er sei ungeheuer froh, dass er seine politische Karriere demnächst beenden werde, eröffnete Arbusto die Unterhaltung. Undenkbar, was passiert wäre, wenn die Demokraten 2004 statt dieses Langweilers John Kerry diese Hillary gegen ihn, Arbusto, aufgestellt hätten. Ich wollte eine Bemerkung in seinem Redeschwall zwischenlagern, Arbusto aber war in seinem Element. Tuff sei die, nicht wahr, wie sie den Whiskey bei dieser Wahlveranstaltung im Staat Indiana hinuntergekippt habe, ex und hopp, reiner Wahnsinn, und diesen Obama habe sie doch regelrecht überfahren bei dieser Debatte am Mittwoch, jawohl, zerlegt habe sie ihn.

Glück, reinstes Glück, habe er gehabt, dass diese Frau nicht 2004 gegen ihn, Arbusto, angetreten sei, wäre doch schon die Sache mit dem Whiskey brandgefährlich für ihn gewesen: Sie hätte einen gekippt vor laufenden Kameras, er als Antwort auf diese Herausforderung natürlich auch einen, obschon er nicht mehr trinken dürfe, jawohl, und schwupp - schon wäre er wieder voll drauf gewesen, und nur, um mit Hillary mitzuhalten. Zumal sie ja am Freitag mordsmässig hergefallen sei über diesen Obama. Arbusto zitierte Hillary: «Gestern hat er sich den ganzen Tag über die harten Fragen beklagt, die er gefragt wurde, aber harte Fragen in einer Debatte sind nichts im Vergleich zu dem Druck, der dich im Weissen Haus erwartet», lästere sie über diesen armen Obama, sagte Arbusto.

Er holte Atem, was mir Gelegenheit gab, etwas einzuschieben. Gewiss könne er sich glücklich schätzen, Hillary 2004 entgangen zu sein. Sie wisse auszuteilen, sagte ich. Und wenn sie nicht austeile, weine sie, fiel er mir ins Wort. Wie etwa am Vorabend der Vorwahl in New Hampshire. Da seien ihr Tränen in die Augen getreten. Vielleicht habe sie geweint, mutmasste Arbusto nun, weil kein Whiskey zur Stelle gewesen sei, den sie habe kippen können. Eine rätselhafte Person, fuhr er fort, und gottseidank habe er sich mit ihr nicht prügeln müssen 2004. Wieder zitierte er Hillary: «Ich halte es mit Harry Truman: Wenn du die Hitze nicht aushalten kannst, verlasse die Küche. Und was mich angeht, so fühle ich mich sehr wohl in der Küche». Das habe sie am Freitag gesagt. Doch was meine sie damit, fragte Jorge Arbusto verwundert. Koche sie denn mit diesem Obama? Ein Wettkochen? Und Harry Truman führe Aufsicht? Und wer das schmackhaftere Gericht zubereite, erhalte die demokratische Nominierung? Und Obama sei es zu heiss in dieser Küche? Trinke sie beim Kochen ebenfalls Whiskey?

Arbustos Fragen kollerten jetzt immer schneller aus dem Hörer. Bekochte Obama Hillary? Oder sie ihn? Und hatte dieser Obama die Küche verlassen? Hatte er dabei geweint? Verwirrt beschloss ich, das Telefonat abzubrechen und bei Brillat-Savarin nachzulesen, wie es mit einem Koch stehe, der die Küche verlässt, weil ihm zu heiss ist. Ich empfahl Arbusto, Harry Truman zu fragen, was es mit dieser Bemerkung Hillarys auf sich habe. Er versprach, den ehemaligen Präsidenten sofort anzurufen. Danach verabschiedeten wir uns formlos.

Hillary kippt einen.....


17.4.2008

Knallhart in Philly!....

Von Martin Kilian um 17:16 [ Washington, DC ]
War es nun die 21. Debatte demokratischer Präsidentschaftskandidaten? Oder war es die 22.? Wie oft auch immer: Nicht nur der verbissene Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei ermüdet inzwischen, sondern die Kandidaten selber wirken erledigt. Vor allem Barack Obama fiel beim womöglich letzten Schlagabtausch der beiden Rivalen am Mittwochabend in Philadelphia im Staat Pennsylvania regelrecht in sich zusammen. In fünf Tagen wird in Pennsylvania abgestimmt, weshalb die Debatte den demokratischen Wählern eine Orientierunghilfe hätte verschaffen sollen.

Was die politische Substanz angeht, so ist sie bei früheren Debatten bereits umfassend beackert worden: Der Irak, Steuererhöhungen, die Kapitalertragssteuer, die Reform des Gesundheitswesens, der Iran, die Frage, ob die eine den anderen oder der andere die eine als Vizepräsidentschaftskandidaten akzeptieren würde. Die Show der beiden Kontrahenten hat sich erschöpft, vor allem Barack Obama verwelkte sichtlich auf der Bühne in Philadelphia.

Kein Wunder, wurde der Senator doch von den beiden Moderatoren Charles Gibson und George Stephanopoulos vom Fernsehsender ABC, der die Debatte ausrichtete, fast fünfzig Minuten in die Defensive gedrängt. Wobei nahezu alles, was Obama in den vergangenen Wochen missriet, noch einmal ausgebaggert wurde: Sein Kommentar über die Verbitterung der Kleinstädter in Pennsylvania, die Kontroverse um seinen Pastor Jeremiah Wright, die Frage, warum er keine amerikanische Flagge an seinem Jackettaufschlag trägt, sowie seine Beziehung zu einem ehemaligen Bombenleger der radikalen amerikanischen Weathermen-Truppe.

Als diese in den Sechzigern das Land unsicher gemacht hätten, «bin ich acht Jahre alt gewesen», reagierte Obama hilflos, als könne er nicht glauben, was ihm da vorgeworfen wurde. Neben den beiden Moderatoren musste er sich obendrein Hillarys erwehren, die ihm kräftig ans Schienbein trat und dabei riskiert, dem Wahlvolk zusehends unsymphatisch zu werden. Die Strategie der Senatorin, Obama als unwählbaren Loser zu präsentieren, den Senator McCain und die republikanische Kampfmaschine im Wahlherbst unweigerlich zerpflückten, ist freilich ihre letzte Chance, das Blatt zu wenden und vor allem die noch unentschlossenen demokratischen Super-Delegierten auf ihre Seite zu ziehen.

So ging sie in Philadelphia also in die Offensive, unterstützt dabei von einem Moderatorenteam, dessen Auftreten Tom Shales, der TV-Kritiker der «Washington Post», als «schäbig und verachtenswert» kritisierte. Doch so sehr sich Obama auch bemühte, in Philadelphia den Niederungen der gemeinen Politik mit ihren Handgemengen und Anwürfen zu entfliehen: Beharrlich holten ihn die Moderatoren und seine Rivalin auf die Erde zurück, auch wirkte die Senatorin überlegen, als endlich Fragen zur politischen Substanz gestellt wurden.

Ob sie sich mit ihrem Angriffswillen einen Dienst getan hat, wird sich erweisen. Sollte Barack Obama nach dem Spektakel von Philadelphia auf einer Welle der Sympathie surfen - «der Arme, wie hat man ihm doch zugesetzt!» - , dann könnte geschlussfolgert werden, eine Frau gehe erhebliche Risiken ein, wenn sie sich aggressiv und selbstbewusst in der öffentlichen Arena zu Wort meldet. Sie sei eine Fuchtel, hiesse es.


16.4.2008

Die Negativ-Senatorin......

Von Martin Kilian um 17:24 [ Washington, DC ]
Gestern und vorgestern hat sich er Amerikanist ein bisschen in Pennsylvania umgesehen, wo bekanntlich in fünf Tagen die demokratische Vorwahl ansteht. Boy, ist das Essen in den kleinen Flecken und Städten herzhaft! Bei Marcello’s in York ass ich ein stark verkästes Auberginen-Sandwich, das hervorragend schmeckte, obschon das Fett auf das papiernde Tischtuch tropfte. Philly-Käsesteak, exzellente Würste – mein Cholesterinwert ist sicherlich jenseits der roten Gefahrenmarke.

Zurück in Washington, wo soeben der Papst bei Jorge Arbusto eingelaufen ist, erreichte micht die Nachricht, Bruce Springsteen habe sich für Obama entschieden. Auf seiner Webseite erklärt der Boss, Obama überrage die anderen Kandidaten um Längen und repräsentiere «jenes Amerika, das ich mir in meiner Musik in den vergangenen 35 Jahren vorgestellt habe».

Im Übrigen beschleicht mich ein mulmiges Gefühl beim Durchforsten der zahlreichen neuen Umfragen. Obamas unbeholfenes Geschwätz in San Francisco (siehe die Posts unten) scheint ihn nicht nachhaltig lädiert zu haben. Im Gegenteil: Die Umfragen von heute und gestern sind nachgerade traurig für die Bewohner von Hillaryland. Und immer mehr schält sich dabei heraus, dass viele Bürger es satt haben, wie rabiat die Senatorin vorgeht. In einer brandneuen Erhebung von ABC und Washington Post verzeichnet Hillary die höchsten Negativwerte seit 1992, als sie erstmals Gegenstand derartiger Befragungen war.

Während der Amerikanist so manche Befürchtungen hegt, was Barack Obama anbetrifft, ist andererseits glasklar, dass niemand, nicht einmal Jesus, mit derlei Negativwerten ins Weisse Haus gelangen kann. Man traut Hillary nicht, was einerseits vielleicht den Medien angelastet werden muss, welche die Kandidatin bisweilen in einem unfairen Licht zeichnen. Andererseits sind die Leute jedoch nicht doof; sie merken, wenn jemand um jeden Preis siegen möchte und dabei seine politischen Konturen verliert. Womöglich sind diese neuen Umfragen nur ein Schnappschuss und erholt sich die Senatorin im Handumdrehen, aber denkbar wäre auch, dass hier Reaktionen auf zu viele und zu brachiale Handkantenschläge sichtbar werden

Und was den Boss betrifft: Hier Springsteen mit Alejandro Escovedo vorgestern in Houston….have fun….



14.4.2008

Clintonistas in der Offensive!....

Von Martin Kilian um 21:58 [ Chambersburg, Pennsylvania ]
In Chambersburg im Süden des Staats Pennsylvania bin ich gelandet, wo bekanntlich in acht Tagen die demokratischen Vorwahlen anstehen. Barack Obama hätte es sowieso schwer gehabt in diesem Staat, nach dem Wirbel um seine Bemerkungen über Arbeiterschicht und Landbewohner in Pennsylvania aber könnte ihm am nächsten Dienstag eine schallende Ohrfeige drohen.

Hillaryland versucht nun die Debatte über Obamas Wählbarkeit bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst neuerlich zu entfachen. Mit wenigen Ausnahmen (Wisconsin und Maryland kämen mir in den Sinn) hat Obama tatsächlich bei der weissen unteren Mittelklasse nicht reüssiert. Er hat mit Latino-Wählern Probleme (ein Grund: die oftmals problematischen Beziehungn zwischen Afroamerikanern und Latinos) sowie auch mit jüdischen Wählern, was ihm, so er der demokratische Kandidat wäre, Schwierigkeiten bescheren könnte in Florida. Zumal, so das weitergesponnene Argument der Clintonistas, mit Obama die Gefahr bestehe, dass neue Skandälchen und Ungereimtheiten zum Vorschein kommen, die von den Republikanern ausgebeutet würden.

Mag sein, mir aber scheint, dass die kommende Wahl auf dem Terrain einer Wirtschafts- und Finanzkrise ausgefochten und überdies einer profunden amerikanischen Sehnsucht nach Wandel Rechnung tragen wird. In diesem Falle kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass eine Mehrheit der Wähler zu Mac McCain überlaufen wird. Der Mann tönt bisweilen…ähh…antiquiert. Andererseits sollte nicht vergessen werden, dass es den Republikanern und ihren Alliierten 2004 tatsächlich gelang, einen ausgewiesenen Kriegshelden (John Kerry) in einen Feigling und Un-Patrioten zu verwandeln. Wer weiss, was mit Barack Obama machbar wäre?


Im Übrigen hat Obama natürlich Recht, die Bitterkeit der amerikanischen Unterschichten in Pennsylvania – und nicht nur dort - zur Sprache zu bringen. Aber es klang mit Verlaub bescheuert, wie er es sagte. Der Ton macht die Musik. Oder?


13.4.2008

Obama in Big Trouble!.....

Von Martin Kilian um 16:36 [ Washington, DC ]
Fast war Barack Obama am Ziel, zum Greifen nah schien die Präsidentsnominierung der Demokratischen Partei. Plötzlich aber findet sich der Senator in einem politischen Sturm, der seine Kandidatur ruinieren könnte. Und nur, weil er am falschen Ort vor den falschen Leuten das Falsche sagte. Bei einer Veranstaltung mit betuchten Linksliberalen in der Demokratenhochburg San Franciso wurde Obama von einem der Anwesenden gefragt, warum er Probleme habe, im kommenden Vorwahlstaat Pennsylvania weisse Arbeiter und Kleinstädter anzuziehen.

Obamas Antwort geriet zu einem Debakel. In den kleinen Städten Pennsylvanias wie auch im Mittleren Westen seien über ein Vierteljahrhundert hinweg die Arbeitsplätze verschwunden, «und sie sind durch nichts ersetzt worden», antwortete Obama. Dann begann der demokratische Präsidentschaftsbewerber mit radioaktivem Material zu hantieren: «Es ist nicht weiter überraschend, dass die Leute bitter werden», so Obama. Sie hielten sich «an ihren Waffen fest oder an der Religion oder ihren Abneigung gegenüber Menschen, die anders als sie sind, oder an Ressentiments gegen Einwanderer oder den Freihandel, um ihre Frustrationen auszulassen».

Kaum war ein Mittschnitt der Äusserungen veröffentlicht worden, brach die Hölle los. Obama habe sich als elitärer Snob geoutet, der die Proleten von oben herab behandle und als verbitterte Deppen zeiche, lautete der Vorwurf. Am Samstag gestand der Kandidat daraufhin ein, er hätte sich besser ausdrücken sollen. Ansonsten aber blieb er bei seiner Analyse des Problems – womit Obama entweder ein Tabu brach oder seinen politischen Hals oder beides. Natürlich seien die Leute auf dem platten Land in Staaten wie Pennsylvania bitter, insistierte er. Ihre Jobs seien weg, ihre Krankenversicherung gleichfalls, die Pensionen auch.

Dass er sich erklärte, half ihm nicht viel: Umgehend titulierte ihn ein Kolumnist als «Snob-ama», und im Hillaryland herrschte eitel Freude. Obama, so der dortige Befund, habe sich an den Werten des kleinen Mannes versündigt, seine Kandidatur schweren Schaden genommen. Als Antwort auf ihren Rivalen unterstrich Hillary das Recht auf Waffenbesitz, kippte im Staat Indiana, wo im Mai gewählt wird, am Samstag in einer Bar einen Whiskey und erzählte Jagdgeschichten aus ihrer Kindheit. Obama versuchte sich unterdessen noch immer zu erklären.







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