31.3.2008

Eine bodenlose Frechheit!.......

Von Martin Kilian um 22:24 [ Washington, DC ]
El Presidente Jorge Arbusto war am Telefon, um sich kurz vor dem Abflug nach Europa mal wieder seinem Lieblingsblogger anzuvertrauen. Wie es stehe und gehe, wollte er wissen. Ich merkte sofort, dass er geladen war. Ob ich mir seinen Auftritt beim Eröffnungsspiel der Washington Nationals am Sonntag angesehen habe?

Als altem Baseball-Fan sei ihm die Ehre widerfahren, den ersten Ball werfen zu dürfen, kaum aber habe er das weite Rund des brandneuen Stadions der Nationals betreten, sei er umbarmherzig ausgebuht worden. Jawohl, ausgebuht, wenngleich er doch soviel für Land und Leute getan habe! Beispielsweise seien amerikanische Immobilien derzeit weitaus billiger als vor zwei Jahren, was nur gut sei für Käufer. Und im Irak liefe es ja wie geschmiert, wie Nuris Offensive in Basra gezeigt habe. Wie aber werde ihm das vergolten? Mit einem Buhkonzert! Hier, bitteschön, auf YouTube sei alles zu sehen:

Ich schaute mir das Video an. Sehr hässlich seien die Buhrufe, bemerkte ich, und um so mehr, als er den Ball anschliessend doch perfekt geworfen habe. Jawohl, wundervoll präzise und elegant sei der von ihm geworfene Ball durch die Washingtoner Luft geflogen, erwiderte Arbusto, seiner sportlichen Leistung zum Trotz aber sei er ausgebuht worden, nicht wahr, derweil dieser Obama beim Bowling wie ein Amateur der Extraklasse zu Gange gewesen sei, ohne freilich ausgebuht worden zu sein. Dieses sportliche Trauerspiel – das übrigens Zweifel an der Qualifikation dieses Obama für das Präsidentenamt wecke! - habe sich am Sonntag in Altoona im Staat Pennsylvania zugetragen, heute schreibe man den Montag, und dieser Obama sei noch immer auf freiem Fuss, entrüstete sich Arbusto und bat mich, das Video anzuschauen.

Jesus, dachte ich, nachdem ich mir Obamas Kegelkünste besehen hatte. Arbusto hat völlig Recht: Er wurde ausgebuht, indes dieser Obama seinen Bowling-Ball in die Rinne warf und dafür auch noch Applaus erhielt. So ginge es nun wirklich nicht, wollte ich Jorge Arbusto trösten. Der aber hatte bereits aufgehängt.


30.3.2008

Ein grandioser Sauhaufen?.....

Von Martin Kilian um 16:58 [ Washington, DC ]
Die Demokraten versinken zusehends in einem tiefen und stinkenden Morast. Und mit jedem Tag mindern sich ihre Aussichten, den Republikanern bei den Präsidentschafts- und Kongresswahlen im November eine herbe Niederlage zuzufügen. Denn der knallharte Kampf zwischen Obama und Hillary erzeugt derartige Mengen bösen Bluts, dass sich die beiden Lager inzwischen nahezu unversöhnlich gegenüberstehen.

Am Wochenende etwa ging es bei den texanischen Delegiertenversammlungen, wo auf Bezirksebene Repräsentanten für den Parteitag in Denver im August gewählt wurden, derart hässlich zu, dass selbst altgedienten Politicos die Spucke wegblieb.
Und während in Texas und in Bundesstaaten wie Iowa, wo sich der träge Auswahlprozess für die Delegierten noch immer hinzieht, Anarchie um sich greift, wird zusehends absehbar, dass sich die demokratische Roadshow bis zum bitteren Ende fortsetzen wird.

Nachdem prominente Anhänger Barack Obamas Hillary in der vergangenen Woche aufgefordert hatten, sie möge, da bei der Zahl der Delegierten hoffnungslos zurückliegend, doch bitte aufgeben, schlug die Kandidatin in einem Interview mit der «Washington Post» zurück: Sie denke nicht daran und werde den Kampf nach Denver tragen, bis der Streit über die Delegierten aus Michigan und Florida geklärt sei. Weil beide Staaten gegen den Willen des Demokratischen Nationalkomitees ihre Vorwahlen nach vorne gezogen hatten, wurden deren Ergebnisse nicht anerkannt. Hillary aber braucht die Delegierten dieser Staaten.

«Ich habe keinerlei Absicht, aufzuhören», sagte sie im Interview. Erst müssten «Florida und Michigan gelöst» werden. «Und wenn wir das nicht lösen», so Hillary weiter, «dann werden wir das eben auf dem Parteitag lösen – dafür gibt es ja schliesslich das für die Regeln zuständige Komitee». Hillary könne «so lange wie sie möchte kandidieren», sagt dazu Obama, den Granden der Partei aber trieft schon längst der Angstschweiss von den Stirnen. Geschlagene fünf Monate sind es noch bis Denver, und bereits jetzt ereignen sich bei Parteiversammlungen Handgreiflichkeiten zwischen Obama-Aficionados und Hillary-Fans.

Mithin läuft die Partei Gefahr, sich der entgeisterten Nation als grandioser Sauhaufen zu präsentieren. Sie hätte sich mal wieder selbst und ohne jegliches Zutun der Republikaner demontiert.



27.3.2008

Der entspannte Kandidat......

Von Martin Kilian um 15:54 [ Washington, DC ]
Der Senator lockerte den Stoffgürtel seines flauschigen Bademantels und trat auf die Terrasse. Unter ihm lag blau und glitzernd der Pazifik, über ihm strahlte warm die Sonne an diesem wunderbaren Frühlingstag in Malibu. Eine tolle Idee, die kommenden Monate im luxuriösen Strandhaus eines reichen Gefolgsmanns in Kalifornien zu verbringen, dachte der Senator. Er nickte den Äpfeln zu, die rotbäckig und einladend in einer Schale auf ihn warteten. MacIntosh! Er lächelte. Schottische Gemeinsamkeiten! Mac Intosh! Mac Cain! Ob die Äpfel ein eigener Klan waren? Er beschloss, den Gedankengang lieber abzubrechen.

Niemals hatte er sich träumen lassen, dass ein Präsidentschaftswahlkampf so angenehm vonstatten ging. Er nahm sich vor, ein paar Runden im Swimming Pool zu drehen. Aus der Badehose in einen Anzug zu wechseln oder sich gar zu rasieren, war nicht mehr erforderlich. Zerealien! Fruchtschleifen! Frisches Obst! Orangensaft! Kaffee! Alles vom Butler ans Bett gebracht! Das Leben war eine einzige Sause, dachte Mac. Vom Fernseher im Schlafzimmer ergossen sich hässliche Geräusche über ihn. CNN! Mac starrte abwesend auf die Bilder. Obama und Hillary warfen Kettensägen an. Stihl!! Holy shit, wie die beiden aufeinander losgingen! Angewidert drehte er mit der Fernbedienung den Ton des Fernsehers ab und begann einen Song der Beach Boys zu summen. «Bomb Bomb Bomb Iran». Einen Moment lang war er verwirrt. Hiess der Song nicht Barbara Ann? Nein? Bomb Iran?

Wieder blickte er Richtung Fernseher. Hillary haute Obama soeben mit einem Golfschläger auf die rechte Kniescheibe. Mac erstarrte. Minigolf! Das war es! Heute würde er Minigolf spielen. Unrasiert! Nun zog Obama die Rivalin an den Haaren. Und alles live, dachte Mac. Er legte sich aufs Bett. Gestern hatte ihm sein engster Berater mitgeteilt, laut einer neuen Umfrage wollten 28 Prozent der Hillary-Wähler im Herbst bei der Präsidentschaftswahl nicht für Obama stimmen. Republikanische Neuwähler waren das! Und 19 Prozent der Obamistas lehnten es ab, für Hillary zu votieren. Noch mehr republikanische Neuwähler!

Mac schaute neuerlich auf den TV. CNN zeigte die beiden Demokraten, wie sie sich mit Schlamm bewarfen. Sie waren völlig verdreckt! Nun griffen beide zu Backsteinen, die ihnen von Helfern gereicht wurden. Mac schüttelte den Kopf. Er addierte….28+19 macht...herrje….20+30=50-3=47…..hmm…demnach brauchte er nur noch 4% richtige Republikaner...47+4=51%......er grinste und summte vor sich hin…Bomb Bomb Bomb Iran…die Wahl im November? Er hatte sie so gut wie gewonnen! Mac gähnte. Und entspannte sich…..


25.3.2008

Plotten von der Front....

Von Martin Kilian um 18:26 [ Washington, DC ]
Eines der hervorstechendsten Argumente, das Hillary Clinton gegen Barack Obama ins Feld geführt hat, ist ihre vermeintliche Erfahrung. Sie und der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain seien hocherfahren und somit zum Oberkommandierenden qualifiziert, derweil Senator Obama eben doch ein Frischling und zu klein für Stuhl und Schreibtisch des Präsidenten sei.

Als Begründung für diese Behauptung dienten Hillary vor allem ihre acht Jahre als First Lady an der Seite Bill Clintons. 80 Nationen habe sie bereist und so manches Diplomatische dabei erledigt, brüstet sie sich. Und in einem vielbeachteten TV-Spot Hillarys kurz vor den Vorwahlen in Ohio und Texas klingelte um drei Uhr morgens das Telefon im Weissen Haus und suggerierte eine Krise, die nach einem erfahrenen Präsidenten verlangte. Einem Präsidenten wie Hillary Clinton.

Begleitet wurde die effektive Werbung in jenen letzten Tagen vor der Wahl von Hillarys Reminiszenzen über einen gefährlichen Besuch Bosniens im März 1996. Die Begrüssungszeremonie auf dem Flughafen der Stadt Tuzla «musste wegen des Feuers von Scharfschützen in ein Gebäude verlegt werden», sagte sie. Heiliger Bimbam, dachte man, Hillary hat tatsächlich mehr als nur Kaffekränzchen mit diversen Politikergattinen absolviert, denn zumindest in Bosnien war sie die Hauptdarstellerin in einem furiosen Action-Film, eine Art Joan Wayne in den Schluchten des Balkans.

Vergangene Woche schob Hillary dann bei einer Rede in Washington nach: «Ich erinnere mich, wie wir im Feuer von Scharfschützen landeten; auf dem Flughafen sollte eine Begrüssung stattfinden, doch wir rannten mit eingezogenen Köpfen zu den Fahrzeugen, um zum Militärstützpunkt zu fahren». Mit der so spannenden wie erbaulichen Geschichte hatte es freilich ein fundamentales Problem: Nichts daran ist wahr, die Kandidatin als Frontschwein somit eine reine Erfindung der Kandidatin. Gefährlich gewesen sei nichts, erinnerte sich in der Vorwoche bereits der Komiker Sinbad, der mit Hillary nach Tuzla gereist war, um amerikanische Truppen zu unterhalten. Er habe sich vornehmlich Sorgen über die Herkunft der Mahlzeiten gemacht, grinste Sinbad.

Am Montag detonierte der bosnische Action-Thriller dann endgültig, als der Fernsehsender CBS im Archiv Filmmaterial von Hillarys Besuch in Tuzla fand und prompt austrahlte. Statt geduckt im Schusshagel übers Rollfeld zu wetzen, wurde Joan Wayne artig und auf eben diesem Rollfeld vom amerikanischen Botschafter und von lokalen Bonzen begrüsst und einem kleinen Mädchen geherzt, derweil die serbischen Scharfschützen anscheinend eine Slibowitz-Pause einlegten. Jedenfalls waren Zeremonie und Besuch in Tuzla derart lahm, dass der Clintonsche Action-Film im Handumdrehen zu einem betulichen Heidi-Streifen mutierte, wenngleich Hillarys Pressesprecher Howard Wolfson tapfer versuchte, zu retten, was nicht zu retten war. Zweifelsohne, so Wolfson, habe Hillary «eine potenzielle Kampfzone besucht und war an der Front».

Die Kandidatin selber zog indes die Reissleine: Sie habe sich vertan, gestand sie ein. Eine Premiere war der Vorgang nicht, hatte Hillary doch zuvor schon ihre Rolle bei den nordirischen Friedensgesprächen unter der Oberaufsicht der Regierung Clinton kräftig aufgepumpt. Vor derlei Übertreibungen gilt es sich selbstverständlich schon deshalb zu hüten, weil Filmkameras die Geschehnisse beobachten und die Erinnerungen von Zeugen nicht immer synchron mit denjenigen der Action-Figur sind.

Überhaupt beweisen die kürzlich freigegebenen Terminkalender der First Lady, dass sie zwar mehr als andere Präsidentengattinnen am politischen Geschäft beteiligt war, andererseits aber regelmässig Zeremonien erledigte, während der Gatte mit der hohen Politik hantierte. Dabei bräuchte Joan Wayne nicht im mindesten zu übertreiben, ist sie doch formidabel genug.

Anbei der Frontbericht:



24.3.2008

Der Messias ist eine Frau!......Wow!...

Von Martin Kilian um 21:44 [ Washington, DC ]
Eigentlich wollte ich mich zu Ostern stundenlang und aus gegebenem Anlass den wundersamen Oden der Schwermetaller von Judas Priest hingeben, ein Freund empfahl indes Händels Messias. Und ich muss sagen, ich war angenehm überrascht: Tonnenweise Pauken und Trompeten, es rumste und schmetterte ungemein, worauf ich beschloss, Barockmusik fürderhin als Sub-Genre von Heavy Metal zu katalogisieren und und mehr davon zu erwerben. Nachdem ich obendrein Händels Feuer- und Wassermusik gelauscht hatte, war ich endgültig überzeugt, dass diese barocken Hipster heute in Formationen wie Slayer oder Rush oder Mastodon zu finden wären. Wer hätte das gedacht! Nicht einmal Arnold Toynbee war diese Symmetrie aufgefallen!

Die Messias-Kiste hatte sich ergeben, nachdem der Messias in der Karwoche zum Polit-Thema geworden war. Denn kaum hatte sich New Mexicos Gouverneur Bill Richardson, der ja selber demokratischer Präsidentschaftskandidat werden wollte, überraschend für Barack Obama erklärt, schaltete Clinton-Consigliere James Carville, bekannt als einer der Architekten von Mr.Bills Wahlsieg 1992, den Overdrive zu und beschuldigte Richardson – Benedikt 16, aufgepasst! – , einen «Akt des Verrats» begangen zu haben, der sich ausgerechnet und ironischerweise «am Jahrestag des Tags, als Judas Jesus für 30 Silberstücke ausverkauft hat», zugetragen habe. Hmmm…und ich dachte immer, Obama sei der Messias. Nun also zutiefst verwirrt: Indem sich Richardson hinter…Obama…Moment….Richardson Judas?…aha!…..kein Zweifel: In Carvilles Welt haben wir es mit Hillary als der ersten Messianistin der Geschichte zu tun! Endlich einmal eine Frau als Messias! Wenn das Händel geahnt hätte! Carvilles Ausbruch ist verständlich, galt Richardson doch als Gefolgsmann von Mr.Bill und hatte sich mit diesem zusammen im Januar sogar die Football-Superbowl angeschaut. Und nun fiel Richardson der Missus in den Rücken. Sehr garstig! Aber so spielt das Leben eben.

Und während sich die Demokraten über Judas und Messias stritten, erholte sich Mac McCain von seinen schweren mentalen Aussetzern, die ihn mehrmals dazu verleiteten, Iran und Al Qaida in ein Bett zu stecken. Brav korrigierte er sich, doch stand ihm weiteres Ungemach ins Haus. Denn in einem perfiden Video bedankten sich die Franzosen und Airbus bei ihm für den Grossauftrag für Tankerflugzeuge der amerikanischen Luftwaffe, der statt an Boeing an Airbus gegangen war. Und irgendwie war Senator Mac bei der Sache gegen Boeing gewesen, was ihm dort, wo Boeing wird Arbeitsplätze abbauen müssen, falls der Auftrag wirklich an Airbus geht, keine Freunde bescheren wird.

Hier bitteschön:



22.3.2008

Obama-Drama....

Von Martin Kilian um 20:49 [ Washington, DC ]
Die vergangenen Wochen meinten es nicht gut mit Barack Obama: Erst verlor er die Vorwahlen in Ohio und Texas, und danach verdarb ihm ausgerechnet sein Pastor die Osterwoche. Mit seinen politischen Tiraden und seiner Verfluchung Amerikas sorgte der afrozentrische Pfarrer Jeremiah Wright für die erste wirkliche Krise im Wahlkampf des Senators aus Illinois. Und nun belegen Umfragen, dass die Ausfälle des Gottesmanns Nachwirkungen zeitigten: Hillary Clinton machte ihren nationalen Rückstand auf Obama wett, im nächsten Vorwahlstaat Pennsylvania verdoppelte sie gar ihren Vorsprung.

Noch ernüchternder waren andere Erhebungen, denen zu Folge Obama in Staaten wie Missouri gegen Senator John McCain, den republikanischen Präsidentschaftskandidaten, verlieren würde, wenn die Präsidentschaftswahl jetzt stattgefände. Am allerschlimmsten aber war, dass parteilose Wähler, die sich bisher überwiegend für Obama ausgesprochen hatten, zu Senator McCain überliefen. Einzig gut an diesen potenziell katastrophalen Entwicklungen ist, dass sie noch nicht die sehr positiv aufgenommene Rede widerspiegeln, in der sich Obama am Dienstag zu seinem Pastor und zur Rassenproblematik insgesamt geäussert hatte.

Nun darf sich Obama zwar damit trösten, dass sich am Freitag der Gouverneur von New Mexico und Ex-Präsidentschaftskandidat Bill Richardson für ihn erklärte, doch gilt es abzuwarten, ob seine Ansprache in Philadelphia gekittet hat, was durch Pastor Wrights furiose Predigten zerbrochen war. Obama erhielt diese Woche jedenfalls schon einmal einen Vorgeschmack auf die Intensität, die ihn erwartete, so er der demokratische Kandidat wäre. Unter anderem stellte ein junger Mitarbeiter Senator McCains umgehend ein Video zusammen, in dem zu den Klängen der schwarzen Rap-Hymne «Fight The Power» von «Public Enemy» mit politischem Nitroglyzerin hantiert wurde: Zu sehen waren Pastor Wright, Malcolm X, Michelle Obama und die beiden Black-Power-Leichtathleten, die bei der Olympiade 1968 in Mexikoi City bei der Medaillenvergabe die Fäuste reckten. Seht her, so ist Obamaland, suggerierte das Video.

Es spricht für McCain, dass sich sein Stab eilends von dem Machwerk distanzierte und den Urheber bis auf weiteres von der Arbeit suspendierte. Dass das amerikanische Aussenministerium wenig später bekanntgab, Angestellte hätten illegal in Obamas Passunterlagen herumgestöbert, braucht diesen indes nicht weiter zu stören: Die Täter nahmen nicht nur seine Reisedaten unter die Lupe, sondern beschäftigten sich auch mit denen Hillary Clintons und John McCains – zu welchem Zweck auch immer.

Den Demokraten könnten die Turbulenzen um den Senator nun ein schwieriges Dilemma bescheren: Selbst wenn er ins Trudeln geriete und die noch anstehenden Parteiversammlungen und Vorwahlen sämtlich gegen Hillary verlieren würde, so wird er doch über eine Mehrheit der Delegierten verfügen – weshalb es an den Bonzen der Partei in Gestalt der Super-Delegierten läge, Hillary auf den Schild zu heben. Das wiederum dürfte bei afroamerikanischen wie jungen Wählern nicht gut ankommen.

Aber noch ist nicht aller Tage Abend im Obamaland: Erst nach Ostern wird sich zeigen, wie dauerhaft der von Pastor Wright angerichtete Schaden ist.


Fight The Power von Public Enemy....


20.3.2008

Barack und Bobby....

Von Martin Kilian um 17:25 [ Washington, DC ]
Die Rede Barack Obamas zur Rassenproblematik, die der Kandidat am Dienstag hielt, hat wirklich eingeschlagen. Ob sie den politischen Schaden richten kann, der durch die teils wirren Predigten seines Pastors Jeremiah Wright entstanden ist, sei dahingestellt. Aber die Rede hat die Amerikaner berührt wie kaum eine Rede in den letzten Jahrzehnten. Wer sie verpasste, ging auf YouTube, um sie sich anzuschauen. Freunde versandten sie per Email an Freunde. Und man sprach allerorten darüber. Endlich, so Jon Stewart von der Daily Show, habe ein Politiker mit den Amerikanern geredet, als ob sie Erwachsene seien.

Vielleicht bewegt Obamas wunderbar direkte und auch schmerzliche Rhetorik die Nation zu einer längst überfälligen Selbstprüfung. Denn Obama gab jenem Blues Ausdruck, der amerikanische Herzen in der Rassenfrage bewegt. Und indem er alle Seiten, weiss wie schwarz, zu verstehen versuchte, überwand Obama traditionelle liberale Positionen. Wo immer der Kandidat nun landen mag, ob auf der Verliererstrassse oder im Weissen Haus, so hat ihn die Rede vom Dienstag doch endgültig als Vertreter einer neuen amerikanischen Generation ausgewiesen. Und seine Rede steht in der grossen Tradition Martin Luther Kings und Bobby Kennedys.

Es lohnt in diesem Zusammenhang, nochmals Bobbys Ansprache am 4. April 1968 in Indianapolis zu lesen. Wie Obama stand Kennedy in einem harten demokratischen Vorwahlkampf, wie Obama präsentierte er sich als Kandidat des Neuanfangs. Nach der Landung in Indianapolis wurde Kennedy davon unterrichtet, dass soeben Martin Luther King in Memphis erschossen worden war. Die Polizei riet ihm deshalb ab, sich in das schwarze Getto zu begeben, wo er eine Rede halten wollte. Kennedy ging trotzdem – und realisierte sofort, dass seine Zuhörerschaft noch nichts wusste vom Mord an Dr.King. «Was wir in den Vereinigten Staaten brauchen», so Bobby an jenem traurigen Apriltag, «ist nicht Polarisierung; was wir brauchen, ist nicht Hass oder Gewalt und Rechtlosigkeit, sondern Liebe und Weisheit und Mitgefühl füreinander und ein Gefühl der Gerechtigkeit für jene, die in unserem Land noch immer leiden, egal ob sie schwarz oder weiss sind».

Zwei Monate später wurde Bobby ebenfalls ermordet und mit ihm starb der Versuch, die Rassenproblematik neu zu definieren. Stattdessen setzte Richard Nixon auf die unselige «Southern Strategy», mit der die Republikanische Partei systematisch weisse Ressentiments für politische Vorteile ausbeutete – und nicht nur im Süden, sondern auch bei den weissen Unter- und Mittelschichten in den Grosstädten des Nordens. Was Barack Obama mit seiner Rede bewirken wird, wissen wir noch nicht. Und gleichfalls steht in den Sternen, ob er sich politisch von den Tiraden seines Pastors wird erholen können. Aber er sollte am 4. April in Indianapolis im Staat Indiana, wo im Mai Vorwahlen anstehen, eine Rede halten im Geiste Bobby Kennedys.

Hier ein Auszug der Rede vom Dienstag....





19.3.2008

Nein danke...lieber Rock'n'Roll...

Von Martin Kilian um 00:01 [ Washington, DC ]
Nun habe ich tatsächlich wegen Spitzer und Barack und Hillary und Arbusto und dem Tagi das alljährlich grossartige Musikfestival South By Southwest im texanischen Austin verpasst. 2000 Bands! Lou Reed! Van Morrison! White Denim! My Morning Jacket! Und so weiter und so fort. Hier sind einige der besten Auftritte zu hören, auch sollte die werte Leserschaft sich das viertägige Ereignis bereits für nächstes Jahr vormerken, gibt es doch nichts Vergleichbares, was junge Talente anbetrifft. Da vielfach kostenlose Downloads nun die Szene beherrschen und der Verkauf von CDs stetig zurückgeht, sind die Bands zusehends auf die Einnahmen aus Live-Shows angewiesen - womit das Zeitalter des Troubadours neu aufgelegt wird.

Und während der Amerikanist österlicher Musik lauscht und deshalb White Rabbit von Jefferson Airplane aufgelegt hat, können sich die Bürger New Yorks an einer Endlosschlaufe an Kopulations-Geschichten erfreuen. Kaum war New Yorks Gouverneur Eliot Spitzer wegen seiner freudvollen Stunden mit Prostituierten abgesägt und sein Nachfolger David Paterson eingeschworen worden, unterrichteten der neue Gouverneur und seine Gattin die New Yorker, dass sie sich beide und mehrmals mit anderen Partnern vergnügt hatten. Inzwischen scheint im Lande der Freien und Prüden die Arbusto-Doktrin allerseits akzeptiert worden zu sein: Präventivschläge sind das Gebot der Stunde, vom Irak bis zum Boudoir! Dabei wollen wir doch überhaupt nicht wissen, was Herr und Frau Paterson in ihrer Freizeit getrieben haben. Oder?


18.3.2008

Obamas Rede in Philly....

Von Martin Kilian um 17:46 [ Washington, DC ]
Es handelte sich um einen jener Momente, die einen amerikanischen Wahlkampf definieren und einen Kandidaten erledigen können: Mit jedem Tag wuchs die übers Wochenende voll ausgebrochene Kontroverse über Barack Obamas umstrittenen Pastor Jeremiah Wright dem Kandidaten mehr über den Kopf. Und ganz sah es danach aus, als könne der afroamerikanische Senator aus Illinois ausgerechnet über einen Kirchenmann stolpern, der ihn immerhin getraut und seine Kinder getauft hatte. Weil der Sprengstoff in den Reden des Pastors die Kandidatur des Schäfchens zu detonieren drohte, hielt Obama vor wenigen Stunden in Philadelphia eine Grundsatzrede über das amerikanische Dilemma von Schwarz und Weiss.

Auf dem Spiel stand seine politische Zukunft, denn hässlich klang, was der Pastor seiner Kirche in Chicago im Laufe der Jahre gesagt hatte: Amerika trage selber Schuld an 9/11; nicht segnen solle Gott die Vereinigten Staaten, sondern verdammen; Bill Clinton habe dem schwarzen Amerika «das Gleiche angetan wie Monica Lewinsky». In seiner verhaltenen Rede stellte der Kandidat die Äusserungen in einen breiten Kontext – und lieferte die bislang beste Begründung für seine Kandidatur, indem er seinen Pastor einerseits klar verurteilte, dessen Bemerkungen indes einen historischen Rahmen verpasste.

Wright, so Obama in Philadelphia, hänge einer «profund verzerrten Ansicht Amerikas an». Nicht nur «falsch, sondern polarisierend» seien die Tiraden seines Pastors. Andererseits widerspiegle Wright die Erfahrungen des schwarzen Amerikas und die Enttäuschungen einer älteren afroamerikanischen Generation. Der Pastor habe gesprochen, «als ob es keinen Fortschritt gegeben habe», sagte Obama, der sodann die Ängste der weissen Mittelschichten mit den Enttäuschungen der Afroamarikaner vernüpfte – und einmal mehr dazu aufrief, die politischen Grabenkämpfe zu überwinden.

Er sei nicht so «naiv», zu glauben, «dass wir unsere Rassenprobleme in einer einzigen Wahl überwinden können», sagte Obama. Doch sei es an der Zeit, zu erkennen, dass die Misere des amerikanischen Gesundheitswesens oder der schlechte Zustand des öffentlichen Schulsystems weisse, braune und schwarze Amerikaner gleichermassen berühre. Ganz in der Tradition Abraham Lincolns appellierte Obama an die Amerikaner, historische Spaltungen zu überwinden und einig in die Zukunft zu blicken. Mehrmals erinnerte er dabei an seine eigene Geschichte als Kind eines Afrikaners und einer weissen Mutter. Nur in den Vereinigten Staaten sei eine Lebensgeschichte wie die seinige möglich gewesen, sagte Obama.

Nun wird sich zeigen, ob die Rede dem Kandidaten wieder Auftrieb verschafft hat. Denn im Gefolge der Kontroverse um Pastor Wright war klar geworden, dass Obama Gefahr lief, als schwarzer Kandidat definiert zu werden, der dem weissen Amerika die explosiven Äusserungen seines Pastors verschwiegen hatte. Laut neuen Umfragen hatte sich Hillary Clintons Vorsprung im Staat Pennsylvania, wo in fünf Wochen gewählt wird, nach dem Bekanntwerden der Bemerkungen von Pastor Wright vergrössert, worauf enge Berater des Senators auf eine Grundsatzrede gedrängt hatten.



Mischt der Feind mit...?...

Von Martin Kilian um 00:06 [ Washington, DC ]
Die Republikaner haben ihren Präsidentschaftskandidaten, derweil die Demokraten sich streiten. Warum also nicht das demokratische Chaos etwas anheizen, um die Siegeschancen für Senator Mac im Herbst zu erhöhen? Ende Februar, kurz vor den Vorwahlen in Ohio und Texas, rief der einflussreiche konservative Radio-Talker und Draufschläger Rush Limbaugh seine Mit-Republikaner dazu auf, bei demokratischen Vorwahlen, die für Parteilose und Republikaner offen sind, für Hillary zu stimmen. «Ich möchte, dass unsere Partei gewinnt und die Demokraten verlieren», sagte Limbaugh dem TV-Sender Fox. Die Demokraten, so Rush weiter, befänden sich «mittendrin in einer Selbstzerfleischung; es ist faszinierend, dem zuzuschauen, und wenn Hillary verliert, ist es damit vorbei».

Die konservative Radio-Talkerin Laura Ingraham forderte ihre Zuhörer gleichfalls auf, für Hillary zu stimmen. Und gestern berichtete nun die Zeitung Boston Globe, dass in Ohio etwa 100000 Republikaner für Hillary votiert hätten, in Texas 119000 und in Mississippi in der vergangen Woche rund 38000. Bei allen früheren Vorwahlen hatte Obama mehr republikanische Stimmen als Hillary erhalten, in Ohio und Texas aber votierten laut dem «Globe» annähernd ebenso viele Republikaner für Hillary wie für Obama. In Mississippi machten Republikaner gar zwölf Prozent der Vorwählerschaft aus – und Hillary erhielt drei Mal so viele republikanische Stimmen wie ihr Rivale. Der Trend könnte sich in den Staaten Indiana und Montana sowie in Puerto Rico fortsetzen, denn dort darf jeder bei den Demokraten mitwählen. Interessant!


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