29.2.2008

Hallo? Hier Hillary!...

Von Martin Kilian um 22:07 [ Washington, DC ]
Jetzt geht’s ans Eingemachte: Noch vier Tage bis zu den demokratischen Vorwahlen in Ohio und Texas. Die Umfragen legen knappe Ergebnisse nahe, das BIG MO, der grosse Schwung also, scheint mir indes auf Seiten Barack Obamas….nun hat Team Hillary in Texas eine TV-Anzeige geschaltet, die unterstreichen soll, wie erfahren die Kandidatin in der Sicherheits- und Aussenpolitik ist. Der Spot zeigt ein schlafendes Kind, während im Weissen Haus mitten in der Nacht das rote Telefon läutet.

Ein Notfall! Irgendwo! Eine Krise! Hat Sarkozy Bruni das Bett aufgekündigt? Meldet die CIA, eine aufgebrachte Menge von Kleinaktionären schleudere Backsteine in das Hauptquartier der UBS in Zürich? Ist Putin eine Interkontinentalrakete abhanden gekommen? Bin Laden beim Flippern auf Zypern gesichtet worden? Der Dollar in den Grand Canyon gestürzt?

Keine Sorge: Die ERFAHRENE Präsidentin Hillary Clinton wird das regeln, keinesfalls wird der Schlaf des Kindes gestört werden, denn im Gegensatz zu Obama ist sie VOM ERSTEN TAG AN voll dran – eine Krisenmanagerin der Extraklasse, der jedes schlafende Kind anvertraut werden kann...worauf Obamas Wahlkampfmanager David Plouffe scharf erwiderte, die Senatorin Clinton habe «ihren roten Telefon-Moment» bereits gehabt, nämlich 2002, als «sie und John McCain und George Bush [Jorge Arbusto] alle die falsche Antwort gaben». Aha! Plouffe meint den Krieg im Irak….

El Presidente Jorge Arbusto zeigte sich unterdessen bei einer Pressekonferenz am Donnerstag überrascht, als ihm ein Reporter berichtete, der Benzinpreis werde sich im Sommer nach Meinung einiger Experten auf vier Dollar pro Gallone (3.8 Liter) zubewegen. Habe er noch nie gehört, sagte Arbusto. Was, 4 Dollar? Sei ja irre! Wie gut, dass er nur Mountainbike fährt, nicht wahr, und zudem nie zum Arbeitsplatz pendeln muss, da die Entfernung von seinem Schlafzimmer zum Ovalen Büro in Ft. White House doch lediglich 30 Meter beträgt. Ausserdem muss er nie Spritkosten berappen, wenn er ab und an mal nach Afrika oder Crawford düst….denn die übernehmen bekanntlich die Steuerzahler…hmm….auf welchem Planeten lebt dieser Mann eigentlich?


28.2.2008

Rockin' Gitmo......

Von Martin Kilian um 01:09 [ Washington, DC ]
Eine wirklich interessante Nachricht: Endlich erfahren wir, welche Musik bei Einvernahmen von Häftlingen in Gitmo und anderen amerikanischen Terror-Gefängnissen Verhörer und Verhörte beschallt! Basierend auf Aussagen von Soldaten und Wärtern sowie durchgesickerten Informationen und Medienberichten hat das amerikanische Magazin Mother Jones jetzt eine «Hitparade der Foltermusik» veröffentlich...Rap und Schwermetalll…hmmm…welch ein Missbrauch der Genres, nicht wahr, um Gefangenen den Schlaf zu rauben, sie sensorisch durcheinanderzuwirbeln...und womöglich ihre Schreie zu übertönen?

Der Geschmack des Personals geht eindeutig in Richtung endzeitlicher Trommelwirbel, finden wir doch auf dem ersten Platz die Metal-Hymne «Fuck Your God» (eine Antwort auf BWV 80, nämlich Johann Sebastian Bachs «Eine feste Burg ist unser Gott»???) von der Combo Decide vor dem Kinderlied «Die Motherfucker Die» der Metaller-Truppe Dope, gefolgt vom Dope-Epos «Take Your Best Shot». Auf dem vierten Platz rappt Eminem «White America» und ..leider leider… begegnet uns auf dem achten Rang Metallicas «Enter Sandman».

Wäre es nicht gescheiter gewesen, Perry Como oder Barry Manilow zu spielen als diese doch sehr adrenalinhaltigen Kompositionen, die der Misshandlung von Gefangenen Vorschub leisten könnten? Oder sehe ich das falsch? Und wie kann es sein, dass Eminems «White America» zum Einsatz kommt, obschon dort die Passage…ähh…psst!…«Fuck You Ms. Cheney» zu hören ist, womit also die Gattin des Vizes von Jorge Arbusto auf das Übelste angemacht wird? Ausserdem: Werden hierfür Tantiemen an die Klangkünstler entrichtet – oder handelt es sich beim Wunschkonzert in Gitmo um Raubgut, ja gar um illegale Downloads, die sodann mit 2000 Watt durch die Zellen der Häftlinge dröhnen?

1989 beschallten amerikanische Psycho-Krieger die päpstliche Nuntiatur in Panama City, wohin sich Panamas starker Mann Manuel Noriega nach der amerikanischen Intervention geflüchtet hatte, mit donnerndem Rock – darunter «Panama» von Van Halen und «I Fought The Law» von The Clash - , bis Noriega aufgab. Er galt als Fan der Oper.

Und nun werden also Terrorverdächtige zugedröhnt…und das Oeuvre von Dope scheint manche Kommissköpfe besonders zu faszinieren…siehe unten…




27.2.2008

Götterdämmerung?....

Von Martin Kilian um 18:22 [ Washington, DC ]
Schon wieder gab es eine TV-Debatte zwischen Barack Obama und Hillary Clinton, diesmal am Dienstagabend in Cleveland im Staat Ohio und eine Woche vor den womöglich entscheidenden demokratischen Vorwahlen in Ohio, Texas, Rhode Island und Vermont. Es war die zwanzigste, an der die beiden Kandidaten teilnahmen, die dritte, bei der nur sie sich auf der Bühne befanden. Kein Wunder, dass beim Publikum mittlerweile Ermüdungserscheinungen einsetzen. Der demokratische Kampf ist keineswegs mehr eine erfrischende Angelegenheit, sondern ein Schlagabtausch in der zwölften Runde. Neu ist daran nichts mehr, sattsam bekannt sind die Argumente.

Angekündigt worden war die Debatte mit grossem Fanfarenklang: Hillarys letzte Chance, ihn in die Defensive zu drängen oder gar ins Stolpern zu bringen! In Bedrängnis aber brachte sie Obama am Dienstag nicht, wenngleich sie sich als Kämpferin profilierte. Sie vermittelte den Eindruck, unter Volldampf zu stehen, er hingegen parierte ihre Attacken. In Cleveland beklagte sie sich darüber, dass die beiden Moderatoren sie immer zuerst befragten, als ob sich die von ihr und ihrem Stab wiederholt angeprangerte Voreingenommenheit der Medien daran ablesen liesse. Um ihrem Vorwurf Nachdruck zu verleihen, verwies sie auf einen vielbeachteten Sketch der Comedy-Show “Saturday Night Live» im amerikanischen Fernehen, bei dem die Moderatoren sie scharf befragten, Senator Obama hingegen geradezu verwöhnten.

Bei vielen Zuschauern aber löste ihre Klage Befremden aus, ein schlechter Moment an einem langen Abend, der neuerlich zeigte, wie schwierig es geworden it, Barack Obama beizukommen. Cool und überlegt wehrte er ihre Angriffe ab, ja machte kleine Zugeständnisse, um ihr und den Moderatoren den Wind aus den Segeln zu nehmen. Trotz seiner sichtbaren Müdigkeit sah er bisweilen präsidial aus und stellte sein ausgeglichenes Temperament unter Beweis. Sie dagegen ging in die Offensive, ohne ihn freilich erschüttern zu können. Am Ende hatte sich kaum etwas bewegt, weshalb höchst fraglich ist, ob sie ihn aufhalten kann.

Viele Demokraten möchten inzwischen ein Ende der endlosen Roadshow und betrachteten es deshalb als eine Kalamität, wenn nächsten Dienstag in Ohio und Texas wieder nichts entschieden würde. So wäre durchaus vorstellbar, dass sie sich in Ohio und Rhode Island durchsetzt, er in Texas und Vermont – was sie trotz ihres beträchtlichen Rückstands bei der Zahl der Delegierten dazu verleiten könnte, im Rennen zu bleiben. Es wäre legitim, wenn sie Texas und Ohio gewänne, ein purer Akt der Verzweiflung aber, falls sie in einem der beiden Staaten verliert. Dann läge an den Bonzen der Partei, ihr zu bedeuten, dass der Kampf um die demokratische Krone zu Ende sei und sich die Partei um einen Kandidaten scharen müsse. Sein Name wäre Barack Obama.


26.2.2008

Vorsicht! Nicht ausrasten!...

Von Martin Kilian um 02:54 [ Washington, DC ]
Der epische Kampf zwischen Barack und der Missus um die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten wirbelt nicht nur im Kommentariat mächtig Staub auf. Er entzweit Familien und Freunde. Und erstmals endete er in einer Messerstecherei. Unter Schwagern sogar! Wundert mich nicht weiter, habe ich doch erlebt, wie sich meine Freunde Bob und Diane, seit langem ein glückliches Paar, wegen Obama und Hillary in die Wolle geraten. Neulich beschimpfte sie (Hillary) ihn (Obama) als «sexistisches Schwein». Er trug es mit Fassung.

Nicht so Jose Antonio Ortiz, 28, ein Fan Hillarys. Nachdem sein Schwager Sean Shurelds, 41, ein Anhänger Barack Obamas, wohl in triumphierendem Tonfall behauptet hatte, sein Kandidat rolle ja regelrecht über Hillary hinweg, entgegnete Ortiz, Obama sei «kein Realist». Danach muss es bei der bis dahin auf höchstem Niveau geführten Debatte rasch bergab gegangen sein, denn zuerst drängte es die beiden Streithähne an des anderen Gurgel, dann betätigten sie sich in der Kunst des Faustkampfes, ehe Ortiz dem Schwager ein Messer in den Bauch rammte. Nun sitzt er wegen schwerer Körperverletzung ein. Und Shurelds liegt schwerverletzt im Krankenhaus. Hier der Polizeireport aus Upper Providence Township im Staat Pennsylvania. Was es nicht alles gibt! Es geht doch nur um die Präsidentschaft, Leute! Reisst euch gefälligst zusammen!


Angst um Obama....

Von Martin Kilian um 01:37 [ Washington, DC ]
Niemand spricht während dieses amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes offen darüber. Vor allem in der afromerikanischen Gemeinschaft aber wird spekuliert, wie gefährdet Barack Obama ist: Ein schwarzer Präsidentschaftskandidat, ein Charismatiker dazu, der die Herzen der Nation bewegt. Und der gleichzeitig von manchen seiner Feinde als ein trojanisches Pferd verleumdet wird, als Kandidat der Muslime, der Amerika von innen heraus zerstören wolle. Wie sein Mittelname Hussein ja bereits andeute.

Die Sorge vieler Amerikaner vor einem Anschlag auf den demokratischen Präsidentschaftskandidaten ist so unbegründet nicht. Schliesslich ziehen im kommenden Frühling die 40.Jahrestage der Ermordung von Martin Luther King und Robert Kennedy herauf, die beide in jenem unglückseligen Jahr 1968 erschossen wurden. Präsident McKinley war im September 1901 gleichfalls ermordet worden. Auf Harry Tuman wurde eine erfolgloser Mordanschlag verübt, John F. Kennedy wurde ermordet, Ronald Reagan fiel beinahe einem Anschlag zum Opfer.

Doch Barack Obama wehrt solche Ängste ab. Wer sich um die Präsidentschaft bewerbe, sagt er, müsse wissen, «dass es dabei einige Risiken gibt, wie es eben bei allem Risiken gibt». Auch geniesse er «den besten Schutz, den es in der Welt gibt». Damit meint Obama die Agenten des Secret Service, wie die amerikanische Personenschutztruppe gnannt wird. Hochqualfizierte Leibwächter sind sie, die im Notfall ihr Leben für den zu Schützenden geben. Wer Obama – Kodename «Renegade» - aus nächster Nähe erlebt, weiss indes um die Nervosität seiner Leibwächter. Und nur Jorge Arbusto und sein Vize geniessen eine ähnlich strikte Bewachung wie der Senator aus Illinois.

Seit Mai schützen ihn die Agenten, und niemals zuvor ist ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat so frühzeitig unter Bewachung gestellt worden. Der Kandidat wiederum hat sich mit seinen Leibwächtern angefreundet, er spielt Basketball mit ihnen und lud sie im Januar nach Hause ein. Leider schwimmt Amerika in Schusswaffen, weshalb der Secret Service bei Obamas Grossveranstaltungen Metalldetektoren verfügt hat. Im texanischen Dallas winkten Polizisten bei einem Auftritt Obamas in der vergangenen Woche auf Weisung des Secret Service jedoch Tausende durch die Sperren, ohne sie zuvor auf Waffen untersucht zu haben.

Wie so oft bei den Veranstaltungen des Senators hatten sich lange Schlangen vor der Sicherheitskontrolle gebildet, worauf die Kontrollen zum Befremden der anwesenden Polizisten eingestellt wurden. Es habe sich um eine «freundliche Menge» gehandelt, rechtfertigte der stellvertretende Polizeichef von Dallas später die Massnahme. Die Ängste vieler Amerikaner aber dürften noch mehr gewachsen sein.


25.2.2008

Ralphie!...Ralphie!...

Von Martin Kilian um 00:41 [ Washington, DC ]
Heute mal wieder ächzend unter der Last der Ereignisse. Man fühlt sich geradezu in einer neuen Jasperschen Achsenzeit, irgendwie ein diffuses Gefühl, die Dinge drehten sich zu einer fundamental neuen Konstellation, die niemand erwartet hat. Falls Barack Obama zum demokratischen Kandidaten gesalbt wird, hätten er und seine Berater den Zeitgeist brillant gerochen. Trotzdem machte Hillary sich am Sonntag bei einem Auftritt in Rhode Island – wo Anfang März wie in Ohio und Texas und Vermont gewählt wird – über den Konkurrenten lustig…«Der Himmel wird sich öffnen, ein Licht erscheinen», spottete sie.

Wie auch immer: Wenn man gewahrt, mit welcher Inkompetenz ihr Wahlkampf geführt wurde, ist der von ihr propagierte Slogan, sie werde vom ersten Tag an kundig die Amtsgeschäfte des Präsidenten zu führen verstehen, nicht mehr allzu verlockend. Kaum jemals ist ein amerikanischer Präsidentschaftswahlkampf so lausig abgespult worden wie der ihre….mir fällt jedenfalls ausser Ed Muskie niemand ein, dessen Team so amateurhaft aufs Weisse Haus zusteuerte. Gewinnt sie trotzdem, sollte sie sich bei irgend einem Heiligen bedanken und ihm eine Kathedrale bauen…St. Antonius von Padua, der ja für seine Wunder berühmt ist...Moment, der hat bereits einen Sakralbau…

Ausserdem meldete sich gestern der Leichenbestatter zurück, jawohl, Ralph Nader. Wer sich zur Abwechslung einen potenten Freak-out analog 8 Red Bull und 5 doppelten Espressos gönnen möchte, braucht nur an einem grauen Washingtoner Wintertag Ralphie in seinem langen dunklen Mantel und dem Habitus eines Beerdigungsunternehmers zu begegnen. Jetzt wird er also wieder antreten, wie immer als politischer Purist mit Maximalpositionen, die einzulösen nicht einmal Jesus vergönnt wäre. Aber Ralphie, der bei der Präsidentschaftswahl 2004 sagenhafte 0.3 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigte, rückte sich am Sonntag mit der Ankündigung seiner Kandidatur mächtig ins Rampenlicht. Moment, erst die Musik lauter drehen…ahh..120 Dezibel! Mastodon!

Präsident Ralphie, wenn ich das jetzt mal schreien darf, um die Musik zu übertönen, wäre natürlich nicht schlecht….die Revo gleich um die Ecke, die Konzerne in der Defensive, Marihuana überall, kein amerikanischer Soldat hielte sich jenseits der Landesgrenzen auf und die Banken würden reguliert werden, bis sie ihre Profite hauptsächlich mit dem auf Sparbüchern befindlichen Zaster amerikanischer Knirpse machen müssten. Ausserdem sparten die Steuerzahler Unmengen von Geld, da Ralphie höchstens ein Viertel der Zimmer im Weissen Haus heizen würde. Ralphie for President! Zumal er nie auf die Idee käme, anderer Leute Geld wie Team Hillary aus dem Fenster zu werfen. Nix Hotel Bellagio in Vegas, sondern Motel 6, pro Nacht 30 Dollar inklusive des Vergnügens, Bubba Joe und Donna Jean beim Beischlaf im Zimmer 201 zuzuhören.

Im Hillaryland sieht es hingegen trübe aus dieser Tage, wie die New York Times berichtete. Ihr Stab ist fix und foxi nach 13 Monaten Dauerlauf, man schreit sich an und verlässt um 21 Uhr den Arbeitsplatz, um eine Flasche Wein zu leeren, anstatt der Sache des Feminismus weitere acht Stunden zu widmen…warum auch, wenn doch in Wisconsin am vergangenen Dienstag mindestens die Hälfte der Frauen Hillarys Dampfer verlassen und mit Barack angebändelt hat.

Apropos New York Times: Mit ihrer McCain-Kopulationsstory hat die Zeitung klar das Ziel verfehlt, eine Unverschämtheit, denn nie hätte sie angesichts der dünnen Beweislage Mac den Geschlechtsverkehr mit Ms.Vicki unterjubeln sollen. Zu schade, da der eigentliche Kern der Story durchaus zutrifft. Denn Sankt Mac, der Ritter wider Filz und Lobbyisten, steckt in Wahrheit knietief im Lobby-Sumpf der Hauptstadt, sein enger Berater Charlie Black, seines Zeichens ein Mega-Lobbyist, erledigt seine Geschäfte dieser Tage telefonisch aus Macs Bus (!!). Und wenn ich noch durchgeknallter wäre, würde ich sofort in Vegas und London bei den Buchmachern eine Million darauf verwetten, dass Mac niemals ins Weisse Haus einziehen wird. …Nur Ralphies Chancen stehen schlechter…


23.2.2008

«Schande über dich, Barack Obama!»

Von Martin Kilian um 23:50 [ Washington, DC ]
Die Lage ist, nun ja, ziemlich düster. Und weil dem so ist, hat sich Hillary am Samstag mächtig zur Wehr gesetzt und Obama recht verärgert vorgeworfen, in zwei Postwurfsendungen in Ohio – wo bekanntlich wie in Texas in neun Tagen gewählt wird und es für die Senatorin um Sein oder Nichtsein geht – ihre politischen Positionen zur Reform des amerikanischen Gesundheitswesens und zum Freihandelsvertrag Nafta verzerrt zu haben. «Schande über dich, Barack Obama», wetterte sie und verglich seine Taktiken mit denen von - wow! – Karl Rove, dem strategischen Drein- und Draufschläger, der Jorge Arbusto mit seinen Jiu Jitsu-Methoden zum Weissen Haus verholfen hatte.

Was Nafta angeht, so hatte sich Mr.Bill als Präsident ungemein enthusiasmiert und den Vertrag über eine Freihandelszone mit Mexiko und Kanada gegen den Widerstand vieler Demokraten unterzeichnet, die den Verlust amerikanischer Arbeitsplatze befürchteten.
Well, zumindest in Ohio sind seitdem – sei es wegen Nafta oder nicht - viele Jobs flöten gegangen. Laut Angaben des amerikanischen Arbeitsministeriums hatte der Staat im Dezember des Vorjahres 209400 Jobs weniger als im Dezember 2000 – der grösste Verlust an Arbeitsplätzen seit dem Beginn entsprechender Statistiken 1939.

Nun also ist Feuer unterm Dach der beiden demokratischen Kandidaten, und bei der Ohio-Debatte am Dienstag wird es keine Streicheleinheiten wie beim Palaver in Austin geben. Denn sie weiss: Verliert sie erneut, ist es aus. Obama hat unterdessen im Süden von Texas starke musikalische Unterstützung bei den Amigos gefunden. Bitteschön….ein Hörgenuss….



22.2.2008

Was sind schon ein paar Millionen?...

Von Martin Kilian um 17:46 [ Washington, DC ]
Schon mal versucht, durch Verlieren reich zu werden? So wie die Banker, die die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden nicht einschätzen können der wollen..und troztdem üppig bezahlt werden?….Aber es gibt noch einen besseren Weg, als absoluter Loser reich zu werden: Man wird Stratege bei den Demokraten! Allein im Januar erhielten Hillarys Chef-Stratege Mark Penn und sein Team 3.8 Millionen Dollar aus der Wahlkampfkasse der Senatorin! Obschon Penn gleich zwei schwere strategische Fehler zu verantworten hat: Hillary müsse den Wahlkampf so führen, als sei ihre Kandidatur «unvermeidlich» und damit sicher, glaubte Penn. Und da spätestens am Super-Dienstag am 5. Februar alles entschieden sei, brauche man für danach nicht wirklich zu planen.

Für diesen Schwachsinn, der Hillary nun vielleicht die Präsidentschaftskandidatur kostet, wird Penn fürstlich entlohnt! Neu ist daran natürlich nichts, denn demokratische Ober-Strategen verdienen sich seit jeher dumm und dämlich, weil sie im Gegensatz zu ihren republikanischen Kollegen oft Prozente der Ausgaben für TV-Werbung erhalten. Auch muss man nicht im mindesten erfolgreich sein, um wie etwa der demokratische Super-Stratege Bob Shrum fett und reich zu werden. Shrum war an acht demokratischen Präsidentschaftswahlkämpfen beteiligt – ohne auch nur einmal zu gewinnen! Er half sowohl Michael Dukakis (1988) als auch Al Gore (2000) und John Kerry (2004) zu verlieren.

Beeindruckend, was? Vor allem wenn man bedenkt, dass Shrum dabei zum Multimillionär wurde! Und falls Hillary verliert, wird Mark Penn dafür insgesamt mehr als zehn Millionen Dollar einkassiert haben….Aber was sind schon zehn Millionen? Team Hillary warf ja mit Zaster nur so um sich….Zimmer im Bellagio, einer Luxusherberge in Vegas, für 25000 Dollar…..Zimmer im Four Seasons in Vegas für 5000 Dollar…1ooooo Dollar für Party-Snacks in Iowa…können denn diese Herrschaften nicht einfach in einem Motel 6 übernachten?...nein?

Allen penkuniären Anfechtungen zum Trotz legte die Kandidatin gestern Abend im texanischen Austin eine gute Debatte hin, doch ist fraglich, ob ihre Performance Obama aufhalten kann. Sie muss ihn besiegen in Texas und Ohio, er aber liegt in Taxas gleichauf und befindet sich in Ohio auf einer Aufholjagd. Unten das Video von Hillarys letzter Antwort gestern Abend in Austin. Ich fand sie extrem publikumswirksam, doch schwangen darin Wehmut und Resignation mit…aber vielleicht täusche ich mich….oder auch nicht, weshalb nun R.L.Burnsides «A Ass Pocket of Whiskey» her muss…und zwar laut…



21.2.2008

Was? Mac? Nein!....

Von Martin Kilian um 16:40 [ Washington, DC ]
Über Wochen labte sich Senator John McCain an der süssen Gewissheit, im zweiten Anlauf endlich Präsidentschaftskandidat der Republikaner geworden zu sein. Gestern aber demolierte eine eklige Story des Senators politische Idylle: Die New York Times behauptet, McCain sei 1999 in eine Affäre mit einer Washingtoner Lobbyistin namens Vicki Iseman verwickelt gewesen. Nun sollte allgemein gelten, dass die Medien ihre Finger vom Privatleben von Politicos lassen sollten. Was der verheiratete McCain in seiner Freizeit treibt oder auch nicht treibt, ist unsere Sache nicht.

Hier indes verhält es sich nicht ganz so einfach, war und ist die Dame doch eine Lobbyistin – und erhoffte sich von Senator Mac, damals Vorsitzender des mächtigen Handelsausschusses im Senat, positive Entscheidungen für ihre Klienten in der Telekommunikationsbranche. Ms.Vicki, 40, und der Senator, 71, seien sich derart nahe gekommen, dass «einige seiner Top-Berater intervenierten, um den Kandidaten vor sich selbst zu schützen», schreibt die Times. Auch damals war McCain Präsidentschaftskandidat, ehe er allerdings bei den republikanischen Vorwahlen 2000 von Jorge Arbusto besiegt wurde.

Weiter heisst es in der Zeitung, McCain habe gegenüber seinen Mitarbeitern «zugegeben, sich nicht angemessen verhalten zu haben». Auch habe er «versprochen, künftig mehr Abstand zu Ms.Iseman zu halten». Die Quellen der Times-Story bleiben zumeist ungenannt, unter anderem aber soll der Senator ein Dinner mit Ms.Vicki in Miami besucht haben und danach im Firmenjet eines ihrer Klienten mit ihr nach Washington zurückgekehrt sein.

Die Geschichte wirbelte sofort Staub auf, weshalb McCain umgehend eine Pressekonferenz anberaumte – und alles abstritt. «Sehr enttäuscht» sei er von der Times, sagte der von Ehefrau Cindy flankierte Senator. Die Geschichte sei «nicht wahr», Ms.Vicki nur «eine Freundin» gewesen, mehr nicht. Nach mehrmaliger Lektüre der Times-Geschichte und einigen Anrufen kommt der Amerikanist jedoch zum Schluss, dass die Times wahrscheinlich mehr als das bisher Veröffentlichte in der Hinterhand hat. Ausserdem liest sich die Geschichte, als sei sie von einem Heer von Anwälten durchkämmt worden.

Ursprünglich wollte die Times die Story bereits vor dem Beginn der republikanischen Vorwahlen im Dezember publizieren, doch liess McCain juristisch drohen und wurde bei Bill Keller, dem Chefredaktor der Times, vorstellig. Nun bewegt die politische Klasse mitsamt dem Kommentariat in Washington die Frage, warum die Times die Geschichte nach langem Zögern ausgerechnet jetzt veröffentlicht. Wahrscheinlich, so die Vermutung, weil die mediale Konkurrenz ebenfalls am Baggern war und der Times womöglich zuvorgekommen wäre. Verschwörungstheoretiker könnten indes zur Auffassung gelangen, die Times habe zugeschlagen, damit Pastor Huckabee, der letzte im Rennen verbliebene Konkurrent von McCain, endlich Aufwind erhielte.

Andererseits wird jetzt spekuliert, wie die republikanischen Vorwahlen verlaufen wären, wenn die Anschuldigung bereits im Dezember detoniert wäre. «Ich glaube nicht, dass John McCain die Vorwahlen gewonnen hätte, wenn es tatsächlich Beweise gibt, dass diese Geschichte stimmt», äusserte sich des Senators inzwischen ausgestiegener Mitbewerber Mitt Romney gestern. Sonnenklar ist jedenfalls, dass einer der Kontrahenten nicht ungeschoren bleiben wird: Entweder die New York Times - oder Senator Mac, dessen Image des aufrechten Kämpfers wider den Washingtoner Filz einen Totalschaden erlitte, so die Times dem Publikum die Wahrheit serviert hätte.



20.2.2008

Nummer neun.....

Von Martin Kilian um 04:20 [ Washington, DC ]
Heiliger Bimbam! Hillary und ihre Truppe warfen die ganz grossen Backsteine Richtung Obama! Der Mann äfft in seinen Reden seinen Freund Deval Patrick, den Gouverneur von Massachusetts, nach! Plagiate! Und es fehlt ihm an Erfahrung! Ein Typ, so federleicht wie ein Zaunkönig! Richtig hässliche Geräusche kamen aus Hillaryland.

Verständlich war der Overkill, denn Hillary hat acht Wahlgänge hintereinander verloren – und dachte doch vor Beginn der demokratischen Vorwahlen, dass sie spätestens Anfang Februar beim Super-Dienstag zur Königin gekrönt würde. Sie sei qualifiziert, am ersten Tag im Ovalen Büro die Amtsgeschäfte zu übernehmen, sagte sie. Im Gegensatz zu ihm, der ja noch seine Hilfsrädlein am Fahrrad benötigt! Aber, merde, es half nichts, er gewann gestern Abend schon wieder – in Wisconsin, wo sie eigentlich einen Staat fand, dessen Soziologie ihr auf den politischen Leib zugeschnitten war.

Nun spricht sie in Youngstown, Ohio, am Wahlabend, wieder mal ein Loser, er in Houston, Texas….where the fucking deal goes down in 2 weeks…weil sie, so sie am 4. März in Texas und in Ohio die Vorwahlen schon wieder verliert, am Ende sein wird und den Weg freigeben sollte. In beiden Staaten muss sie nun siegen, nicht nur in einem!

Wisconsin, dieser angeschlagene mittwestliche Industriestaat, war wie gesagt beinahe ideales Terrain für Hillary, aber Obama nahm ihr die Butter vom Brot. Und wie: Er gewann eine Mehrheit der Frauen, eine Mehrheit der Männer, eine Mehrheit bei allen Altersgruppen unter 65….eine Mehrheit von Leuten ohne Uni-Abschluss, eine Mehrheit von Arbeitern…..der Mann aus Illinois reitet das «Big Mo», das grosse «Momentum», er surft auf der Welle der Frustration, die sich aus den sieben…ähh…wie sage ich das höflich?...diffizilen…. Jahren unter dem kleinen Steuermann Jorge Arbusto speist.

Und nun spricht er in Houston, während sie in Ohio redet. CNN hat sich aus ihrer Rede ausgeblendet, um seine zu übertragen….Symbol?....Und er gewinnt nicht mit einem oder zwei Prozentpunkten in Wisconsin, er gewinnt BIG….Nun geht es um die Wurst für Team Hillary – und ich fürchte, dass die Clintonistas nur noch eine Waffe zur Hand zur haben vermeinen: Ihn herunterzuziehen, geballt negativ gegen ihn vorzugehen. Noch kann sie in Texas und Ohio Boden gutmachen, sich zum Comeback-Kid wie einst 1992 Mr.Bill erklären. Verliert sie neuerlich in zwei Wochen, sollten die Bonzen der Partei (Al Gore? Hello? John Edwards? Hello?) ihr höflich bedeuten, ihre Kandidatur auf den Müll zu werfen. Gewinnt sie, geht das Schauspiel weiter…


Beiträge  1 - 10 /26