Heute mal wieder ächzend unter der Last der Ereignisse. Man fühlt sich geradezu in einer neuen Jasperschen
Achsenzeit, irgendwie ein diffuses Gefühl, die Dinge drehten sich zu einer fundamental neuen Konstellation, die niemand erwartet hat. Falls Barack Obama zum demokratischen Kandidaten gesalbt wird, hätten er und seine Berater den Zeitgeist brillant gerochen. Trotzdem machte Hillary sich am Sonntag bei einem Auftritt in Rhode Island – wo Anfang März wie in Ohio und Texas und Vermont gewählt wird – über den Konkurrenten lustig…«Der Himmel wird sich öffnen, ein Licht erscheinen», spottete sie.
Wie auch immer: Wenn man gewahrt, mit welcher Inkompetenz ihr Wahlkampf geführt wurde, ist der von ihr propagierte Slogan, sie werde vom ersten Tag an kundig die Amtsgeschäfte des Präsidenten zu führen verstehen, nicht mehr allzu verlockend. Kaum jemals ist ein amerikanischer Präsidentschaftswahlkampf so lausig abgespult worden wie der ihre….mir fällt jedenfalls ausser
Ed Muskie niemand ein, dessen Team so amateurhaft aufs Weisse Haus zusteuerte. Gewinnt sie trotzdem, sollte sie sich bei irgend einem Heiligen bedanken und ihm eine Kathedrale bauen…
St. Antonius von Padua, der ja für seine Wunder berühmt ist...Moment, der hat bereits einen Sakralbau…
Ausserdem meldete sich gestern der Leichenbestatter zurück, jawohl, Ralph Nader. Wer sich zur Abwechslung einen potenten Freak-out analog 8 Red Bull und 5 doppelten Espressos gönnen möchte, braucht nur an einem grauen Washingtoner Wintertag Ralphie in seinem langen dunklen Mantel und dem Habitus eines Beerdigungsunternehmers zu begegnen. Jetzt wird er also wieder antreten, wie immer als politischer Purist mit Maximalpositionen, die einzulösen nicht einmal Jesus vergönnt wäre. Aber Ralphie, der bei der Präsidentschaftswahl 2004 sagenhafte 0.3 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigte, rückte sich am Sonntag mit der Ankündigung seiner Kandidatur mächtig ins Rampenlicht. Moment, erst die Musik lauter drehen…ahh..120 Dezibel!
Mastodon!
Präsident Ralphie, wenn ich das jetzt mal schreien darf, um die Musik zu übertönen, wäre natürlich nicht schlecht….die Revo gleich um die Ecke, die Konzerne in der Defensive, Marihuana überall, kein amerikanischer Soldat hielte sich jenseits der Landesgrenzen auf und die Banken würden reguliert werden, bis sie ihre Profite hauptsächlich mit dem auf Sparbüchern befindlichen Zaster amerikanischer Knirpse machen müssten. Ausserdem sparten die Steuerzahler Unmengen von Geld, da Ralphie höchstens ein Viertel der Zimmer im Weissen Haus heizen würde.
Ralphie for President! Zumal er nie auf die Idee käme, anderer Leute Geld wie Team Hillary aus dem Fenster zu werfen. Nix Hotel Bellagio in Vegas, sondern Motel 6, pro Nacht 30 Dollar inklusive des Vergnügens, Bubba Joe und Donna Jean beim Beischlaf im Zimmer 201 zuzuhören.
Im Hillaryland sieht es hingegen trübe aus dieser Tage, wie die New York Times berichtete. Ihr Stab ist fix und foxi nach 13 Monaten Dauerlauf, man schreit sich an und verlässt um 21 Uhr den Arbeitsplatz, um eine Flasche Wein zu leeren, anstatt der Sache des Feminismus weitere acht Stunden zu widmen…warum auch, wenn doch in Wisconsin am vergangenen Dienstag mindestens die Hälfte der Frauen Hillarys Dampfer verlassen und mit Barack angebändelt hat.
Apropos New York Times: Mit ihrer McCain-Kopulationsstory hat die Zeitung klar das Ziel verfehlt, eine Unverschämtheit, denn nie hätte sie angesichts der dünnen Beweislage Mac den Geschlechtsverkehr mit Ms.Vicki unterjubeln sollen. Zu schade, da der eigentliche Kern der Story durchaus zutrifft. Denn Sankt Mac, der Ritter wider Filz und Lobbyisten, steckt in Wahrheit knietief im Lobby-Sumpf der Hauptstadt, sein enger Berater Charlie Black, seines Zeichens ein Mega-Lobbyist, erledigt seine Geschäfte dieser Tage telefonisch aus Macs Bus (!!). Und wenn ich noch durchgeknallter wäre, würde ich sofort in Vegas und London bei den Buchmachern eine Million darauf verwetten, dass Mac niemals ins Weisse Haus einziehen wird. …Nur Ralphies Chancen stehen schlechter…