Wow! Barack Obama hat im Januar sämtliche Zaster-Rekorde gebrochen und 32 Millionen Dollar (!!!!!) in einem einzigen Monat eingenommen. Zum Vergleich: Der demokratische Kandidat Howard Dean sammelte während des gesamten Wahlkampfs 2004 rund 51 Millionen ein. Ausserdem zeigt eine neue Gallup-Erhebung, dass der Senator aufholt und landesweit nur noch vier Prozentpunkte hinter der Senatorin liegt, die mich gestern ungemein beruhigte, als sie sagte, selbstverständlich sei sie im Stande, Mr. Bill zu «kontrollieren». Ist das nicht super? Wäre ja noch schöner, wenn Mr. Bill so ganz und gar unkontrolliert durch den Wahlkampf marschierte! Die Senatorin war übrigens bisher die klar bessere Debattiererin, und wenn der Senator heute Abend beim Palaver in Hollywood mal endlich ohne zu stottern und «uhmmm» zu sagen über die Runden käme, täte er sich einen grossen Gefallen.....oder?
Heute Abend also die erste demokratische TV-Debatte mit nur noch zwei Kandidaten – Clinton und Obama.
Das Palaver findet im Kodak Theatre in Hollywood statt, und aus gegebenem Anlass hier der grossartige Beat-Poet und Jazz-Heilige Bob Kaufman (1925-1986) aus seinem gleichfalls grossartigen und 1965 erschienenen Gedichtband «Solitudes Crowded With Loneliness», abgekupfert in der Hoffnung, dass Neugierde geweckt wird….
Hollywood
Five square miles of ultra-contemporary nymphomania,
Two dozen homos, to every sapiens, at last countdown,
Ugly Plymouths, swapping exhaust with red convertible
Buicks,
Twelve-year-old mothers suing for child support,
Secondhand radios making it with wide-screen TV sets,
Unhustling junkies shooting mothball fixes, insect junk,
Unemployed pimps living on neon backs of
Unemployed whores.
Bisexual traffic lights, red-faced, with green shades,
Fastest guns in video West, slinging lisps with slowest fairies in ivy East,
Unlit starlets seeking an unfilled galaxy,with an opening,
Ranch Market hipsters who lost their cool in gradeschool,
Yesterday idols, idle, whose faces were made of clay.
Horrible movie-makers making horrors that move,
Teenage, were-kids, hot-rockers, rolling with the blows,
Successful screen writers drinking down unsuccessful
screams,
Plastic beatniks in pubic beards, with artistically dirtied
feet,
Recreated Jimmy Deans, pompadours looking for sports-car mothers,
Sunset strippers, clothed to the hilt – and no further.
Und dazu die passende Musik: Monk mit Charlie Rouse am Sax, 1966….
Kandidat Rudy ain’t no’ mo’….Schluchz, der arme Rudy, nicht wahr, die bösen und überdies undankbaren Wähler im bescheuerten Florida haben ihn gekippt, unseren Helden von 9/11, der das Heimatland doch besser beschützt hätte als jeder andere Kandidat es hätte tun können, und nun wird Rudy als Pensionär vielleicht in Florida verbleiben oder im Falle eines Sieges von Mac McCain nächstes Jahr nach Washington ziehen, wo diese «aussergewöhnliche amerikanische Führungsgestalt», so Mac am Abend der Vorwahl in Florida über Rudy, sein Gnadenbrot erhält als…hmm…Unterstaatssekretär im Verkehrsministerium…nun ja..wäre doch etwas für den….verkehrserfahrenen… Rudy, von dessen verrücktem aussenpolitischen Beraterstab wir nun verschont bleiben, so dass ab Januar 2009 nicht gleichzeitig 14 (in Zahlen: verzehn!) Kriege und Feldzüge im Nahen Osten anstehen, sondern vielleicht, so Mac im November gewinnt, nur noch deren zwei, was natürlich mit Heideggerscher Gelassenheit nichts zu tun hat, sondern sich allgemeinem republikanischen Schwadronieren verdankt, wonach die Nominierung nur gewinnen kann, wer die Bereitschaft zum Zuschlagen zeigt, was bei Rudy zweifellos der Fall war, aber der ehemalige Schulze wies leider…..persönliche… Mängel auf, so dass die republikanische Vorwählerschaft in Florida die Notbremse und Rudy aus dem politischen Verkehr zog, womit Rudys Judy…leider leider…keine Chance zum Aufstieg auf den letzten von ihr noch nicht erklommenen sozialen Gipfel, das Weisse Haus, erhält, im Gotha als Mount Everest des politischen Adels ausgewiesen, wo Rudy-Judy Hof gehalten hätte, dass es eine Pracht gewesen wäre, aber geplatzt ist er, der schöne Taum, und Rudy nurmehr ein Ex-Schulze mit einem Ego so gross wie die Hindenburg, der heute von sich sagen wird, seine Zeit…sei…gekommen… und….gegangen, was mir nur recht sein kann, da ich mich vor ihm fürchtete und seinen Aufstieg vom knallharten Staatsanwalt Mitte der Achtziger zum KANDIDATEN furchterregend fand, weshalb der Amerikanist gestern Abend dankbar allen zuprostete, die nicht für Rudy stimmten, ehe er auf dem MacBook Colonel Bruce Hampton lauschte, den kaum jemand kennt, aber jeder kennen sollte.
Und jetzt wird gepackt, und danach geht es 1100 Kilometer per Kiste und auf mässigen bis schlechten Fahrbahndecken zurück in die Hauptstadt..Bye…
Ohhhkay…Florida, ein Staat ohne Kern. Oder wie Gertrude Stein sagen würde «There is no there there». Plastik, Baby. So authentisch wie Milli Vanilli. Und ich in einem Country Inn, jawohl, Country, rustikal, ach was: bukolisch, aber wie! Mit Country-Möbeln, amerikanische Eiche, ein LKW kann darüber hinweg rollen, und alles steht, nichts ist platt, denn Country ist solide, und vor meiner Haustüre erblicke ich wunderbare Weiden für Konsumenten, alle in Beton gegossen und endlos, derweil hinter dem Country Inn auf einem Superhighway, der von Miami bis Boston führt, Trucks donnernd den Asphalt traktieren und ich die Auswahl habe zwischen Applebee’s oder Bennigan’s, mitten im Country, wo mir der Sinn doch eher nach etwas Country-Küche steht, etwa BBQ-Spaghetti oder allerlei andere Leckereien aus dem Country, und danach ein bisschen Country-Besäufnis mit Merle und den Boys…ahh Country….
Denn es gilt sich zu rüsten, nicht wahr, für Jorge Arbustos jährlichen Grossauftritt vor dem Kongress zur Lage der Nation, die nach Einschätzung von El Presidente bestimmt mal wieder besonders toll ist, sieht man einmal von Petitessen wie der Kreditkrise und ein paar anderen Dingen ab, alles Kleinkram, wie gesagt, weshalb Jorge Arbusto sich feste auf die Schulter klopfen wird, der arme Mann, bei dessen Anblick die Nation mehrheitlich mit den Augen rollt und den sie längst dorthin wünscht, wo im Sommer Fahrbahndecken schmelzen, während Arbusto in der Hitze des texanischen Nachmittags sein Grundstück von unliebsamem Kraut säubert und mit dem Mountainbike über seine Hektar rast. Crawford! Dort wird er dann - in weniger als einem Jahr! Meiner Seel! - auf seiner «Ranch» nach Gutsherrenart hausen, all hat, no cattle, wie die Texaner über ihre Pseudo-Rancher spötteln. Heehaw!
Als sich Bill Clinton 1992 um die Präsidentschaft bewarb, machte ein wunderbares Foto die Runde: Der blutjunge Clinton, wie er Präsident John F. Kennedy die Hand schüttelte. Kontinuität sollte das Bild symbolisieren, war die demokratische Fackel doch der nächsten Generation übergeben worden.
Um so trauriger ist Mr.Bills hässliches Verhalten in den Tagen vor der Wahl in South Carolina. Und wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass sich Senator Ted Kennedy, der Doyen des Kennedy-Klans, heute zum Erstaunen der Clintons und ihrer Freunde für Barack Obama erklärt – nur einen Tag, nachdem John Kennedys Tochter Caroline sich gleichfalls hinter den Afroamerikaner stellte. Nicht alle Kennedys unterstützen den Senator aus Illinois; Kathleen Townsend Kennedy und Patrick Kennedy, beide Kinder Robert Kennedys, haben sich für Hillary Clinton ausgesprochen.
Aber Ted Kennedy ist mehr als nur ein Senator aus Massachusetts; er ist das linksliberale Gewissen der Demokratischen Partei. Erfolglos versuchte Bill Clinton, den Senator in einem Telefonat in letzter Minute von seinem Schritt abzuhalten. Erfolglos vielleicht auch deshalb, weil Clintons Reputation schwer gelitten hat im Gefolge seiner unmässigen Attacken auf den Konkurrenten seiner Ehefrau.
Was mag nur in den früheren Präsidenten gefahren sein, dass er am Wochenende abermals nachlegte und Barack Obamas Erfolg mit den Siegen des schwarzen Bürgerrechtlers Jesse Jackson bei den demokratischen Parteiversammlungen in South Carolina 1984 und 1988 verglich – und damit andeuten wollte, Obama sei wie Jesse Jackson eben ein Kandidat des schwarzen Amerika, mehr nicht. Jackson gewann vor allem deshalb, weil die demokratische Nominierung in beiden Fällen bereits entschieden worden war, zu Gunsten Walter Mondales 1984 und für Michael Dukakis 1988, weshalb sich die Spitzenreiter in South Carolina keine besondere Mühe gaben.
Nicht nur wertete sich Bill Clinton damit selber ab; er entwertete zudem die Kandidatur seiner Gattin. Denn in den Tagen vor der Wahl in South Carolina gaben die Clintons ein Bild, dass zusehends demjenigen glich, welches die Republikaner zu Zeiten von Bills Präsidentschaft gezeichnet hatten: Ein machthungriges Gespann, das ohne Skrupel agiert, um sich durchzusetzen – und dabei von der fatalen Überzeugung geleitet zu werden scheint, ein Recht auf die Präsidentschaft zu besitzen.
Deshalb scheint beinahe alles erlaubt zu sein, wie der neueste Schachzug der Clintonistas nahelegt: Nachdem die demokratischen Kandidaten übereingestimmt hatten, keinen Wahlkampf für die morgige Vorwahl in Florida zu betreiben und den Staat zu ächten, weil Floridas Demokraten das Datum der Vorwahl illegal nach vorne schoben, will Hillary nun plötzlich dort auftreten und womöglich eine Art Sieg feiern.
Nur weiter so, und irgendwann werden die Clintons tatsächlich jener Karikatur ähneln, welche die Republikaner in den Neunzigern unters amerikanische Volk zu bringen versuchten. Schade.
Erneut bin ich in South Carolinas Staatshauptstadt Columbia zur zweiten Vorwahl, der demokratischen. Die Republikaner wählten ja bereits vor einer Woche in South Carolina. Aus allen Nähten platzt die Stadt an diesem demokratischen Wahltag, überall sind Satelliten-Lastwagen geparkt, und Lohnschreiber und TV-Fuzzis bevölkern die Hotels.
Kaum angekommen wurde ich von einer netten, aber sehr bestimmten Mitarbeiterin Barack Obamas namens Michele Hardman stellvertretend für die gesamte Zunft gerügt: Wir liessen den Clintons viel zu viel durchgehen, sagte Michele, denn jeder wisse schliesslich, wie toll Mr.Bill es treibe. Worauf ich nur sagen konnte, es sei mir gleichgültig, was Mr.Bill mit wem treibe, denn grundsätzlich sollten sich die Medien aus den Privatleben von Politicos gefälligst heraushalten. Nein?
Der englischsprachige Al-Dschasira-Sender ist ebenfalls in Columbia und lud mich zur Wahlparty in einer Kneipe ein. Al-Dschasira-Produzent Jeremy Young erzählte, was geschah, als er mit seiner TV-Crew in Städtchen Dillon eine Schule besuchte. Anlass war ein hervorragender Dokumentarfilm namens «Corridor of Shame» über den unglaublichen Zustand vieler ländlicher Schulen in den armen und überwiegend schwarzen Bezirken South Carolinas entlang des Highways 95. Anfänglich hatte der Rektor der Schule in Dillon nichts dagegen, dass gefilmt wurde, doch als ihm dämmerte, wer da filmte, warf er Young und dessen Team auf der Stelle hinaus. Woraus ich schloss, dass es ein harter Job ist, für Al-Dschasira zu arbeiten.
Nicht nur der arabische Sender aber ist in den Hirnen mancher Leute mit Terroristen verlinkt. An der Bar des Liberty Grill sagte gestern ein Gentleman aus Kershaw, South Carolina, nie würde er Obama wählen, denn der sei ein Terrorist. Osama Obama…Barack Hussein….der Unsinn wird im Internet verbreitet mitsamt der Lüge, der schwarze Senator aus Illinois sei ein Muslim und in einer Madrasse in Indonesien erzogen worden. Ein Teil dieses Bullshits ist offensichtlich hängengeblieben.
Ausserdem hatte ich die Ehre, Jonathan Rosales und seine Gang aus Austin, Texas, zu treffen. Die Jungs haben ein ergötzliches Videospiel entwickelt, bei dem Tiergestalten um die Präsidentschaft kämpfen. Das Spiel trägt den Namen «Hail to The Chimp» - in Anlehnung auf die amerikanische Präsidenten-Hymne «Hail to the Chief.» Jonathan und Konsorten werben für ihr Produkt, indem sie sich in Tierkostüme werfen und bei Wahlkampfveranstaltungen aufkreuzen. Bei einem Hillary-Event am Freitag wurde den Tieren indes der Zutritt verweigert. Obschon sie doch so putzig aussehen!
22 Uhr in Columbia, South Carolina. Welch ein Sieg für Barack Obama! Und welch eine Koalition von Wählern! Und die Wahlbeteiligung? PHÄNOMENAL!
PS. Caroline Kennedy, John F. Kennedys Tochter, hat sich für Obama erklärt. Ein Präsident wie ihr Vater wäre er, schreibt sie in der Sonntags-Ausgabe der New York Times. Hmm…Erinnert Obama nicht eher an Carolines Onkel Bobby Kennedy?
Angesichts der absurden Länge und Intensität des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs ist nicht weiter erstaunlich, dass die Kandidaten ausgeprägte Animositäten entwickeln. Wahrscheinlich spriessen gelegentlich auch ausgesprochene Hassgefühle, sind die Konkurrenten beim Kampf um die Nominierung doch fleischgewordene Hindernisse für den Einzug ins Weisse Haus.
Und keineswegs hilft beim Zwischenmenschlichen, dass man sich inzwischen recht gut kennt. Mehr als 20 Mal teilten die Kandidaten des demokratischen wie des republikanischen Lagers die Bühne miteinander und debattierten vor Publikum und TV-Kameras. Bei diesen Palavern ist mittlerweile deutlich erkennbar, wer wen nicht ausstehen kann und wie gut oder wie schlecht die Gefühle zwischen den Konkurrenten sind. Zweifellos können sich Senator Obama und die Senatorin Clinton nicht ausstehen. Nicht erst seit der hitzigen Debatte am vergangenen Montag in South Carolina wissen wir, wie tiefsitzend die gegenseitige Abneigung ist,
Darüber können auch leichte Momente und kalkulierte Artigkeiten nicht hinwegtäuschen. Schon der auf dem Podium zur Schau getragene Gesichtsausdruck teilt uns mit, dass der eine den anderen am liebsten auf den Mond, nein: auf den Jupiter schiessen möchte, so es eingerichtet werden könnte. Deshalb wäre der Chronist zu gern heimlich zugegen, wenn Herr Obama oder Frau Clinton im kleinsten Kreise der Vertrauten über den Widersacher herziehen.
Bei den Republikanern konzentriert sich der Missmut fast exklusiv auf Mitt Romney, den sowohl Senator McCain als auch Ex-Gouverneur Mike Huckabee nicht ausstehen können. Romney pflegt den Habitus eines Strebers, der zudem mit seinem Geld nur so um sich wirft, während die anderen Kandidaten mühselig ihre Kassen auffrischen müssen. Auch war es Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, der die Konkurrenten bereits vor den Parteiversammlungen in Iowa mit böser TV-Werbung bombardierte.
Was also sagt Senator McCain über Romney? «Man darf nie einen Ringkampf mit einem Schwein führen», sagt er. Denn«beide werden dabei schmutzig, das Schwein aber mag das». Romney ein Schwein? Aber Herr Senator! Kaum besser stehen die Dinge zwischen Pastor Huckabee und Romney, der es nicht einmal für nötig befand, dem Gottesmann aus Arkansas nach dessen Sieg in Iowa zu gratulieren. Huckabees Wahlkampfmanager Ed Rollins, ein politischer Streetfighter der Extraklasse, rotzt denn auch, er müsse sich «zügeln» bei einem Kerl wie Mitt, «dem ich die Zähne ausschlagen möchte».
Hier manifestiert sich nackte Aggression, weshalb nicht weiter verwunderlich wäre, wenn sogar Mordkomplotte die Fantasien der Kandidaten belebten. Und noch sind es über neun Monate bis zum Wahltag!
Charleston im Staat South Carolina! Welch eine schöne Stadt! Und so alt, nicht wahr! 1670! Gerade wollte ich ein besonders prächtiges Haus bestaunen, als das Handy klingelte. Eine vertraute Stimme. Er wolle sich bei seinem Lieblingsblogger ausheulen, sagte der Mann am anderen Telefon. Ich war erschlagen: El Presidente Jorge Arbusto sprach zu mir! Unsere Differenzen über Musik (er Country, ich Heavy Metal) hatten wir in liebevoller Kleinarbeit aus dem Weg geräumt, auch hatte er in letzter Zeit vor allem Doris Day gelauscht, deren traute Weisen ihn nach eigenem Bekunden die Kreditkrise vergessen liessen.
Ob ich schon gehört habe, ein neuer Report, wonach er, Jorge Arbusto, 259 Mal gelogen hätte. Wie bitte?, warf ich ein. Jawohl, er sei beschuldigt worden, 259 Mal nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Über den Irak. So heisse es in einer neuen Studie des Washingtoner Center for Public Integrity und des Fund for Independent Journalism. Insgesamt habe seine Regierung im Vorfeld des Krieges im Irak 935 Mal die Unwahrheit gesagt, werde dort behauptet. Arbusto schluchzte. Wenn Mutter Barbara davon erführe! Gewiss würde sie ihm den Mund mit Seife auswaschen!
Er zitierte nun aus dem abscheulichen Report: «Der kumulative Effekt dieser falschen Statements – verstärkt durch Tausende von Medienstorys – war massiv». Und: Die Unwahrheiten, so erfrechten sich diese Leute von diesem Center zu behaupten, seien «Teil einer orchestrierten Kampagne gewesen, um effektiv die öffentliche Meinung zu beeinflussen, und dieser Prozess hat die Nation unter falschen Vorwänden in einen Krieg geführt». Die redeten über die Massenvernichtungswaffen. Und über Saddams angebliche Verbindungen zu Al Qaida, flüsterte Arbusto.
Man habe sie doch gefunden, die Massenvernichtungswaffen, oder etwa nicht? Er habe darauf hingewiesen, schon 2003 habe er das gesagt. Und dem Aussenminister Colin Powell unterstelle dieser schweinische Report, 244 Mal die Unwahrheit gesagt zu haben. Das sei – und hier brach Jorge Arbustos Stimme - 15 Mal weniger als er! Wo Powell überhaupt stecke? Er habe ihn bei Kabinettsitzungen seit längerem nicht mehr gesehen! Er, Jorge Arbusto, brauche sich nichts vorzuwerfen, no Sir, denn Schuld trügen die Medien, die seine Andeutungen wie üblich falsch interpretiert und zudem gewaltig übertrieben hätten. Dazugedichtet hätten sie!
Wieder zitierte er aus dem Report: «Einige Journalisten, ja sogar ganze Medienorganisationen, haben seitdem eingestanden, dass ihre Berichterstattung in den Monaten vor Kriegsausbruch viel zu unterwürfig und unkritisch war». Na bitte, dafür sei nicht er verantwortlich, sagte Arbusto und krähte laut ins Telefon, ich solle erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren. Unkritisch und unterwürfig, jawohl, das seien wir Lohnschreiber! Kriecher und Schleimer! Und überhaupt: Die Medien trügen die Verantwortung, sie hätten ihn zum Einmarsch angestiftet! Und nun werde er als Lügner hingestellt!
Ich war platt, wagte indes nicht zu widersprechen. 259 Unwahrheiten? Das sind eine Menge! Sie haben amerikanische Steuerzahler bislang etwa eine halbe Billion Dollar gekostet. Aber wenigstens stehen die Dinge im Irak besser.
Im Übrigen ist diese Sache so verwirrend, dass ich mich jetzt erst mal beruhigen muss mit der absolut tollen neuen Scheibe (seit gestern erhältlich!) der Drive-By Truckers aus Athens, Georgia. Brighter Than Creation’s Dark – Southern Rock at its best!
Mike Huckabee, Bassgitarrist, bibelfester Baptistenpastor, ehemals Gouverneur von Arkansas und derzeit republikanischer Präsidentschaftskandidat, ist mal wieder pleite und hat Mitarbeiter entlassen müssen. Das kommt davon, wenn man nur Zweiter wird in South Carolina. Wenngleich dort der Jesus-Flügel der Partei extrem stark ist. Ebenfalls politisch erwischt hat es Fred Thompson, der gestern nach seinem enttäuschenden dritten Platz in South Carolina das Handtuch warf, l…a…n…g…s…a…m…….warf…..er…..das Handtuch, so wie Big Fred eben alles eher gemächlich anging. Bon voyage, Sir! Wir werden uns Ihrer Schlafwagenkandidatur noch lange mit Vergnügen erinnern!
Aber zurück zu Huck. So cool ist der Gottesmann, dass er als Gouverneur von Arkansas Keith Richards, jawohl, genau den, begnadigte. Richards und Axt-Genosse Ron Wood waren am 5. Juli 1975 mit einem Fan (weiblich?) und einem Leibwächter von Memphis, Tennessee, nach Dallas, Texas, gefahren. Weil ihr Automobil nahe Fordyce, Arkansas, ein wenig schleuderte, wurde das Quartett von einem Polizisten angehalten. Der roch Marihuana im Wagen und schleppte die Insassen zum Revier. Daraufhin bekannte sich Richards zu verkehrsgefährdendem Fahren und musste 162 Dollar und 50 Cents Strafe löhnen.
Der junge Mike Huckabee las darüber, und als die Stones im März 2006 in Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas, auftraten, erwähnte Keith, dass er den Polizeichef von Fordyce gekannt habe. Nach dem Konzert ging Gouverneur Huckabee hinter die Bühne und sagte: «Keith, ich kann dich begnadigen und den Eintrag ins Strafregister tilgen». Nachdem Huckabee die dafür notwendigen Papiere selbst ausgefüllt hatte, erteilte die zuständige Behörde im Juli 2006 ihre Zustimmung – obschon der Gouverneur auf Richards’ Personalbogen Fragen nach Drogen und Vorstrafen nicht beantwortet hatte.
Später schwante Huckabee, eines Tages werde er womöglich sogar im Stande sein, Richards «eine Begnadigung von Gott zu verschaffen für all die Dinge, die er getan hat». Hmmmm….wer sich die Asche seines Vaters als Probier-Droge in die Nase gezogen hat, darf beim lieben Gott nicht auf Gnade hoffen. Oder doch?
Und wie sie flogen, die Fetzen, bei der Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber am Montagabend im Badeort Myrtle Beach an der Küste von South Carolina! Über Monate angesammelter Frust schien sich plötzlich zu entladen, hitzig und gestikulierend bezichtigten sich Hillary Clinton und Barack Obama allerlei Sünden.
Schon in den Tagen zuvor hatte der schwarze Senator aus Illinois zusehends entnervt auf die Attacken Bill Clintons reagiert, der die Rolle des politischen Schlägers inzwischen so gnadenlos spielt, dass ihn prominente Demokraten wie Senator Ted Kennedy zu mehr Zurückhaltung mahnten. Mr. Bill, so der schwarze Kongressabgeordnete James Clyburn, solle sich bitteschön «abkühlen». In Myrtle Beach aber griff Obama nicht nur den Ex-Präsidenten, sondern auch Hillary Clinton an – und löste damit die bislang explosivste Auseinandersetzung des demokratischen Vorwahlkampfes aus.
Nachdem Obama der Senatorin vorgeworfen hatte, sie sei im Aufsichtsrat von Walmart gesessen, derweil er sich in Chicago für Arbeitslose eingesetzt habe, schoss Hillary umgehend zurück – wobei ein Name fiel, über den Insider bereits seit Monaten munkeln. Sie habe Kindern geholfen, während Obama als Anwalt den «Slumlord Rezko» repräsentiert habe, sagte Hillary. Der «Slumlord Rezko» - da waren sie, die beiden bösen Wörter, die Barack Obama zu Fall brächten, wenn die Medien endlich ein Licht darauf werfen würden, so die Überzeugung der Clintonistas.
Bereits vor Wochen weinte mir ein enger Freund der Clintons vor, die Verbindung Obamas zu Antoin «Tony» Rezko werde inmitten der Obama-Manie von den Medien geflissentlich übersehen, wenngleich sie doch die Achillesferse des schwarzen Kandidaten sei. Tatsächlich wirft Obamas lange Verbindung zu Tony Rezko einige Fragen auf, indes bleibt offen, ob dem Senator daraus ein Strick gedreht werden kann.
Rezko, ein umtriebiger Baulöwe, ist in Chicago wegen Bestechung und Korruption angeklagt, als einen «Freund» hatte ihn Obama einst bezeichnet und auch dann noch Wahlkampfspenden von «Freund» Rezko abgebucht, als das FBI bereits gegen den Besitzer heruntergekommener Mietskasernen – daher der Schimpfname «Slumlord» - ermittelte. Insgesamt erhielt Obama mindestens 60000 Dollar von Rezko, weitaus seltsamer aber mutet an, dass der Senator Rezko 2005 kontaktierte, um in Chicago ein Haus zu kaufen.
Der Besitzer des Hauses wollte seine Immobilie angeblich nur inklusive des leeren Grundstücks nebenan verkaufen – und just an dem Tag, als Barack Obama das Haus 300000 Dollar unter Preis für 1.6 Millionen Dollar kaufte, erstand Frau Rezko das Grundstück nebenan zum vollen Preis von 625000 Dollar. Die Transaktion mag ein wenig miefeln, illgal aber ist daran nichts. Obwohl Obama sein Verhalten inzwischen «bedauert»hat, halten sich jedoch hartnäckig Gerüchte, es sei noch mehr vorgefallen zwischen ihm und Tony Rezko.
«Wenn alles herauskommt, ist er politisch tot», sagte mir vor Wochenfrist der Clinton-Vertraute. Wirklich? Oder steckt hinter dem Rummel um Rezko vor allem der Wunsch der Clintons, ihre Restauration ins Weisse Haus ohne den respektlosen Störenfried Obama betreiben zu können?