31.12.2007

Eine Wundertüte zum neuen Jahr!

Von Martin Kilian um 19:21 [ Washington, DC ]
In Iowas Staatshauptstadt Des Moines hatte am Samstag ein Musical namens «Caucus», so der amerikanische Name für die am Donnerstag stattfindenden Parteiversammlungen, eine grosse Premiere. Vier Präsidentschaftskandidaten werben darin um die vier Stimmen der Familie Wise, die Songs tragen Titel wie «Anything for a Vote» oder »It’s Time to go to Iowa». Hätte ich mir zu gern angeschaut, wichtige Geschäfte halten mich indes in Washington, so dass ich erst in letzter Minute nach Iowa düsen werde.

Unter anderem erreichte mich eine Einladung von El Presidente aus Crawford, Texas, worin es heisst, er möchte mal wieder seinen Lieblingsblogger treffen. Wie Sie vielleicht wissen, haben wir uns auseinanderdividiert auf Grund schwerwiegender musikalischer Differenzen: Er mag Country, ich Heavy Metal.

So bleibt also am letzten Tag des Jahres lediglich noch das obligatorische Säubern der Festplatte im Kopf, wo sich 2007 allerhand dummes Zeug angesammelt hat, welches dringlichst eines «Defragging» bedarf. Danach heisst es mit Heideggerscher Gelassenheit ins neue Jahr zu ziehen, aus dessen prall gefüllter Wundertüte sich ganz im Sinne Winckelmanns gewiss allerlei Schönes und Wahres und Gutes auf Leserinnen und Leser ergiessen wird! Also: Happy New Year, egal ob Sie den Amerikanisten in Zürich oder New York, in Bern oder New Bern, im Thurgau oder in San Antonio anklicken. Und nicht vergessen: Mit Anthrax ins neue Jahr! 20 Years of Maximum Metal!


30.12.2007

Mr.X aus Des Moines.....

Von Martin Kilian um 22:06 [ Washington, DC ]
Heute begrüsse ich erstmals einen erlauchten Gast-Blogger, der sich freilich hinter dem Psudonym Derek Jackson verbergen muss. Warum? Weil er ein enger Freund der Clintons und anderer Insider in Washington ist und mit ewiger Verbannung zu rechnen hat, falls er enttarnt wird. Ich bin mit Derek seit nahezu 20 Jahren befreundet und hoffe, dass er dann und wann den Amerikanisten besuchen wird. Anbei sein kurzer Bericht aus Des Moines in Iowa. Danke, Derek!



Des Moines.- Ein Top-Wahlkampfhelfer von Senatorin Hillary Clinton glaubt, dass sie bei den Parteiversammlungen am Donnerstag womöglich als Dritte ins Ziel kommen wird. «Wenn sie gewinnt, ist es ein Wunder», sagt ihr Mitarbeiter. «Die Menschen in Iowa haben keine Chance gehabt, die wirkliche Hillary zu sehen – und das ist nicht gut für uns....Das ist teilweise ihr Fehler, weil sie sich nicht volkstümlich genug gibt, nie ein Bier trinkt oder mit der Presse schmust. Die Medien wiederum drücken ihre Verachtung für sie aus, indem sie schlecht über sie schreiben...Können Sie sich vorstellen,was geschehen würde, wenn Hillary [wie Barack Obama] zugäbe, dass sie Kokain versucht hat, als sie jung war? Die Presse würde sie kreuzigen!».

Hillarys Top-Mitarbeiter machen sich überdies Sorgen, dass zu viele ihrer Unterstützer noch nie an Parteiversammlungen teilgenommen haben. Man könne sich deshalb nicht auf sie verlassen. Aber wenn die Senatorin in Iowa gewänne, könne sie nicht mehr aufgehalten werden. «Iowa ist ein aussergewöhnlich traditioneller Staat, der noch nie eine Frau nach Washington in den Kongress entsandt hat», so der Top-Gehilfe von Hillary. «Und sie haben Bedenken, eine Frau ins Weisse Haus zu entsenden».

Nach einem langen Wahlkampf, bei dem Hillary Clinton mindestens 80 Mal in Iowa war, ist ihr Stab bitter gegenüber ihren Konkurrenten Barack Obama und John Edwards. Mehrere ihrer engsten Mitarbeiter sagen, Senator Obama sei arrogant und niemals getestet worden. Soweit es den früheren Senator John Edwards betrift, glauben sie, er sei ein «messianischer Eiferer», der keine Ahnung habe, wie gefährlich und oberflächlich seine populistische Wahkampfrede sei.






Obama und der Paistipuolet.....

Von Martin Kilian um 21:28 [ Washington, DC ]
Was gewahren meine umflorten Augen? Als Vorsitzender des Unterausschusses für Europäische Angelegenheiten – ein Teil des Auswärtigen Auschusses im Senat! – habe Senator Barack Obama völlig versagt, wird ihm vom Kolumnisten Joe Conason vorgeworfen. Nicht ein einziges Mal habe Obama den Unterausschuss einberufen, weshalb Europa auf dem Kapitolshügel nicht stattgefunden habe. Eine Brüskierung sondergleichen! Die anderen Erdteile sind allesamt in den zuständigen Unterausschüssen abgehandelt worden. Nicht aber Europa! Was bildet sich der Senator eigentlich ein? Europa!

Nun wird Obama aus dem Hillaryland hämisch zugerufen, er solle seinen Pass vorlegen, damit alle sehen können, wann und wie oft er in Europa gewesen sei. Stichwort: Dem Mann fehlt es an Erfahrung, der ist noch nie den Piz Buin heruntergerodelt und hat dabei Yoohoo! geschrien. Vier Tage vor den Parteiversammlungen in Iowa haben wir ihn endlich erwischt! «Ich bin ausführlich in Europa gereist...ich liebe Europa», wehrte der Senator umgehend ab. Oh yeah? Her mit dem Pass! Wir wollen schwarz auf weiss sehen, schreibt Joe Conason, ob und wo Blutwurst verzehrt wurde. Naja, so detailliert schreibt er es nicht. Aber in etwa.

Dass er Europa liebe, kann jeder sagen. Aber in diesen hektischen letzten Tagen vor dem Aufgalopp in Iowa genügen derlei Verallgemeinerungen nicht mehr. Ein Wochenende im Thurgau? Ein muskalischer Abend mit Lordi in Lahti? Oder mit Winterborn in Rovaniemi? Eine Besteigung des Paistipuolet? Moment, der ist nur 420 Meter hoch....also eine Wanderung am Paistipuolet? Herr Senator? Wir warten....


28.12.2007

Sichert die Grenzen! Die Pakistaner kommen!

Von Martin Kilian um 19:08 [ Washington, DC ]
Der Mord an Benazir Bhutto wurde bereits gestern zum Thema im amerikanischen Vorwahlkampf. Kaum war sie ihren Verletzungen erlegen (aus Pakistan verlauten stündlich neue Todesursachen – höchst seltsam), wurde in den Medien bereits heftig debattiert, wer von dieser Untat profitiere. Und selbstverständlich kamen die Verfechter konventionellen Denkens zum Schluss, Schub erhielten nun vor allem «erfahrende Kandidaten» wie Hillary Clinton und John McCain, ja der schreckliche Vorgang in Pakistan habe dem Vorwahlkampf eine Prise Realität verpasst. Angesichts von Mike Huckabees Reaktion aber scheint mir, Bhuttos Tod habe den Vorwahlkampf auf surreales Terrain und geradewegs nach Gagaland geführt. «Wir sollten unverzüglich unsere Grenzen überwachen, um sicher zu gehen, dass es keine ungewöhnlichen Aktivitäten von Pakistanern gibt, die ins Land kommen», sagte Huck. Aber klar doch! Und keineswegs sollten wir die fliegenden Untertassen vergessen, die Ende Dezember stets versuchen, den amerikanischen Luftraum ohne Autorisierung zu durchfliegen!

Und hier noch eine Gala-Vorstellung von Waidmann Huck. Wer in Iowa nicht für ihn stimme, dem ergehe es wie den erschossenen Fasanen, sagt er. Welch morbider Witz!




27.12.2007

Endzeit in Iowa.....

Von Martin Kilian um 17:17 [ Washington, DC ]
Mein Flug nach Iowa ist bereits gebucht, nur eine Woche bleibt noch bis zur ersten Entscheidung amerikanischer Wähler über die republikanischen und demokratischen Präsidentschaftsbewerber. Und ich bin angesichts der zu erwartenden Temperaturen im Mittleren Westen wirklich geschockt – 10 Grad unter Null, was soll das?

Die Kandidatenschar und ihre Helfer lassen sich davon freilich nicht im mindesten beeindrucken. In Iowa geht es zu wie in einem Tollhaus, die armen Iowaner werden mit Telefonanrufen («Haben Sie bereits eine Entscheidung gefällt? Nein? Darf ich Sie zulabern, während Sie verzweifelt versuchen, Ihre Kinder ins Bett zu bringen und das Abendessen zuzubereiten?») bombardiert.

Daneben wird die Bevölkerung mit politischer TV-Werbung zugeschüttet, es schneien ihr Postwurfsendungen von täglich mehreren Pfund ins Haus, Freiwillige der jeweiligen Kandidaten klopfen an ihre Haustüren – und beschwätzen jene Unglücklichen, die dummerweise die Türe öffneten: «Haben Sie bereits eine Entscheidung gefällt? Nein? Ich beschwöre Sie, sich bei den Parteiversammlungen für – bitte einen der folgenden Namen einfügen - Clinton/ Obama/ Richardson/ Biden/ Dodd/ Edwards/ McCain/ Huckabee/ Romney/ Giuliani/ Paul/ Thompson zu erklären! Brauchen Sie Hilfe bei der Anreise zum Wahllokal? Könnten Sie vielleicht Ihre Nachbarn ebenfalls davon überzeugen, für den Kandidaten X zu stimmen? Indem Sie den Nachbarn etwa erklären, dass nur X sichere Renten garantiert und einen Plan gegen die Erderwärmung hat?»

Was Wunder, dass Iowas Wähler unter Starkstrom stehen und nach dem Abschluss der Parteiversammlungen nicht selten Symptome von posttraumatischem Stress zeigen. Alles wird in die Schlacht um ihre Stimmen geworfen, ja einer Elefantenherde gleich stampfen die Kandidaten samt Subalternen, Unterlingen und Knappen über die Prärie. Schon riechen sie das Weisse Haus, Power liegt in der Luft und animiert ihre zeppelingrossen Egos zu übermenschlichen Anstrengungen.

So bloggt Hillary Clinton diese Woche etwa in der Mode- und Glitzerpostille Glamour («Als junge Frau bin ich täglich daran erinnert worden, was ich nicht machen konnte – die Schulen, die ich nicht besuchen konnte, die Sportarten, an denen ich nicht teilnehmen konnte, die Jobs, die ich niemals haben konnte» - traurig und so wahr!), derweil Senator Obama gestern eine neue Wahlkampfrede ausprobierte, die ihn in den verbleibenden sieben Tage an die Spitze des demokratischen Felds katapultieren soll.

Mike Huckabee, Prediger, Gottesmann, Bibelkundiger, Republikaner aus Arkansas und aussichtsreicher Anwärter auf einen Sieg bei den republikanischen Parteiversammlungen, schleimte sich unterdessen in die Herzen von Iowas Waidmännern und –frauen, legte er doch auf mehrere Fasane an und streckte die armen Tiere nieder, worauf er sich mit der Kanone in der einen Hand und den Leichnamen der Vögel in der anderen Hand ablichten liess. Dank dieses PR-Tricks umfasst Hucks Wahlkoalition nun neben Baptisten und Methodisten und evangelikalen Lutheranern und Presbyterianern und Pfingstlern und diversen Heiligen der letzten Tage, die sich seinem schärfsten Konkurrenten Mitt Romney, obschon der ein Heiliger der letzten Tage ist, aus purem Trotz verweigern, auch Fasanenjäger und Knarren-Aficionados aller Kaliber, die ohne mit der Wimper zu zucken auf Bambi anlegen würden und nun Huck wählen werden.

Im Übrigen hatten sich laut einer CNN-Umfrage am vergangenen Sonntag nahezu die Hälfte der Demokraten und über 60 Prozent der Republikaner noch für keinen Kandidaten entschieden – unglaublich, wenn man bedenkt, dass der Wahlkampf in Iowa seit über einem Jahr im Gange ist. Was wollen diese Wähler eigentlich? Kopfstände der Kandidaten? Noch mehr Telefonanrufe? Postwurfsendungen? Geklopfe an der Tür? Entscheidet euch gefälligst!


24.12.2007

Der Weihnachtsblues......

Von Martin Kilian um 19:56 [ Charlottesville, Virginia ]
Und nun singt Dino uns etwas zum Christenfest vor! Allerdings hat bei ihm der Weihnachtsblues eingesetzt….


Sehr elegisch!


23.12.2007

Episches Fabulieren dank Thermowäsche!

Von Martin Kilian um 20:51 [ Charlottesville, Virginia ]
Weihnachten steht vor der Tür, das Spektakel des amerikanischen Vorwahlkampfs läuft freilich unvermindert weiter. Aussetzen werden die Matadoren nur über die Feiertage; danach steigert sich der Zirkus neuerlich, bis am 3. Januar bei den Parteiversammlungen im Staat Iowa erstmals über die Präsidentschaftsbewerber beider Parteien befunden wird.

Der ganze Vorwahl-Rummel animiert am Ende nicht mal ein Drittel der Wahlberechtigten zum Urnengang, schon gar nicht in Iowa, wo es saukalt ist und die abendlichen Parteiversammlungen Stunden dauern können, in deren Verlauf sich die Demokratie extrem langsam entfaltet, derweil es draussen, wohin man sich anschliessend wieder begeben muss, noch saukälter geworden ist, weshalb höchstens ein Fünftel der Bürger abstimmen wird, um danach trotz Thermowäsche und um den Kopf gewickelten Biber-Bettüchern mit Hypothermie und Erfrierungserscheinungen für den demokratischen Einsatz zu bezahlen. Wow! Ein Mega-Satz mit beachtlichen Unterabteilungen!

Als Belohnung winkt den Teilnehmern später indes episches Fabulieren: Wisst ihr noch bei den Parteiversammlungen 1988, als Soundso gewann und wir bei der Heimfahrt nachts von einem Blizzard überrascht wurden und drei Tage in einer Schneewehe steckten, ehe uns ein Hubschrauber rettete?

Besieht man sich die horrenden Ausgaben der Kandidaten, kostet eine Stimme in Iowa ein Vermögen. Ausserdem währt der Wahlkampf dort bereits ein Jahr, in dessen Verlauf die Kandidaten insgesamt jedem dritten (!!!) Bewohner Iowas die Hand geschüttelt haben. Himmel, muss man machtgeil sein, um sich derlei Opfer abzuverlangen!

Ich habe mich unterdessen nach Charlottesville im schönen Virginia abgeseilt, um meine intellektuelle Verslummung zu pflegen und aufzutanken, ehe der Wahlkampf zu toben beginnt. Ausserdem werde ich den Hackensaw Boys zuhören, einer Old-Time-Bluegrass-Band aus Charlottesville, die es versteht, Altes und Neues prächtig miteinander zu verknüpfen.

Nun aber Schluss mit dem Gestammel, denn unbedingt möchte ich mehr über die Schwangerschaft von Britneys 16jähriger Schwester Jamie Lynn nachlesen, nachdem mir....psst.....zugetragen worden war, dass Jamie Lynns und Britneys Mama ihr Vorhaben, ein Buch über «christliche Kindererziehung» zu verfassen, vorerst aufgegeben hat. Wär’ ja noch schöner gewesen, mit solchen Töchtern! «Christliche Erziehung»! Nee, Frau Spears, so geht es nun wirklich nicht!


21.12.2007

Comeback des Totgesagten....

Von Martin Kilian um 16:53 [ Washington, DC ]
Noch vor acht Wochen hätte niemand auch nur einen Pfifferling auf das alte Schlachtross gegeben. Abgeschlagen dümpelte Senator John McCain, 71, im Feld der republikanischen Präsidentschaftskandidaten, ein einstiger Favorit, dessen Stunde gekommen und gegangen war. Der Krieg im Irak, den McCain resolut gutheisst, hatte ihm ebenso geschadet wie seine eher vernünftige Haltung bei der Auseinandersetzung über die illegalen Zuwanderer. Im Sommer galt McCain als erledigt, es hatte politische Nachrufe gehagelt.

Der Totgesagte aber ist dieser Tage wieder auferstanden, vor allem im ersten Vorwahlstaat New Hampshire, wo McCain laut Umfragen hinter dem führenden Ex-Gouverneur Mitt Romney in die zweite Position unter den republikanischen Kandidaten gerückt ist. Vor acht Jahren gewann der Senator aus Arizona die Vorwahl in New Hampshire gegen George W. Bush, ehe er von Bushs Schmutzfinken in South Carolina demontiert wurde. Wie damals sollen dem Senator auch jetzt New Hampshires parteilose Wähler, die je nach Lust und Laune bei den Republikanern oder den Demokraten votieren dürfen, zum Sieg verhelfen. Und nach seinem chaotischen Wahlkampf im Sommer hat McCain wieder Tritt gefasst. Die Lage im Irak hat sich verbessert, auch ist der Senator vorsichtiger geworden bei der Einwanderungsproblematik: Zuerst müssten die amerikanischen Grenzen gesichert werden, danach sei eine Legalisierung der im Lande befindlichen Illegalen denkbar, sagt er nun.

Mehrere Zeitungen in New Hampshire und Iowa haben sich für McCain erklärt, auch der ehemals demokratische und jetzt unabhängige Senator Joe Lieberman unterstützt ihn. Ausgerechnet jetzt aber, da McCain im Aufwind liegt, droht ihm neuerlich Ungemach: Seit Wochen recherchiert die New York Times an einer Story, wonach er einer Washingtoner Lobbyistin Gefälligkeiten erwiesen habe. Der Senator sagt, er finde den Zeitpunkt «dieser ganzen Angelegenheit» sehr merkwürdig. Mitten im Wahlkampf!


20.12.2007

Draussen. Sonne. Wäscheleine.

Von Martin Kilian um 18:58 [ Washington, DC ]
Welch eine Ästhetik! Welch sublime Schönheit! Stürmisch bewegt, mit grösster Vehemenz! Moment mal, Entschuldigung, ich habe mich vertan. So lautet G. Mahlers Befehl für den zweiten Satz seiner fünften Symphonie. Ich hingegen wollte die Musik der texanischen Rock-Combo Explosions In The Sky beschreiben, die mich blendend unterhält und dank Vollaussteuerung hermetisch von der Aussenwelt abschottet. Draussen? Sonne? Bald setzt Rachitis ein, jawohl, dann ist es aus mit dem Amerikanisten, ein Jammer, nicht wahr!

Vielleicht sollte ich Wäsche aufhängen. Draussen. Sonne. Aber in vielen amerikanischen Staaten und Gemeinden darf man keine Wäsche aufhängen. Es entwerte Immobilien und suggeriere einen Redneck-Lifestyle, so die Begründung. Nur Florida schützt ausdrücklich des Bürgers Recht, Socken, Unterwäsche und T-Shirts unter freiem Himmel zu trocknen. Was sich nun – auf wunderbar amerikanische Art! – ändern soll. Dafür sorgen möchte Alexander Lee mit seinem Project Laundrylist, einem Umweltprojekt, welches den Wäschetrocknern den Kampf angesagt und bereits nationale Beachtung gefunden hat.

Ich traf Alexander im November in Concord in New Hampshire, wo das Projekt angesiedelt ist. Wer draussen trocknet, spart zwischen 85 und 400 Dollar Stromkosten pro Jahr. Überdies sind die Trockner für sechs Prozent des privaten amerikanischen Stromverbrauchs verantwortlich und blasen pro Haushalt jährlich bis zu einer Tonne CO2 in die Atmosphäre. Also her mit der guten alten Wäscheleine, sagt Alexander Lee. Nicht nur tut man der Umwelt einen Gefallen: Die Kleider riechen zudem besser und halten länger. Befreit die amerikanischen Wäscheleinen! Lasst 100 Socken unter freiem Himmel blühen! Mao?

Übrigens: Am 3. Januar berät das Parlament des Staats New Hampshire in Concord über eine Vorlage (HB 1523), die den Gebrauch von Wäscheleinen sanktionieren würde. Wo? House Municipal & County Government, Zimmer 301, Legislative Office Building, Concord, New Hampshire. Wann? Elf Uhr. Kommt alle!


19.12.2007

Rette uns vor der Shopocalypse!

Von Martin Kilian um 17:52 [ Washington, DC ]
Der Konsumerismus hebt mal wieder ab hier! Weihnachten! Und wenn wir nicht shoppen, bricht der Kapitalismus zusammen! Gelegentlich könnten wir uns vielleicht mal etwas Besseres einfallen lassen. Oder?

Bis dann tut Reverend Billy von der Church of Stop Shopping not. Sein neuer Dokumentarfilm trägt den Titel «What would Jesus Buy?» und ist verdammt gut...hinter der Figur des Reverend Billy steckt übrigens der New Yorker Performance-Künstler Bill Talen, bekannt durch seine Protestaktionen gegen Starbucks und andere Ladenketten...hier der Trailer von Pastor Billys Film...



Reverend Billy, rette uns vor der Shopocalypse!


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