Was man in diesem wunderbaren und niemals langweiligen Land doch alles verpasst! Vor allem wenn die Synapsen etwas ausgebrannt sind. Ich hatte keine Ahnung, dass El Presidente eine eigene Version des Songs «Bloody Sunday» von U 2 geliefert hat! Die Band erinnerte damit an das Massaker, das britische Fallschirmjäger im Januar 1972 im nordirischen Derry anrichteten, als sie auf unbewaffnete Zivilisten schossen. Man muss es dem Entscheider lassen: Die Popmusik hat an ihm einen begnadeten Interpreten verloren! Der Kongress geriet, wie die Bilder zeigen, völlig ausser Rand und Band. Total umwerfend! Und um Längen besser als das Original! Bravo!
Erinnern Sie sich an das Blutbad am 16. September in Bagdad, bei dem Blackwater-Söldner 17 irakische Zivilisten erschossen? Nun wurde vor einem Bundesgericht in Washington eine Klage der Familien von fünf der Toten gegen Blackwater eingereicht. Und in der Klageschrift heisst es, unter den Blackwater-Rambos sei der Gebrauch von Anabolika sowie «das Urteilsvermögen verändernden Substanzen» - ein toller Begriff! – weitverbreitet. Die amerikanischen Anwälte der Kläger schätzen, rund ein Viertel der gesamten Blackwater-Truppe werfe illegale Pharma-Produkte ein. Sie beschuldigen die Firma, ihre Angestellten trotz besseren Wissens keinen Drogentests unterzogen zu haben. Laut den Anwälten kann dieser Vorwurf dokumentiert werden, weshalb vermutet wird, die angeblichen Belege stünden im Zusammenhang mit der Entlassung von bis zu 140 Blackwater-Mitarbeitern.
Doc Holliday dröhnte sich mit Alkohol zu, bevor er zum Showdown schritt, die Blackwater-Gunmen hätten sich, so der Vorwurf zutrifft, mit Anabolika und «das Urteilsvermögen verändernden Substanzen» für den Wilden Westen in Bagdad präpariert. Vielleicht mit Methamphetamin und einer Prise Koks? Dazu Angus Young auf den Ohrstöpseln? Rock’n’Roll Damnation? Das Urteilsvermögen solcherart beinträchtigt, sässe der Finger gewiss locker am Abzug. Jedenfalls starben 17 Menschen für nichts und wieder nichts, wie amerikanische Untersuchungen inzwischen zweifelsfrei ergeben haben.
Endlich also fand sie statt, die republikanische YouTube-Debatte, am Mittwoch in St.Petersburg in Florida. Fünf Wochen vor den ersten Parteiversammmlungen in Iowa stellte sich das Achterfeld der republikanischen Präsidentschaftskandidaten Wählern, die ihre Fragen in Form von YouTube-Videos formuliert hatten. Aus 5000 Filmchen wählte der Veranstalter CNN sodann 34 aus. Die Demokraten hatten ihre YouTube-Debatte bereits im Sommer absolviert, die Republikaner sich indes geziert und das ursprünglich für September geplante Palaver verschoben: Es fehle an Würde und Ernst.
Unsinn! Die Konservativen misstrauen dem Internet, weil es nicht ähnlich kontrollierbar ist wie traditionelle Medien. Die Republikanische Partei hat seit der Nixon-Ära formidable Medienstrukturen geschaffen, doch wirken diese von oben nach unten, während das Internet von unten nach oben zielt. Kein Wunder also, dass das politische Internet links der amerikanischen Mitte besser gedeiht als rechts davon. In St.Petersburg fiel auf, dass die YouTube-Fragesteller wesentlich jünger waren als die Kandidaten, eine Riege weisser Männer zwischen 50 und 7o, die mit wenigen Ausnahmen ihre ideologische Linientreue unter Beweis stellten: Ja zur Bibel, nein zur Schwulenehe, her mit der Todesstrafe, keine Amnestie für illegale Einwanderer. Dazu legte die Mehrheit teils dröhnende Bekenntnisse zur Schusswaffenkultur ab.
Aus dem Rahmen fielen lediglich der tapfere Senator John McCain, der sich emotional gegen die Folter gefangener Terrorverdächtiger wandte sowie der Libertarier Ron Paul, der miltärische Interventionen ablehnt. Die beiden Spitzenreiter, der frühere Gouverneur Mitt Romney und Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani, stritten sich in St.Petersburg darüber, wer entschiedener gegen illegale Einwanderer vorgegangen sei, der Star des Abends war jedoch Mike Huckabee, einstmals Gouverneur von Arkansas, baptistischer Prediger und Mann der Stunde, hinter dem sich der Christenflügel der Partei zu sammeln beginnt.
Insgesamt aber vermittelte die Kandidaten-Show in Florida den Eindruck, der amerikanische Konservatismus trete auf der Stelle, weil er noch immer einem rigiden Kulturkampf verpflichtet ist. Zumal die Kandidaten selbst leicht angestaubt wirkten. Was übrigens ihren anfänglichen Widerstand gegen die Art der Debatte erklären würde.
Senator John McCain besieht sich die YouTube-Kulisse in St.Petersburg.
Er hat zahlreiche Affären und einen Flugzeugabsturz hinter sich. Er trank wie ein Berserker, verlor seine beiden Brüder durch Mordanschläge und wäre beinahe Präsident der Vereinigten Staaten geworden. Alles in allem ein erfülltes Leben, und nun möchte Senator Edward Kennedy, 75, seine Memoiren verfassen und uns erzählen, wie das Leben ihn behandelt hat.
Billig kommt diese Story nicht: Bei einer sechstägigen Auktion, die in der vergangenen Woche endete, versuchten mehrere Verlagshäuser, sich in den Besitz von Teddys Kronjuwelen zu bringen. Den Zuschlag erhielt Twelve, ein Verlag der Hachette-Gruppe. Es wird gemunkelt, der Senator aus Massachusetts werde für die literarische Filetierung seines Lebens mehr als Hillary Clinton erhalten, deren Erinnerungen immerhin acht Millionen Dollar wert waren.
Das viele Geld braucht der schwerreiche Kennedy natürlich nicht, weshalb er die Summe zu wohltätigen Zwecken verschenken wird. Bereits 1999 kam eine Biografie des Senators und letzten Überlebenden der Gebrüder Kennedy heraus, in seinen 2010 erscheinenden Memoiren aber will uns der Patriarch des Kennedy-Klans reinen Wein einschenken. Das Buch befasse sich mit «einer Story, die nur er erzählen kann», sagte der Verleger von Twelve, Jonathan Karp. Schliesslich habe Kennedy «Geschichte gesehen und Geschichte gemacht». Und was den reinen Wein anbetrifft, so beabsichtigt der Senator laut Karp «offen» zu sein.
Darauf darf man gespannt sein, bedeutete Offenheit doch, dass Teddy mit allen Spekulationen aufräumt, die im Laufe der Zeit über jene unselige Nacht 1969 in Chappaquiddick ins Kraut schossen, als der wohl bedudelte Senator mit dem Auto von einer Brücke abkam und in einem Bach landete, wo seine Gefährtin Mary Jo Kopechne ertrank – was seine zahlreichen konservativen Gegner später bewog, hämisch auf Simon & Garfunkels Hit «Bridge Over Troubled Waters» zu verweisen. Ohne diesen Unfall, dessen Konturen stets verwischt blieben, wäre Kennedy womöglich Präsident geworden. Obschon er 1980 keine Antwort darauf fand, als er bei einem TV-Interview befragt wurde, warum er Präsident werden wollte.
Seine Memoiren aber sind mehr als nur die Summe aller Skandale. Gewiss werden sie sich eingehend mit Kennedys Verhältnis zu seinen Brüdern John und Robert befassen. Und obendrein wird uns der Senator, ein unermüdlicher Fürsprecher des kleinen Mannes und erzliberales Gewissen der Demokratischen Partei, sicherlich einen Einblick in seine illustre Karriere im Washingtoner Senat geben, die 1962 begann, nachdem Vater Joe Kennedy 1960 einen Strohmann ins Rennen geschickt hatte. Der sollte den durch die Wahl John F. Kennedys zum Präsidenten freigewordenen Senatssitz warmhalten, bis Edward das von der amerikanischen Verfassung vorgeschriebene Mindestalter für einen Senator erreicht hatte. «Wenn Ihr Name Edward Moore statt Edward Moore Kennedy lautete, wäre Ihre Kandidatur ein Witz», schleuderte ihm damals sein Widersacher Ed McCormack entgegen.
Er habe in seinem Leben das Glück gehabt, in einer aussergewöhnlichen Familie aufzuwachsen und habe die Geschichte der Nation aus der «ersten Reihe» beobachtet, begründete der Senator nun den Entschluss, sich seinen Memoiren zu widmen. Er hoffe, seine Erinnerungen könnten dazu beitragen, «viele Ereignisse in der Geschichte dieses grossen Landes» besser zu verstehen. Nicht nur das: Wir wüssten zu gerne, was sich zutrug, als er 1987 auf dem Boden eines Washingtoner Restaurants in flagrante delicto mit einer Dame erwischt wurde. Aber vielleicht wäre das zu viel verlangt für acht Millionen Dollar.
Promis sind seit langem keine Wunderwaffe der amerikanischen Politik. Aber wenn sie sich für einen Präsidentschaftskandidaten erklären und sogar für ihn Wahlkampf machen, sorgt dies unweigerlich für Schlagzeilen. Nachdem die Mega-Talkshow-Hostess Oprah Winfrey ankündigt hatte, sie werde für Barack Obama durch Stadt und Land ziehen (was die politischen Auguren in Washington prompt als grossen Gewinn für den Senator bewerteten), gab Hillaryland heute bekannt, Barbra Streisand sei ein Fan und unterstütze Clinton.
«Madam Präsident der Vereinigten Staaten…welch ein aussergewöhnlicher Gedanke. Wir befinden uns wahrhaftig in einer erregenden Zeit, in der das Potential einer Frau keine Grenzen hat», enthusiasmierte sich Babs, die bekanntlich mit den Clintons seit langem befreundet ist. Nicht dass es etwas bewirkte, denn wer wählt schon einen Politico, weil dieser vom Filmstar Soundso und vom Rocker X angebetet wird? Oder doch? Der Republikaner Mike Huckabee weiss jedenfalls den Law-and-Order-Schauspieler Chuck Norris hinter sich, und Anhänger des so interessanten wie aussichtslosen republikanischen Libertarier-Kandidaten Ron Paul hofften gar, ihr Mann dürfe sich mit Johnny Rotten von den Sex Pistols schmücken, nachdem die Sexpistole Paul bei einer Talkshow einen Gruss zugeworfen hatte.
Wie auch immer: Bei den Politikern reisst der Glaube nicht ab, aus den Liebeserklärungen von Promis liesse sich Kapital schlagen. Warum sonst hätte Milhouse Nixon am 21.Dezember 1970 im ovalen Büro Elvis empfangen, der dem Präsidenten («Ich bin kein Schurke») ein Colt-45-Schiesseisen als Geschenk überreichte und zum Ehrenagenten der Drogenbehörde «Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs» ernannt werden wollte – ausgerechnet er, der ja als wandelnde Apotheke daherkam! Dwight Chapin vom Stab Nixons hatte den Elvis-Besuch gutgeheissen, weil der Entertainer «very pro the President» sei. Nixon fuhr bei der Wahl 1972 einen Erdrutschsieg ein...aber nicht wegen Elvis. Oder doch?
Meiner Seel! Der Dollar steht wahrhaftig unter Druck! Siehe Jay-Z....er wedelt mit Euros herum! Und kauft sich damit Rolls Royces, Gucci-Beutel und vieles mehr..Wow!
Heute begegnete ich auf der Connecticut Avenue F., einem alten Bekannten. Ob ich schon gehört hätte? Das mit Hillary! Sie habe ein Verhältnis. Mit einer Frau! Stünde in der Times of London. Einmal davon abgesehen, dass manchen britischen Zeitungen nicht einmal geglaubt werden sollte, wenn sie vermelden, die Erde sei eine Kugel, macht dieser Schwachsinn bereits seit Wochen in Washington die Runde.
Mein Freund Cody, ein langjähriger Vertrauter der Clintons, hatte mich schon gewarnt: Man werde alsbald behaupten, die Senatorin und demokratische Präsidentschaftskandidatin aus New York habe ein Verhältnis mit ihrer persönlichen Assistentin Huma Abedin. Und prompt lässt sich die Times darüber aus, trickreich natürlich, indem die Zeitung einräumt, sie wisse von nichts, aber immerhin existiere das Gerücht.
Well shit, es kursierte ja auch das Gerücht, Tony Blair sei Bushs Pudel gewesen. Und ausserdem: Was, wenn Hillary Clinton eine Beziehung zu einer Frau hätte? Was ginge uns das an? Und warum minderte dies ihre Qualifikation fürs Amt? Womöglich hätte Boy George nach Katrina schneller reagiert als der andere George und Michael Stipes nicht eine halbe Billion im Irak verblasen. Aber in Hillarys Fall offenbart die Flüsterkampagne vor allem, dass man nichts unversucht lassen wird, ihre Kandidatur zu ruinieren. Denn einem Teil der amerikanischen Rechten stehen die Haare zu Berge bei der Vorstellung, sie könne im Weissen Haus landen.
Gewänne sie die Nominierung ihrer Partei, begänne deshalb der mit Abstand schmutzigste Wahlkampf der amerikanischen Geschichte. Ich würde ihn vorzugsweise unter einem Kopfhörer erleben. Mit Musik von den Drive-By-Truckers oder den Kings of Leon. Um den Radau zu übertönen.
Im mittwestlichen Iowa werden angesichts der nahenden Kandidatenauslese beider amerikanischer Parteien alle Ressourcen in die Schlacht geworfen. Die meisten der demokratischen und republikanischen Kandidaten wohnen bis zu den Parteiversammlungen Anfang Januar mehr oder weniger im Staat. Und der demokratische Präsidentschaftsbewerber und Senator Chris Dodd, ein Mann ohne Chancen, hat sogar seine Familie nach Iowa verpflanzt.
Hinter den Kulissen tobt derweil ein technologischer Showdown mit Mikroprozessoren und ausgefuchsten statistischen Modellen. Denn die Computer-Cowboys, die im Dienst der führenden Kandidaten stehen, wollen das Wahlverhalten des Bürgers derart durchleuchten, dass prognostiziert werden kann, welchen Kandidaten er oder sie unterstützt. Diese Art der Wähler-Identifizierung ist zu einer Kunst geworden, deren unbestrittener Star für Barack Obama arbeitet. Hillary Clinton umwarb ihn ebenfalls, doch entschied sich Ken Strasma für den afroamerikanischen Senator aus Illinois.
Strasmas Washingtoner Firma «Strategic Telemetry» ist einer der Gründe, warum die Demokraten bei den Kongresswahlen 2006 siegten. «Es ist höchste Zeit, dass unsere Seite eine Geheimwaffe hat!», verkünden Strasmas Broschüren. Hunderte von demokratischen Kandidaten haben bereits von seinen Computern profitiert, in denen riesige Datenbanken über amerikanische Wähler und ihr Wahlverhalten gespeichert sind. Die Durchleuchtung individueller Bürger versetzt «Strategic Telemetry» in die Lage, detaillierte Profile zu erstellen, die wiederum das Fundament ausgeklügelter statistischer Modelle zum Wählerverhalten sind.
Vorbei sind die Zeiten, als «Fussball-Mütter» - Frauen in Suburbia, die ihre Kids zum Fussballspielen fahren - eine einheitliche Zielgruppe für die Kandidaten bildeten. Dank Strasmas Methoden kann ermittelt werden, dass sich eine weissweintrinkende Mutter mit Kindern und Katze bei Iowas Parteiversammlungen eher für Obama entscheiden wird als eine biertrinkende Mama mit einem Hund. Strasmas Profile basieren auf mehr als 1000 Indikatoren, darunter Informationen des amerikanischen Zensusbüros und der Wahlbehörden in Iowa sowie Verbraucherdaten von Marketing-Firmen.
Damit, sagt Ken Strasma, könne er eine «demografische DNS» erstellen, die das Einkommen eines Wählers, seinen Bildungsgrad, das von ihm gefahrene Auto, seine Haustiere und vieles mehr umfasst. Nach der Auswertung dieser Datenflut kann Strasmas Team mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostizieren, ob Mr. Smith im Iowa-Städtchen Ottumwa bereit ist, Barack Obama eine Spende zukommen zu lassen und sich überdies bei den Parteiversammlungen für ihn erklären wird.
Danach beginnt Team Obama Mr.Smith zu umgarnen: Man ruft ihn an, bittet um einen Obulus und trägt ihn auf Händen zu den Parteiversammlungen in einer gewiss kalten Januarnacht. Hat Mr. Smith kein Auto, wird er von einem freiwilligen Helfer Obamas zum Ort der Parteiversammlungen transportiert, sitzt er in einem Rollstuhl, wird ein Spezialfahrzeug entsandt. Begrenzte Mittel können so möglichst erfolgversprechend eingesetzt werden, wenngleich das Buhlen um Wähler zu einem Marketingprojekt im Stil einer Waschmittelfirma gerät. Und neben den gläsernen Konsumenten tritt der durchsichtige Wähler.
Der Freitag nach Thanksgiving, auch «Black Friday» genannt, ist einer der grossen amerikanischen Shopping-Tage. Die Kassen klingeln, bis die Kreditkarten erschöpft schlafen gehen. 133 Millionen Amerikaner, so die Schätzung, erstehen heute allerlei Nippes, Tand und Plunder. Und viele Geschäfte öffneten bereits morgens um fünf. Oder sogar um Mitternacht, wenn der Truthahn des traditionellen amerikanischen Erntedank-Schmauses noch nicht einmal verdaut ist.
Der Soziologe Daniel Bell meinte, Überfluss sei die amerikanische Antwort auf den Sozialismus. Aber wie viele Plasma-TVs braucht der Mensch eigentlich? Pro Haushalt bestimmt nicht mehr als...hmmm...fünf? Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Kinderzimmer, Toilette...nein? Sechs?
Wie auch immer: Nicht wenige Amerikaner übernachteten im Schlafsack vor Tempeln des Konsums wie Best Buy oder Wal-Mart. Denn wie Gorbatschow schon anmerkte: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, weil nämlich pro Laden nur 15 Sony Laptops für 399 Dollar zu haben sind und der Super-Plasma-Fernseher (Bildschirm: ein Meter fünfzig!!) für 999 Dollar bereits nach zwei Sekunden ausverkauft ist. Die Associated Press berichtet, Tracy Jenkinson aus Columbia, South Carolina, sei bereits um drei Uhr morgens vor dem Kaufhaus Target eingetroffen. Sie möchte einen LCD-TV für 199 Dollar für ihre Töchter erstehen.
Linda Ballew traf um vier Uhr dreissig vor einem Wal-Mart in Columbia ein und wurde mit zwei Einkaufswagen gesichtet, worin sich ein 42-Zoll-Plasma-TV und über 50 DVDs befanden. «Es ist so aufregend, so wundervoll, aus dem Haus zu kommen, weil es einen in Weihnachtsstimmung versetzt», beschrieb Ballew ihr High.
Und ich? Mir sind diese Plasma-TVs nicht gross genug. Ich warte, bis die ganz neuen Schirme herauskommen, vier Meter und mehr! Darunter ist ja lächerlich, ich meine, man verpasst ja alles auf diesen winzigen Schirmen. Ausserdem gönnt man sich ja sonst nichts.
Es kursierten schon einmal Gerüchte, wonach sich der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg um die Präsidentschaft bewerben wolle. Er dementierte eher halbherzig, doch die Spekulationen über seine präsidialen Ambitionen erstarben. Nun berichtet die Webseite «Huffington Post» unter Berufung auf «mehrere Quellen», der Bürgermeister nehme insgeheim Nachhilfeunterricht in aussenpolitischen Angelegenheiten. Und seine Tutorin sei die frühere Uno-Botschafterin Nancy Soderberg, die eng mit Präsident Bill Clinton zusammenarbeitete. Diskutiert würden unter anderem die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen, der Krieg im Irak sowie der Verteidigungshaushalt, meldete «Huffington Post» und nährte damit neuerlich Vermutungen, Bloomberg werde sich um die Präsidentschaft bewerben.
Wie aber soll der Bürgermeister noch an den Vorwahlen in diversen Bundesstaaten teilnehmen, deren Registrierungsfristen für Kandidaten bereits abgelaufen sind? Das braucht Bloomberg nicht zu kümmern: Als unabhängiger und parteiloser Kandidat muss er kein innerparteiliches Ausscheidungsverfahren bestreiten. Und Gelder auftreiben müsste er ebenfalls nicht. Bloomberg ist Milliardär und könnte seinen Wahlkampf mühelos finanzieren. Ausserdem erfüllt er die Vorgaben der amerikanischen Verfassung fürs Präsidentenamt: Er ist in den Vereinigten Staaten geboren und älter als 35, das vorgeschriebene Mindestalter.
Eine Kandidatur des Bürgermeisters würde alle bisherigen Planspiele über den Haufen werfen. Warum liesse er sich Nachhilfeunterricht in Aussenpolitik erteilen, wenn er nicht ernsthaft über eine Kandidatur nachdächte? Vielleicht möchte sich Michael Bloomberg einfach weiterbilden. Oder er möchte Präsident werden.