05.8.2008

Ein Sieg der Jungen?...

Von Martin Kilian um 16:26 [ Madison, Wisconsin ]
Erstmals seit dem hart erkämpften Sieg über Hillary Clinton und seiner Salbung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten lag Barack Obama in einer nationalen Umfrage vorgestern hinter seinem republikanischen Rivalen John McCain; zwar ist der Rückstand knapp, doch dürfte er eine Folge von McCains Attacken und Obamas mangelhafter Gegenwehr sein. Um Wisconsins Staatshauptstadt Madison braucht sich der Senator aus Illinois freilich keine Sorgen zu machen: Bei der demokratischen Vorwahl überfuhr Obama seine Konkurrentin Hillary Clinton in Madison, auch im November wird die Stadt auf seiner Seite sein.

Schliesslich ist Madison Heimat der University of Wisconsin, die bereits in den Sechzigern als liberal-progressive Hochburg galt. Und wie andernorts, so bilden die Jungen auch im Käse-Staat Wisconsin das Rückgrat des Obama-Wahlkampfs. Die Jungen gingen nie wählen, lautete die Klage der letzten Jahrzehnte. Sie seien politisch passiv, ja scherten sich einen Dreck um die Politik. Und wer als amerikanischer Politico auf junge Wähler setze, werde unweigerlich enttäuscht werden. Barack Obamas Kandidatur aber hat bei jungen Amerikanern zwischen 18 und 29 Jahren eine selten gesehene Begeisterung ausgelöst, weshalb manche Kommentatoren bereits von einer «politisch engagierten Generation» schwärmen.

Während John McCain bei Wählern über 55 klar führt, sind die Jungen überwiegend im Lager Obamas zu finden. So auch in Wisconsin, wo der Stab des demokratischen Kandidaten nahezu einhundert junge Helfer in über 20 Wahlkampfbüros dirigiert. Viele der smarten Twens sind Studenten an der University of Wisconsin, und sie bilden das Rückgrat des Obama-Wahlkampfs im Staat. John McCain hat dem nicht viel entgegenzusetzen; während Obamas Mitstreiter in Seminaren geschult und auf ihrem Einsatz vorbereitet werden, haften dem Wahlkampf des republikanischen Kandidaten in Wisconsin amateurhafte Züge an.

Was Wunder also, dass McCain im «Swing-Staat» Wisconsin, dessen Bürger mal republikanisch, mal demokratisch wählen, derzeit bei Umfragen erstaunliche zehn Prozentpunkte zurückliegt. Die hinter vorgehaltener Hand oft geäusserten Zweifel demokratischer Bonzen in Washington, ob die Jungen im November tatsächlich zu den Wahlurnen streben und Obama wählen werden, statt vor dem TV zu sitzen oder eine Fete zu feiern, sind unterdessen bereits leiser geworden: Die Wahlbeteiligung junger Amerikaner hat sich seit 2000 stetig verbessert, und bei den demokratischen Vorwahlen im Winter und Frühjahr glänzte das Jungvolk mit einer Rekordwahlbeteiligung.

Könnte die Präsidentschaftswahl im November mithin zu einem Show-down zwischen Alt und Jung werden, bei dem sich das junge Amerika erstmals gegen die Senioren durchsetzte? Nach vielen Enttäuschungen (man denke nur an die Wahl 1972, als die Jungen dem Demokraten und Antikriegskandidaten George McGovern doch ins Weisse Haus hätten verhelfen sollen!) nun also eine Sternstunde des jungen Amerika? Wetten würde ich darauf nicht, obgleich die in Madison wahrnehmbare Verehrung Barack Obamas tatsächlich den Eindruck erweckt, das junge Amerika habe in ihm eine Stimme gefunden.

Zum Schluss noch ein Wort in eigener Sache: Der Amerikanist verabschiedet sich heute von den Lesern und wird sich künftig in einer neuen Rolle per Video auf der neuen Webseite des Tagi melden. Ab Freitag geht die Reise dort weiter, von Chicago nach Los Angeles entlang der alten Route 66. Thanks!...and see you later!...


03.8.2008

Mac im Reich der Biker...

Von Martin Kilian um 15:53 [ Sturgis, South Dakota ]
Motorräder verstopfen die Strassen von Sturgis im Präriestaat South Dakota. Knatternde Harleys, um genau zu sein. Denn in Sturgis begann am Wochenende die alljährliche Harley-Davidson-Parade. Eine halbe Million Biker werden im Lauf dieser Woche erwartet, alle von weisser Hautfarbe, viele tätowiert und pikobello auf Biker herausgeputzt, auf dem Sozius oftmals ein «Biker-Chick», wie die Motorrad-Bräute genannt werden.

Sturgis ist ein einziger gewaltiger Supermarkt für die anrückenden Massen. T-Shirts mit Harley-Slogans, Mützen, Lederjacken, was auch immer: Die Biker feiern sich, und sie feiern Amerika. Patriotismus weht durch die Luft, weshalb heute Abend eine Ehrung für die Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte mitsamt einem Gedenken für die Gefallenen ansteht. Und wer wird dabei für seinen Dienst am Vaterland geehrt? John McCain natürlich, der eigens nach Sturgis einfliegt, um vor den Bikern eine Rede zu halten, ehe der Haufen anschliessend vom Rocker Kid Rock unterhalten wird.

Man wird dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten sicherlich zujubeln, derweil Barack Obama eben in Berlin zugejubelt wurde. Problematisch daran ist natürlich, dass die Berliner im November keinen amerikanischen Präsidenten wählen, die Biker hingegen schon. Die Szene in Sturgis legt nicht gerade nahe, dass Obama der Favorit der Harley-Gang ist. Ob sie mit dem demokratischen Kandidaten etwas anfangen könnten, sei dahingestellt; sicherlich aber ist McCains Auftritt in Sturgis letzten Endes publikumswirksamer als Obamas Rede in Berlin.

Das Gesichtsbad des Republikaners bei den Harley-Fans in Sturgis markiert nur einmal mehr, wie bedenklich es derzeit um Obama steht. Obschon die Demokraten als haushohe Favoriten in die Kongress- und Präsidentschaftswahlen gehen, verliert ihr Kandidat an Höhe und hat sich bislang nicht als der Favorit etabliert, der er eigentlich sein sollte. McCain ist daran nicht unschuldig: Er und seine Berater wissen, dass sie im November nur gewinnen können, wenn sie Obama in den Schmutz ziehen.

Entsprechend rutschte der Wahlkampf McCains in der vergangenen Woche immer tiefer in den Schlamm ab: Man log dreist, Obama habe sich geweigert, bei seinem Besuch in Deutschland verletzte amerikanische Soldaten zu besuchen. Und danach schaltete McCains Truppe einen Gang zu, indem sie den Demokraten in mehreren Werbespots als eine Celebrity-Figur mit Luft zwischen den Ohren zeichnete. Man warf ihn im TV mit Paris Hilton und Britney in einen Topf und malte Obama als elitären Snob, der bestimmte Edelmarken konsumiere und – siehe Berlin! – als entrückter Promi durch die Welt schwebe.

Ob McCains Rechnung im November aufgeht, steht in den Sternen; immerhin aber ist Obama seit seinem Trip nach Europa ins Trudeln geraten und liegt bei Umfragen nurmehr gleichauf mit McCain. Dass der Republikaner, der doch stets den Ehrenmann gibt, in den politischen Morast herabzusteigen gewillt ist, muss als kalkulierter Versuch gesehen werden, den Wahlkampf auf negativem Terrain zu führen und Obama so unwählbar zu machen. Der hat sich bislang erstaunlich wenig gegen den harten Ton seines Rivalen gewehrt – und läuft mit dieser Zurückhaltung Gefahr, ähnlich wie John Kerry 2004 vom republikanischen Gegner definiert zu werden.

Noch ist für den Demokraten nichts verloren, doch könnte sein Bestreben, über den Niederungen der Politik zu schweben, von der Wählerschaft als eklatante Hilflosigkeit interpretiert werden. Damit erfüllte sich Hillary Clintons interne Prophezeiung, Obama werde unter den Peitschenhieben der Republikaner vergehen und die Wahl verlieren. Vielleicht hätte Barack Obama daher gut daran getan, statt in Berlin in Sturgis aufzutreten. Sich bewundern zu lassen, ist eine Sache. Harley-Biker zu überzeugen eine andere – und politisch wesentlich einträglicher.


01.8.2008

Sheridan wird entdeckt...!

Von Martin Kilian um 17:58 [ Sheridan, Wyoming ]

«Wir installieren einen Kater und warten diesen», verspricht augenzwinkernd das Schild über dem Tresen der «Mint Bar» in Sheridan im Weststaat Wyoming. Der Abend ist noch jung, doch geht es hoch her im Gastraum der Bar, deren Markenzeichen Dutzende ausgestopfter Tiere aus den nahegelegenen Bergen sind. Über der Kasse sind gut lesbar auf einem Blatt Papier die Namen ehemaliger Gäste verzeichnet, die ein Lokalverbot ereilte. Auf die Frage, was denn zu tun sei, um auf ewig verbannt zu werden, klärt die Barfrau lächelnd auf, es bedürfe dazu «mindestens einer Schlägerei».

Willkommen im Wilden Westen, wo Rancher nicht selten über zehntausend Hektar Land gebieten und Cowboys wie Möchtegern-Cowboys der Stoff von Mythen sind. Und wo, um der Langeweile harter Winter und geografischer Abgeschiedenheit zu entgehen, getrunken wird wie kaum irgendwo sonst im weiten amerikanischen Land. Wie viele Städtchen und Flecken im dünnbesiedelten Wyoming hat auch Sheridan das stete Auf und Ab einer Wirtschaft erlebt, die auf Öl- und Gasausbeutung sowie auf Landwirtschaft fusst. Mal war die erst 1882 gegründete Stadt oben, mal war sie unten, immer aber bewegte sie sich im Gleichschritt mit den Energie- und Rindfleischpreisen. Der hohe Preis für Methangas mag derzeit gutes Geld in Sheridans Kassen und Geldbeutel spülen, doch ist der Stadt etwas viel Einträglicheres widerfahren: Sie ist entdeckt worden!

Wunderschön gelegen unweit der Bighorn-Berge ist Sheridan, weshalb es Reiche und Vermögende zusehends hierher zieht. Je nach Sichtweise profitiert die Stadt entweder von der rasanten amerikanischen Konzentration von Reichtum – oder ist zu deren Opfer geworden. John Mossholder wuchs in Sheridan auf und besucht seine Heimat jeden Sommer, um in der Berghütte seiner Familie einige Monate zu verbringen. Sheridan werde «aspenisiert», klagt er unter Anspielung auf das Skiparadies Aspen in Colorado, wo die Reichen die Preise derart in die Höhe getrieben haben, dass das Leben für Normalsterbliche nahezu unbezahlbar geworden ist. An der Hauptstrasse von Sheridan entdeckt Mossholder, dessen Familie um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nach Sheridan zog, die unertrüglichen Zeichen der «Yuppiefizierung»: Teuere Boutiquen und Kunstgallerien, wo ein Gemälde grasender Hirsche 40000 Dollar und mehr kosten kann.

Betrieben die Mossholders über Jahrzehnte hinweg ein Möbelgeschäft in Sheridan, so bietet die Familie George in ihrem Laden unweit der berühmten Sattlerei der Familie King – sogar Queen Elizabeth kaufte einst dort ein! – traditionelle West-Kleidung an: Cowboyhüte, Jeansröcke und dergleichen. Besitzerin Deana George hält nicht viel von den reichen Neubürgern Sheridans. «Manche von denen leben nur ein paar Monate im Jahr in der Region und bringen der Gemeinschaft ausser steigenden Lebenshaltungskosten nicht viel», sagt sie. «Wir sind bereits der zweitteuerste Landkreis in Wyoming, nur Jackson ist teuerer», mault die Geschäftsfrau.

Wie einst im malerischen Jackson im äussersten Westen Wyomings, wo sich bereits seit Jahrzehnten die Reichen und die Schönen niederlassen und der kleine Flughafen bisweilen mit privaten Jets überquillt, steigen die Landpreise auch um Sheridan rapide an. Und in der Umgebung des Städtchens entstehen Golfplätze, um die herum Villen für Millionäre gebaut werden. Der amerikanische Dollar-Adel weiss eben um die Schönheit der Landschaften in den Berglandschaften des amerikanischen Westens und kauft sich ein. In der «Mint Bar» ist vom «neuen» Sheridan allerdings noch herzlich wenig zu spüren. Und auch Deana George muss sich vornehmlich mit dem «alten» Sheridan herumschlagen: Wiederholt sind die Schaufenster ihres Bekleidungsgeschäfts in den vergangenen Monaten zertrümmert worden. Entweder wurden sie von Betrunkenen eingeschlagen oder die Betrunkenen fielen durch die Scheibe. Einfach so.

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28.7.2008

Anna und Miguel...

Von Martin Kilian um 15:52 [ Boise, Idaho ]
Anna und Miguel trinken auf dem Balkon einer Bar. Unter ihnen saust Boises Verkehr vorbei. Miguel ist 35. Anna schätzungsweise 34. Oder 30. Sie leben in Nampa, etwa zwanzig Kilometer ausserhalb Idahos Staatshauptstadt Boise. Fünf Kinder haben sie. Das Älteste ist 16. Heute Abend erholen sie sich von den Kindern. Und Anna hat sich hübsch gemacht.

Miguel sagt, in Boise treffe man immer interessante Menschen. Er hat noch nie das Meer gesehen. Nur zwei Mal in seinem Leben hat Miguel Idaho verlassen. Einmal reiste er nach Arizona, ein andermal nach Texas. Er hat die Figur eines Rausschmeissers und trägt in jedem Ohr einen Ring. Seine Eltern zogen von Colorado nach Idaho. Vor langer Zeit, denn Miguel ist in Idaho geboren. Anna kam in Edinburgh nahe der mexikanischen Grenze in Texas zur Welt. Beide sind sie Latinos. Und beide schimpfen sie über illegale Einwanderer. Sie fegten den Arbeitsmarkt leer. Anna und Miguel verstehen sich als Amerikaner. Mexiko? Keine Rede davon.

Anna arbeitet in einem Sexshop in Nampa. Miguel war anderthalb Jahrzehnte Landarbeiter in der Gegend um Nampa. Zwiebeln und Kartoffeln hat er geerntet. Der Boss habe ihn beschissen, sagt Miguel. Seit einer Woche fährt er einen Lastwagen und beliefert Kettenrestaurants mit Lebensmitteln. Ein guter Job – mit einer Krankenversicherung für ihn und Anna und die Kinder. Miguel schwärmt von Idaho. Er geht jagen. Idaho kenne keine Vorurteile, sagt er. Anna hingegen findet Idaho langweilig. Sie würde gern nach San Jose in Kalifornien ziehen. Wegen der Vergnügungsparks, die es dort gibt.

Miguel aber will in Idaho bleiben. Nach Berlin würde er gern reisen. Dort gebe es tolle Klubs. Ein Trip nach New York wäre gleichfalls toll. Anna und Miguel waren noch nie an der Ostküste. Anna fragt verlegen, wo Washington sei. Unterhalb von New York? Die Wirtschaftslage werde immer schlechter, sagt Miguel. Aber sein neuer Job! Er habe Glück gehabt. Und Idaho sei eben wunderbar. Vielleicht reiche es einmal nach Berlin. Aber ohne die Kinder, lacht Anna.


27.7.2008

Im Milden Westen....

Von Martin Kilian um 23:13 [ Boise, Idaho ]
Eigentlich sollte Paranoia einsetzen in Boise, der Hauptstadt Idahos. Der Staat gilt als bis in die Knochen konservativ, vor Jahren machte er Schlagzeilen durch sein Sammelsurium durchgeknallter Neonazis. Idaho ist weiss und republikanisch und eben einer jener Staaten in den Rocky Mountains, wo die Republikaner einen Ziegenbock als Kandidaten hätten präsentieren können, ohne ihre Wahlchancen dadurch allzu heftig zu mindern.

Aber etwas Frisches und für John McCain nicht unbedingt Erkleckliches liegt in der Bergluft der Rockys – und Boise kann als Beispiel für diesen Wandel zitiert werden. Die lebens- wie liebenswerte Innenstadt ist belebt, und wenige Strassenzüge vom schmucken Kapitol des Staats feiern Boises baskische Einwanderer – sie kamen als Schafhirten nach Idaho – ihr ethnisches Erbe. Von Neonazis natürlich keine Spur, auch verrät das Treiben in der Innenstadt, dass Boise hip geworden ist. Dahinter verbirgt sich eine bemerkenswerte Story dieses amerikanischen Wahlkampfs: Gilt seit Lyndon Johnson, dass der alte konföderierte Süden und die Rockys die zwei Hauptsäulen des republikanischen Konservatismus bilden, so liebäugeln die Bergstaaten des Westens, von Montana an der kanadischen Grenze bis hinunter nach New Mexico, jetzt zunehmend mit den Demokraten.

Zwei Washingtoner Senatssitze verloren die Konservativen bei den Wahlen 2004 und 2006 in der Region, im Herbst werden weitere republikanische Pfründen in den Rockys an die Demokraten wechseln. Sowohl in Colorado als auch in New Mexico liegen demokratische Senatskandidaten klar vor ihren republikanischen Rivalen. John McCain muss überdies fürchten, dass ihm bislang überwiegend republikanische Bergstaaten wie Montana und Colorado im November abhanden kommen könnten. Und selbst in Idaho weht ein frischer Wind: Als Barack Obama den Staat vor der demokratischen Urwahl besuchte, jubelten ihm 13000 Menschen zu. Und nach seinem haushohen hiesigen Sieg über Hillary Clinton schielt das Lager des demokratischen Kandidaten nun auf Idaho, wo seit Lyndon Johnson kein demokratischer Präsidentschaftskandidat gewonnen und seit 1994 kein Demokrat ein staatsweites Amt bekleidet hat.

Zum einen zieht es mehr und mehr eher liberale Bürger aus Kalifornien und dem amerikanischen Osten nach Idaho, zum anderen werden die «Idahoans» mit den gleichen Problemen konfrontiert wie ihre Mitbürger an den Küsten: Ein idiotisches Gesundheitswesen, sinkende Hauspreise, beträchtliche private Verschuldung, hohe Energiepreise. Zumal sich sogar in den Rockys ein genereller Überdruss am Konservatismus republikanischer Prägung breitmacht, der nach einem Vierteljahrhundert ideologischer und politischer Vorherrschaft schal und altbacken geworden ist. Kippen Teile der Region im November, dürfen sich die Demokraten selbstverständlich auch bei George W. Bush bedanken, der seine eigene Partei überzeugender in Misskredit gebracht hat, als dies ein Demokrat jemals hätte tun können.

Barack Obama mag in Idaho verlieren, die Demokratische Partei, die den Staat in der Vergangenheit politisch kaum wahrnahm, wittert indes Morgenluft und möchte zumindest einen Sitz im Washingtoner Repräsentantenhaus erobern, nämlich jenen des republikanischen Abgeordneten Bill Salis. Selbst manche seiner Parteifreunde in Idaho halten den angestrengt sozialkonservativen Salis für einen Wirrkopf, der bereits vor seiner Washingtoner Karriere in Idahos Staatsparlament allerlei Unsinn verzapfte. Unter anderem behauptete er, es existiere ein Zusammenhang zwischen Abtreibungen und Brustkrebs.

Es ist diese Art dummdreister Belehrung, welche in den libertär ausgerichteten Rockys zusehends nervt. Die Region, von Montana bis nach Colorado und von Idaho bis Nevada, könnte John McCain im Herbst mithin eine schmerzliche Überraschung bescheren – und den tiefen Süden als einzige republikanische Bastion isolieren.


26.7.2008

Der Nichtwähler….

Von Martin Kilian um 06:23 [ Klamath Falls, Oregon ]
Die Urbanität San Franciscos ist längst entschwunden, auch zeigt der Kompass des Autos an, dass die Fahrt erstmals seit Washington wieder nach Osten geht. Über den Bergen des nördlichen Kaliforniens hängt der Rauch der Waldbrände, die den Staat heimsuchen. Die Landschaft bleibt karg, kaum wird es grüner nach der Überquerung der Staatsgrenze zwischen Kalifornien und Oregon.

Das östliche Oregon ist eine Halbwüste, klein und entlegen sind seine Städte und Flecken. Klamath Falls mag fast 20000 Einwohner haben, viel her aber macht die Stadt nicht. Das Auto verlangt nach einem Ölwechsel, der bei Jiffy Lube, einer landesweiten Kette, erledigt wird. Andrew, der Mechaniker, bedeutet mir, dass er kein Fan europäïscher Automarken sei. Zu viel gehe kaputt, sagt er, weshalb er, Andrew, stets japanische Autos fahre. Sein alter Honda habe beim Verkauf 300000 Kilometer gehabt, jawohl, und «er läuft immer noch, neulich habe ich das Ding gesehen».

Nein, über die Präsidentschaftswahl im November habe er sich bislang keine Gedanken gemacht, sagt der Mechaniker; wahrscheinlich werde er nicht wählen. «Ich bin völlig uninformiert», gesteht er. Damit macht Andrew von einem amerikanischen Ur-Recht Gebrauch: Sich einen Deibel um die Politik zu scheren. Barack Obama wird Oregon im November wahrscheinlich einsacken, im republikanischen Klamath Falls aber stehen seine Chancen so gut nicht. Es wird gefischt und gejagt inmitten der grandiosen Natur um Klamath Falls, und das weit entfernte Washington erscheint vielen vor allem als ein Ort, wo durchtriebene Politiker allerlei Angriffe auf das Recht auf Schusswaffenbesitz starten.

Andrew bekundet, Klamath Falls sei so toll nicht; weg an die pazifische Küste Oregons zieht es ihn. Andere aber finden die Kleinstadt fabelhaft: Zehn Prozent der Bevölkerung sind Latinos, die der neuen Heimat bereits ihren Stempel aufdrücken.


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24.7.2008

Ein Denkmal für Jorge Arbusto!....

Von Martin Kilian um 02:05 [ San Francisco, California ]
San Francisco hat schon immer nach einer ganz und gar eigenen Musik getanzt. Die Stadt am Paizfik stand und steht für einen progressiven amerikanischen Liberalismus und für eine Toleranz, die ihresgleichen in den Vereinigten Staaten sucht. Den Betonköpfen der republikanischen Rechten ist das Juwel am Pazifik deshalb stets ein Dorn im Auge gewesen. Als die Demokraten 1984 ihren Präsidentschaftskongress in San Francisco abhielten, kreierte Ronald Reagans damalige Uno-Botschafterin Jean Kirkpatrick den abschätzigen Begriff «San Francisco Demokraten» - radikal, schwul, ohne Sitte und Moral sei die Partei, wollte die republikanische Dame damit sagen.

Ausgerechnet San Francisco aber möchte George W. Bush das erste Denkmal spendieren, damit der Präsidentschaft dieses höchst unpopulären Präsidenten zumindest am Golden Gate mit Würde und Inbrunst gedacht wird. Dieses hehre Ziel gesetzt hat sich die «Presidential Memorial Commission», eine Kommission zur Schaffung eines geeigneten Denkmals, hinter der ein gewisser T. Wayne Pickering steckt. Und hinter Mr.Pickering verbergen sich Brian McConnell und sein Freund Michael Jacinto, beide grosse Bewunderer des doch ach so geschmähten amerikanischen Präsidenten. Auf ihrer Webseite identifiziert sich die Kommission als eine «unparteiliche, nicht-staatliche Organisation zwecks Ehrung des Präsidenten». Da sich die Bush-Präsidentschaft dem Ende nähere, sei es «wichtig, ein dieser Präsidentschaft angemessenes Denkmal zu finden», heisst es dort weiter.

Und was könnte angemessener sein, als eine Kläranlage nach Bush zu benennen? Jawohl, eine Kläranlage! Die Idee kam Brian und Michael, als sie in einer Bar in San Franciso über ein passendes Denkmal für Bush nachdachten. Bei der städtischen Wahlbehörde füllten die beiden umgehend das nötige Formular aus, um mittels eines Volksbegehrens die «Oceanside Water Pollution Control Plant» in «George W. Bush Sewage Plant», also die «George W. Bush Kläranlage», umzubenennen. Damit San Franciscos Wähler bei den Präsidentschafts- und Kongresswahlen im November darüber abstimmen können, wurden Tausende von Unterschriften gesammelt. «Zuerst dachten die Leute, das sei ein Witz, aber dann entwickelte die Idee ein Eigenleben und eine richtige Bewegung kam zu Stande», erklärt Brian.

In der ersten Juliwoche legte die Kommission zwölftausend Unterschriften vor, mehr als genug, um die Umbenennung der Kläranlage zur Abstimmung vorzulegen. Bereits zuvor, im Juni, war Bushs Pressesprecherin Dana Perino bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus auf die übel riechende Angelegenheit angesprochen worden. «Das verdient keine Erwiderung», entrüstete sie sich. Widerstand gegen die Pläne der Denkmal-Kommission kam nicht nur von San Franciscos wenigen Republikanern, sondern vor allem von den Arbeitern der Kläranlage. Sie hätten geklagt, die Namensänderung «sei respektlos, da die Kläranlage gut funktioniert» und deshalb nicht verdiene, Bushs Namen zu tragen, so Brian McConnell. Vergangene Woche aber war es offiziell: Das Wahlbüro der Stadt verkündete, dass die Initiative im kommenden Herbst San Franciscos Wahlscheine zieren wird.

Falls das Volksbegehren angenommen wird – woran niemand zweifelt - , kann die Namensänderung am Tag, an dem George W. Bush das Weisse Haus verlässt, in Kraft treten. «Es wäre das erste Denkmal für Mr. Bush!», enthusiasmiert sich McConnell. Wer hätte gedacht, dass El Presidente Jorge Arbusto ein derart kerniges Denkmal erhalten würde! Es bleibt zu hoffen, dass diesem schönen Monument noch viele von der gleichen Sorte folgen werden!


22.7.2008

Stille Tage am Strip...

Von Martin Kilian um 06:34 [ Las Vegas, Nevada ]
Die Schlange vor dem Schalter des Hotels ist enorm, die Gäste sind gleichwohl geduldig. Draussen sticht die Sonne - das Thermometer ist auf 35 Grad geklettert - , derweil sich drinnen die Angestellten des Flamingo Hotels und Casinos in Las Vegas mühen, ihre 3600 Zimmer mit den Wartenden zu füllen. Die amerikanische Wirtschaftslage ist prekär, zwei Kriege in Afghanistan und im Irak zehren die Nation aus, in Vegas freilich ist davon nichts zu spüren. Menschenmengen spazieren den legendären «Strip» entlang, der zu beiden Seiten von Kasinos und Hotels gesäumt wird, der Autoverkehr reisst nicht ab und aus den Lautsprechern plärren aufdringlich Musik und Werbung.

Vegas ist nichts für Schöngeister; eine Spielwiese der Geschmacklosigkeiten ist die Stadt und doch ist sie faszinierend genug, um Touristen aus dem gesamten Land wie aus Übersee anzulocken. So ganz auf Hochtouren dreht die verrückte Herberge in der Wüste gleichwohl nicht; die Zahl der Besucher ist rückgängig, Bettenbelegung wie Anzahl der Spielenden haben abgenommen. Sonntags am Strip aber ist davon ebenso wenig etwas zu spüren wie vom bröckelnden Immobilienmarkt der Stadt. Die Hypotheken-Krise hat Vegas besonders stark getroffen; nirgendwo im Land ist die Zahl der Zwangsenteignungen grösser, nirgendwo sind die Hauspreise ähnlich stark abgestürzt wie in Las Vegas.

Gewaltig ist die Stadt gewachsen in den vergangenen Jahren und hat Pensionäre wie Mittelklässler angezogen, die das Klima und die erschwinglichen Preise für ein Einfamilienhaus in Suburbia schätzten. Jetzt ist es damit vorbei: Um die Ausbreitung von Moskitos zu verhindern, pumpt die Stadt jede Woche ein halbes Dutzend Swimming Pools in den Gärten leerstehender Häuser aus. Dass die Preise für Einfamilienhäuser mindestens um ein Viertel gesunken sind, könnte Vegas langfristig indes zu noch mehr Wachstum verhelfen. Zwei Millionen Menschen leben hier, schon 2016 werden es Schätzungen zu Folge drei Millionen sein.

Die Stadt ist unterdessen so kitschig wie eh und je, eine imaginäre Welt voller potemkinscher Städte: Venedig lässt ebenso im kleinen Masstab grüssen wie Paris oder New York. Realitätssinn war noch nie die Stärke der Impresarios, die Vegas von einem Nest im Hinterland in ein internationales Reiseziel verwandelt haben. Henry Millers klimatisierter Alptraum kommt in Vegas als eine Melange von Lärm und Neon daher, die von den Besuchern in vollen Zügen genossen wird. Wer etwas tiefer schürft, entdeckt eine ganz andere Seite des Wahnsinns in der Wüste: Keine amerikanische Stadt ist gewerkschaftlich besser organisiert als Vegas, dessen Dienstleister das Rückgrat der Demokratischen Partei im Staat Nevada bilden.

Und falls Barack Obama im November in Nevada überraschend siegen sollte, hätte der Senator das Las Vegas zu verdanken, wo ihm die Bediensteten der grossen Hotels den nötigen Auftrieb verschaffen könnten. Die amerikanischen Besucher, die in der sonntäglichen Mittagshitze flanieren, wollen davon jedoch nichts wissen: Die Präsidentschaftswahl stünde ja erst in dreieinhalb Monaten an. Davor kommen bitte schön die Ferien – zwei oder drei Nächte im Neonlicht von Vegas.

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18.7.2008

Love and peace, baby!....

Von Martin Kilian um 18:36 [ Bisbee, Arizona ]
Der schwergewichtige Mann, den alle «Loki» nennen, schüttelt Kopf und Rauschebart. John McCain? «Das hier ist Obama-Land, von McCain wollen wir nichts wissen», antwortet er. Der republikanische Präsidentschaftskandidat mag aus Arizona kommen, nicht jedermann in seinem Heimatstaat aber ist begeistert von ihm. Von Dissidenten in Arizonas Republikanischer Partei wurde McCain verschiedentlich als durchgeknallter Hitzkopf angefeindet, und die «Arizona Republic», die einflussreichste Zeitung des Staats, hatte sogar seines vulkanhaften Temperaments wegen vor einem Präsidenten McCain gewarnt.

Sicherlich wird der Senator bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst in Arizona siegen, in Bisbee allerdings wird er verlieren. Malerisch liegt das Städtchen inmitten der Wüstenhügel des südöstlichen Arizona, umgeben von Bergwerken, in denen Kupfer abgebaut wurde. Als die Minen Mitte der siebziger Jahre schlossen, entdeckten Hippies das pittoreske Nest – und rückten in Scharen ein. Das Städtchen entwickelte einen verdienten Ruf als Hochburg alternativer Lebenskünstler, die Gallerien und Kneipen gründeten oder einfach den Rauch des Hanfs zufrieden in die Wüste bliesen. Inzwischen sind sie in die Jahre gekommen, ohne dass sich ihre Lebenseinstellung wesentlich geändert hätte.

Es mangele ihnen, nun ja, an einer gewissen Arbeitsmoral, klagt Patty, die vor zwei Jahren ein Hotel in Bisbee eröffnete. Die örtliche Wirtschaft lebe vom Tourismus, viele Geschäfte aber seien nur sporadisch geöffnet, klagt die Hotelbesitzerin. Auch sei lachhaft, dass bisweilen einfach so ein Schild an einer Ladentür hänge, worauf ohne Zeitangabe verkündet werde, der Inhaber sei «in einer Stunde» wieder zur Stelle. Um zwei Uhr? Oder um vier?

Die Hippies wiederum beäugen misstrauisch das Treiben der Geschäftstüchtigen, die Bisbee endlich zu touristischer Blüte verhelfen wollen. «Wir mögen es ein wenig langsam», sagt Loki, der am frühen Nachmittag im St.Elmo, seiner Stammkneipe, zu finden ist. Längs des Tresens grüssen wehende Bärte und lange Haare mitsamt einem Lebensgefühl, das mit einem Präsidenten McCain schlicht unvereinbar wäre. Gewiss wird Arizona seinen «Favorite son» im Herbst auf den Schild heben, in Bisbee allerdings muss sich der Senator mit dem zweiten Platz begnügen. Love and peace, baby!


Loki in seinem Element...


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17.7.2008

Erschwerter Grenzübertritt….

Von Martin Kilian um 17:14 [ El Paso, Texas ]
Der Zollbeamte am Grenzübergang zwischen dem texanischen El Paso und der mexikanischen Millionenmetropole Ciudad Juarez setzt eine bedenkliche Miene auf. Meine Zigarre, die ich in Juarez gekauft habe, sei kubanischer Herkunft, sagt er, die Augen hinter einer Sonnenbrille verborgen. Mir sei sie als nicaraguanische Zigarre angepriesen worden, wende ich schüchtern ein. Es sei zweifelsohne eine kubanische, er kenne schliesslich die Gepflogenheiten der mexikanischen Geschäftemacher, wehrt der Vertreter des amerikanischen Staats und Aufseher über das Embargo gegen Fidel ab. Ich befände mich im Besitz illegaler Ware und müsse diese zurück über die Grenze bringen, ordnet der Zöllner an, worauf ich mich auf den Weg zur Grenzbrücke mache, wo hoch über dem schmutzigen Rio Grande die Staatsgrenze verläuft.

Schwer gesichert ist die Demarkationslinie zwischen Mexikanern und Gringos in El Paso, denn wie überall längs der Grenze zwischen dem englisch- und spanischsprachigen Amerika gilt es illegale Einwanderer abzuwehren. Zäune und Sperren entlang des einbetonierten Flusses trennen die beiden Grosstädte, vor allem aber trennen sie Welten: El Paso, geradeso mexikanisch wie Juarez, ist eine aufstrebende amerikanische Latino-Hochburg, Juarez eine Hölle auf Erden. Die Stadt geriet in die Schlagzeilen, nachdem über Jahre hunderte junger Frauen ermordet wurden. Nackte Gewalt regiert Juarez, wo Drogenbanden gegeneinander wie gegen den Staat mobil machen. An einem einzigen Wochenende in diesem Jahr wurden 24 Menschen erschossen, täglich vermeldet die Stadt fünf bis zehn Mordopfer.

Im Juni wurden drei mexikanische Polizisten nahe des Genzübergangs ermordet, obwohl die mexikanische Armee seit drei Monaten die Strassen von Juarez in kugelsicheren Westen und mit Maschinengewehren patroulliert. Amerikanische Touristen, die einst in Massen durch die Strassen von Juarez flanierten und einkauften, sind nirgends zu sehen. «Zu gefährlich», sagt der Barmann in der Kentucky Bar an der Avenida Santa Fe. Neulich wurde bei einer Schiesserei ein zwölfjähriges Mädchen im Kreuzfeuer rivalisierender Gangs getötet.

Nun stehe ich auf dem höchsten Punkt der Grenzbrücke und damit exakt auf der Staatsgrenze und verschenke meine Zigarre an einen höchst erbauten jungen Mexikaner, ehe ich wieder abwärts gegen Norden dem Zoll zustrebe. In einem eingezäunten Teil des Grenzübergangs stehen zwei weisse Busse der amerikanischen Grenzschützer, denen abgefangene Illegale entsteigen. Allesamt sind sie junge Männer, die nun nach Mexiko abgeschoben werden. Die meisten werden neuerlich versuchen, illegal in die Vereinigten Staaten einzureisen.

Die illegale Einwanderung ist zu einem heissen Thema des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes geworden, weder Barack Obama noch John McCain aber haben ein probates Rezept gegen den Ansturm von Menschen, die in den Vereinigten Staaten Arbeit suchen und von amerikanischen Arbeitgebern oft für die gröbste Dreckarbeit angeheuert werden. Weil die Republikanische Partei streng gegen die Illegalen vorgehen möchte und eine Amnestie ablehnt, wird eine Mehrheit amerikanischer Latinos im Herbst demokratisch wählen – eine potentiell fatale Entwicklung für die Republikaner, da sich die schnell wachsende hispanische Gemeinschaft trotz ihres gesellschaftspolitischen Konservatismus langfristig an die Demokratische Partei binden könnte.

An der Grenze zwischen El Paso und Juarez wird das amerikanische Dilemma jedenfalls grell beleuchtet: Was soll aus Mexiko werden, wenn das soziale Sicherheitsventil der Auswanderung nach Norden geschlossen wird? Und wie kann andererseits verhindert werden, dass Millionen von Mexikanern und Zentralamerikanern die amerikanischen Grenzen überfluten?

Ich nehme jetzt einen zweiten Anlauf, diesmal ohne Zigarre, um zurück nach El Paso zu gelangen. Am Grenzübergang erwartet mich Officer Jones, ein graumelierter Herr mit einem freundlichen Gebaren. Was ich in Juarez getrieben hätte, will er wissen. Ob ich nicht wisse, wie gefährlich es dort sei, fragt Officer Jones und klärt mich umgehend auf. Ein «viertklassiges Land» sei Mexiko. Total korrupt. Und die Gewalt in Juarez! Seine Kollegen und er könnten nächtens das Knattern der Knarren jenseits der Grenze hören. Er habe einen netten Mann gekannt, der Restaurants in El Paso und Juarez besessen habe. Man habe ihn erschossen in Juarez. «Sie sollten Ihr Geld nicht dort drüben ausgeben, geben Sie es hier aus», sagt Officer Jones nach dem Ende seiner Tirade. Er meint es ja nur gut mit mir.


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